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35-jährige Primarschülerin«Ich konnte als Kind nicht in die Schule gehen»

Die älteste Primarschülerin der Schweiz, die Peruanerin Norma, soll die 3. Klasse nicht mehr besuchen dürfen. Im Video erzählt sie, wie sie sich unter den viel jüngeren Gspänli fühlt.

von
daw/dp

Norma Ammann (35): «Die Schule ist für mich wie ein Paradies.» (Video: Tele M1)

Seit fünf Monaten geht Norma Ammann ganz normal in die dritte Klasse im aargauischen Vordemwald. Kurios: Die Peruanerin ist bereits 35 Jahre alt – und damit fast viermal so alt wie ihre Gspänli. Norma hat die Herzen von Lehrerin und Schülern im Sturm erobert: «Es ist cool mit ihr. Wir können etwas von ihr lernen und sie von uns», sagt Schülerin Joy Träger (10) im Beitrag von Tele M1. Lehrerin Roberta Weber ist voll des Lobes: «Mit ihrem Interesse und ihrem Ehrgeiz ist sie ein Vorbild für die Kinder.» Auch Norma Ammann schwärmt von der Schule: «Als Erwachsene die Primarschule zu besuchen, ist mir nicht peinlich. Die Schule ist für mich wie ein Paradies.»

Seit drei Jahren ist sie mit einem Schweizer verheiratet, nachdem sie vor sechs Jahren als Kindermädchen in die Schweiz gekommen war. In Peru war sie als Tochter mittelloser Eltern aufgewachsen – und hatte nie eine Schule besucht. Ihr Mann Hans-Ulrich war es, der die Idee mit der Primarschule hatte, nachdem er in der Nähe kein geeignetes Angebot für seine Frau gefunden hatte: «Ich liess mich vom Film ‹Sternenberg› inspirieren, in dem Mathias Gnädinger als Grossvater in die Schule geht.»

Am Horizont ziehen aber dunkle Wolken auf: Das Aargauer Bildungsdepartement will Norma Ammann von der Schule weisen: «Laut dem Schulgesetz sind nur Kinder und Jugendliche zugelassen», so Sprecherin Irène Richner. Man werde nächste Woche Kontakt mit der Schule aufnehmen, um eine gute Lösung zu finden. Heute wird Ammann nochmals zur Schule gehen. «Wäre es das letzte Mal – ich wäre sehr traurig», so Norma Ammann.

(daw/dp/20 Minuten)

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