Aktualisiert 11.03.2020 14:14

Lucien Favre«Ich konnte nur 2 Minuten schauen, keine Lust»

Der BVB kämpft in der Champions League in Paris vor einer Geisterkulisse um den Einzug in die nächste Runde. Für Trainer Lucien Favre ist es nicht das erste Spiel in einem leeren Stadion.

von
E. Tedesco
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Bevor Trainer Lucien Favre  am Flughafen zum Security-Check ging, gab er noch ein letztes Mal den Medien Auskunft, weil die obligatorische Medienkonferenz am Tag vor dem Geisterspiel ebenfalls entfiel. Die Partie findet ohne Zuschauer und auch ohne Medienvertreter statt.

Bevor Trainer Lucien Favre am Flughafen zum Security-Check ging, gab er noch ein letztes Mal den Medien Auskunft, weil die obligatorische Medienkonferenz am Tag vor dem Geisterspiel ebenfalls entfiel. Die Partie findet ohne Zuschauer und auch ohne Medienvertreter statt.

Bernd Thissen
Der BVB kämpft in der Champions League in Paris vor einer Geisterkulisse um den Einzug in die nächste Runde. Für Trainer Lucien Favre ist es nicht das erste Spiel in einem leeren Stadion.

Der BVB kämpft in der Champions League in Paris vor einer Geisterkulisse um den Einzug in die nächste Runde. Für Trainer Lucien Favre ist es nicht das erste Spiel in einem leeren Stadion.

Bernd Thissen
Am 19. April 2001 erreichte Favre mit Servette beim FC Sion ein 1:1. Das Tourbillon blieb damals leer.

Am 19. April 2001 erreichte Favre mit Servette beim FC Sion ein 1:1. Das Tourbillon blieb damals leer.

Keystone/Laurent Gillieron

Borussia Dortmund reiste mit breiter Brust zum Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League nach Paris. Nach dem 2:1-Sieg im Hinspiel gegen Paris St. Germain sind die Chancen der Dortmunder, einen Titelanwärter aus dem Wettbewerb zu werfen und sich selbst für den Viertelfinal zu qualifizieren, durchaus vorhanden. Doch das ganz grosse Thema vor dem Abflug in die französische Hauptstadt ist für einmal weder die Taktik noch der Sport, sondern das Coronavirus und das Geisterspiel.

Seit Montag steht fest, dass die Partie im Parc des Princes, der rund 48'000 Zuschauer fasst, wegen des Virus vor leeren Rängen ausgetragen wird. Das Geisterspiel war deshalb an der Medienkonferenz von Trainer Lucien Favre am Dienstag Thema. Für den Schweizer ist eine Geisterkulisse keine neue Erfahrung. «Ich hatte einmal mit Servette ein Spiel gegen Sion ohne Zuschauer. Das ist sehr komisch», sagte Favre.

BVB muss sich mental vorbereiten

Das war am 19. April 2001. Favre spielte mit den Genfern beim FC Sion 1:1 im leeren Tourbillon. Das Geisterspiel war die Folge eines Petardenwurfes, der Servette-Keeper Pédat damals verletzt hatte. 19 Jahre später erzählte der 62-jährige Favre von einem weiteren Spiel ohne Zuschauer und seiner Erfahrung dazu: «Am Sonntag wollte ich mir das Topspiel der Serie A zwischen Juventus Turin und Inter Mailand am TV ansehen – ich konnte nur zwei Minuten schauen, keine Lust.»

Dennoch musste Favre sein Team auf die besondere Situation einstellen, denn der BVB verspürt viel Lust auf ein Weiterkommen. «Sehr clever und geduldig spielen und auch defensiv ein grosses Spiel machen», lautet der Matchplan Favres für den BVB, warnt aber davor, «nur zu verteidigen. Wir müssen normal spielen. Auch wenn die Umstände sehr speziell sind. Wir müssen uns auch mental vorbereiten. Das wird ganz anders.»

Für den BVB könnte es knapp werden

Das sieht auch Sebastian Kehl so, der eine ganz komische Atmosphäre erwartet. «Das fühlt sich manchmal an wie so ein Abschlusstraining», sagte der Leiter der Lizenzspieler-Abteilung der Dortmunder. Unabhängig davon ist Kehl überzeugt, dass der BVB gewappnet ist. Glaubt man allerdings der Statistik, könnte es auf fremdem Terrain knapp werden. Die letzten fünf Partien in der K.-o.-Phase der Champions League gingen nämlich allesamt verloren. Kehl: «Wir haben gezeigt, dass wir gegen Paris sehr gut verteidigen können und haben zu Hause ein Ausrufezeichen gesetzt. Deswegen sind wir grosser Hoffnung, dass wir das in ähnlicher Form umsetzen können.»

«Ein Spiel ohne Zuschauer ist leider nicht angenehm für beide Mannschaften», schloss Favre am Dienstag, «und niemand weiss, ob das die richtige Entscheidung für den Fussball ist. Aber die Gesundheit geht vor.» Und Favre muss bereits mit der nächsten Entscheidung leben. Die Stadt Dortmund beschloss, dass auch das Revierderby gegen Schalke am Samstagnachmittag ohne Zuschauer stattfinden muss. Sportchef Michael Zorc bezifferte den Einnahmeausfall im Heimspiel auf mindestens drei Millionen Euro.

Superstar Kylian Mbappé fehlte beim Abschlusstraining der Pariser vor dem Spiel gegen Dortmund. Der 21-Jährige liess sich am Dienstag noch auf das Coronavirus testen. Der Test fiel negativ aus, Mbappé leidet an einer Angina.

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