Strafgericht BS - «Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein so junger Mann ins Bordell geht»
Publiziert

Strafgericht BS«Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein so junger Mann ins Bordell geht»

Am Freitag stand die rumänische Sexarbeiterin vor Gericht, die im Bordell einen 13-Jährigen auf dessen Wunsch entjungfert haben soll. Die Beschuldigte bestritt, dass es zur sexuellen Handlung kam, doch das Strafgericht sah dies anders.

von
Seline Bietenhard
1 / 5
Am Freitag verurteilte das Strafgericht die 23-jährige, rumänische Sexarbeiterin zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Franken. 

Am Freitag verurteilte das Strafgericht die 23-jährige, rumänische Sexarbeiterin zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Franken.

20min
Im September 2020 liess sich ein 13-jähriger Jugendlicher in einem Bordell an der Mattenstrasse von ihr entjungfern.

Im September 2020 liess sich ein 13-jähriger Jugendlicher in einem Bordell an der Mattenstrasse von ihr entjungfern.

Screenshot
Der Junge hatte damals im Internet ein Inserat gesehen und daraufhin am gleichen Tag einen Termin gebucht. 

Der Junge hatte damals im Internet ein Inserat gesehen und daraufhin am gleichen Tag einen Termin gebucht.

Google Street View

Zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Franken und einer Probezeit von zwei Jahren wurde am Freitag eine 23-jährige, rumänische Sexarbeiterin verurteilt. Im September 2020 liess sich ein 13-Jähriger in einem Bordell an der Mattenstrasse von ihr entjungfern. Sie soll ihn vorher nicht nach einem Ausweis gefragt haben.

Die Rumänin beteuerte, dass sie von dem Jungen einen Ausweis verlangt habe. Dieser habe jedoch keinen dabei gehabt. «Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er so jung ist», sagte sie vor Gericht. Er habe älter ausgesehen. Normalerweise würde die Person am Empfang die Ausweise der Kunden kontrollieren. Dies sei jedoch in diesem Fall nicht geschehen.

Beschuldigte habe nicht gewusst, dass ein 13-Jähriger auftauchen würde

Laut der Verteidigerin Dominique Anwander seien die sexuellen Handlungen ausdrücklich auf den Wunsch des 13-Jährigen erfolgt. «Die notwendige Reife des Jungen für den Geschlechtsverkehr war da», so die Verteidigerin. Ebenfalls habe der 13-Jährige eigenständig im Internet nach Prostituierten gesucht und war bereit, ihre Dienste in Anspruch zu nehmen und dafür zu bezahlen. «Auch wenn man kaum denken würde, dass ein Jugendlicher ins Bordell geht», so Anwander. Für die Verteidigerin lag keine strafbare Handlung vor, da die Sexarbeiterin nicht vorsätzlich und als Täterin handelte, sondern nur als Angestellte.

Da der Kontakt über ein Sexportal erfolgte, hatte die Beschuldigte laut Anwander keinen Zugriff auf die Seite und schrieb auch nicht mit den Kunden. Es seien nicht ihre Kontaktdaten aufgeschaltet gewesen, sondern diejenigen eines Vermittlers. So habe die 23-Jährige auch nicht wissen können, dass ein 13-Jähriger im Bordell auftauchen würde.

Die Verteidigerin forderte einen vollumfänglichen Freispruch der Rumänin. Sie sei in einer schweren Lebenssituation, habe während der Coronakrise keine Unterstützungsgelder erhalten und dementsprechend von ihren Ersparnissen leben müssen.

Für das Gericht ist der Tatbestand erfüllt

Die rumänische Sexarbeiterin bestritt, dass es zu einer sexuellen Handlung mit dem 13-Jährigen kam. Laut ihr habe der Bub sie nur anfassen wollen. Das Strafgericht sah dies jedoch anders. «Auch das Anfassen an sich ist schon eine sexuelle Tat», sagte Gerichtspräsidentin Sarah Cruz. Für das Gericht sei der Tatbestand klar erfüllt, es sei zum beschriebenen sexuellen Akt gekommen. Ebenfalls hätte die Beschuldigte selber überprüfen sollen, ob der Junge älter als das in der Schweiz geltende Schutzalter war. So hätte der Irrtum vermieden werden können.

Die Schuldigsprechung mit der bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Franken sah das Strafgericht als angemessen. Da die Sexarbeiterin jedoch in einer eher schwierigen Lebenslage stecke und ihren kleinen, in Rumänien wohnhaften Sohn, sowie ihre Familie finanziell unterstütze, sah das Gericht von einem Landesverweis ab. Sie muss jedoch künftig das Alter ihrer Kunden genaustens überprüfen und sie im Zweifelsfall abweisen.

Hast du Fragen zu Beziehung, Liebe oder sexueller Gesundheit?

Hier findest du Hilfe:

Lilli.ch, Onlineberatung

Tschau, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Deine Meinung