Schweizer filmt Todeskampf: «Ich konnte dem kleinen Elefanten nicht helfen»
Aktualisiert

Schweizer filmt Todeskampf«Ich konnte dem kleinen Elefanten nicht helfen»

Der Schweizer Kurt Haas hat auf einer Safari in Simbabwe gefilmt, wie ein junger Elefant von Löwen zerfleischt worden ist. Das Schicksal des Elefanten ging ihm nah.

von
Deborah Onnis

«Ich muss heute noch daran denken. Und es tut mir immer noch weh», sagt Kurt Haas. Letzten November hat er auf einer Safari im Nationalpark Hwange in Simbabwe miterlebt, wie ein Elefanten-Baby von Löwen zerfleischt wurde. Mit Tränen in den Augen nahm der 67-Jährige Bilder auf, die diese Woche um die Welt gingen.

Kurt Haas und seine Frau Heidi hatten an einem Wasserloch eine Löwenfamilie beobachtet. Plötzlich näherte sich ein etwa sechsjähriger Elefant, um zu trinken. «Er war allein, schutzlos und wirkte nervös und gestresst», sagt Haas, der bereits auf mehreren Safaris war und viele Tiere gesehen hat.

Die Löwen hätten dem kleinen Dickhäuter zuerst kaum Beachtung geschenkt, bis dieser sich beim Weggehen gedreht und ein paar Schritte gegen die Löwen gemacht habe. «Diese Geste war wohl der Auslöser für die Reaktion der Löwen», vermutet Haas. Ein junger Löwe stürzte sich daraufhin auf das Rüsseltier und versuchte, es aus dem Gleichgewicht zu bringen.

«Es ging mir sehr nahe»

Vergebens versuchte der kleine Elefant wegzulaufen. «Er hat sich leider nicht gewehrt, sonst hätte er vielleicht eine Chance gehabt», sagt Haas. Als der Löwe den Dickhäuter schliesslich zum Umfallen gebracht hatte, hielt ein zweiter Löwe den zappelnden Elefanten am Boden fest, damit der erste Löwe besser zubeissen konnte. «Die Szene ging mir sehr nahe. Zu sehen, wie ein Tier tötet, ist ganz anders, als nur zuzuschauen, wie ein Tier seine Beute frisst», sagt Haas. Seine Frau konnte die 30-minütige Szene nur weinend mitansehen.

«Es war hart, aber ich wusste, dass ich dem Elefanten-Baby nicht helfen konnte», so Haas. «Es hätte ohnehin nichts gebracht. Die Löwen hätten ein anderes Tier umgebracht.» Die Natur habe eben sowohl schöne als auch brutale Seiten. Der kleine Elefant sei wohl einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen. «Von den 100 Kilogramm Elefantenfleisch konnten sich zumindest viele Tiere ernähren.»

Es tut immer noch weh

Den Film zeigte Haas einem Experten des Forschungszentrums Lion Research. «Er war erstaunt und sagte, er habe eine solche Szene erst einmal erlebt.» Vor 19 Jahren ist der Schweizer mit seiner Frau nach Afrika ausgewandert. In Bulawayo betreibt er eine Gaststätte. Seinen Film habe er inzwischen bereits 30 Mal geschaut. «Jedes Mal kommen die Emotionen wieder hoch.»

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