E-Auto an nornaler Steckdose laden - Gehe ich damit ein Risiko ein?
Reguläre Steckdosen und Kabel sind nicht für das Aufladen bei hoher Kapazität für lange Zeiträume ausgelegt. 

Reguläre Steckdosen und Kabel sind nicht für das Aufladen bei hoher Kapazität für lange Zeiträume ausgelegt.

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Steckdose statt LadestationIch lade mein E-Auto an der Steckdose – ist das riskant?

Armin lädt seinen Stromer an der normalen Steckdose. Geht er damit ein Risiko ein?

von
Markus Peter, AGVS

Frage von Armin ans AGVS-Expertenteam:

Wir fahren seit zwei Jahren ein Elektroauto. Wir laden jeweils über die normale Haushaltsteckdose, die wir mit einer blauen Campingsteckdose ausgerüstet haben. Für den Anschluss des Elektroautos verwenden wir ein spezielles Adapterkabel. Der tägliche Ladebedarf liegt zwischen 80 und 150 Kilometern. In der letzten Ratgeber-Kolumne hast du geschrieben, es sei riskant, ein E-Auto an der heimischen Steckdose zu laden. Bis jetzt hatten wir nie ein Problem. Würdest du das Risiko trotzdem als hoch einschätzen?

Antwort:

Lieber Armin,

das Laden zu Hause erfolgt in deinem Fall mit einer einphasigen Wechselspannung von 230 Volt. Für die genannten Reichweiten benötigst du je nach Verbrauch im Fahrbetrieb und Wirkungsgrad des Ladegerätes zwischen 13 und 30 kWh an elektrischer Energie. Mit einem Ladestrom von 8 Ampère und einer Ladeleistung von 1,8 kW dauert der Ladevorgang zwischen sieben und 16 Stunden. Steht dir der doppelte Ladestrom zur Verfügung, so reduzieren sich die Ladezeiten um gut die Hälfte.

Auf dem Weg vom Hausanschluss in die Antriebsbatterie und wieder zurück passiert der Strom Hausverteiler, Sicherungskasten, Steckdose, Adapterkabel, Ladekabelanschluss am Fahrzeug und schliesslich das Ladegerät im Fahrzeug.

Entscheidend für eine sichere und dennoch möglichst schnelle Ladung ist das schwächste Glied in dieser Kette. Bei der Verwendung einer üblichen Schweizer Haushaltsteckdose bildet meistens sie das Nadelöhr, da solche Steckdosen dauerhaft nur acht Ampère belastet werden sollten. Eine Verbesserung bietet die blaue Industriesteckdose, umgangssprachlich oft auch als Campingsteckdose bezeichnet. Sie ist mechanisch stabiler und kann dauerhaft mit 16 Ampère belastet werden.

Bei der Umrüstung muss unbedingt sichergestellt werden, dass auch die Zuleitungen und der Sicherungskasten auf die nun höhere Belastung ausgelegt sind, sonst verlagert sich das schwächste Glied einfach in Richtung Gebäudeinstallation, was sich gefährlich auswirken kann. Genauso gefährlich ist es, zwischen Haushaltsteckdose und Ladekabel ein einfaches «Übergangsstück» zu verwenden, das auf der einen Seite einen normalen Haushaltstecker und auf der anderen Seite eine blaue Industriebuchse aufweist.

Es muss sichergestellt werden, dass auch die Zuleitungen und der Sicherungskasten auf die nun höhere Belastung ausgelegt sind

Markus Peter, AGVS

Eine praktische, flexible und bei richtiger Handhabung gefahrlose Lösung bilden spezielle Lade-Adapterkabel, die von verschiedenen Herstellern angeboten werden und die eine «intelligente» Kontrollbox enthalten. Diese Adapter werden direkt zwischen der fest installierten Haushaltsteckdose und dem Fahrzeug angeschlossen. Die Kontrollbox erkennt den verwendeten Steckdosentyp und begrenzt den Ladestrom auf den zulässigen Wert. Du schreibst, dass du einen solchen Adapter benutzt. Ich kann dich also beruhigen: Wenn du die oben genannten Faktoren alle berücksichtigt hast und die Umrüstung auf die Industriesteckdose korrekt ausgeführt wurde, lässt sich gefahrlos das Maximum aus der vorhandenen Hausinstallation herausholen.

Zum Abschluss folgender Tipp: Für die Beratung rund um das richtige Fahrzeug und Ladekabel empfehle ich dir den AGVS-Garagisten. Für die Installation und Anpassung von Steckdosen hilft dir gerne der Elektro-Installateur weiter.

Gute Fahrt!

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