Mark Streit: «Ich lasse in New York viele Freunde zurück»
Aktualisiert

Mark Streit«Ich lasse in New York viele Freunde zurück»

Mark Streit trainiert momentan mit dem SCB. Bald beginnt für den NHL-Star jedoch ein neues Kapitel: Es wartet die Bewährungsprobe bei den Philadelphia Flyers.

von
Marcel Allemann

Mark Streit, wie haben Sie diesen Sommer erlebt?

Mark Streit: Als sehr aufregend, im positiven Sinn. Es hat sich Ende Saison für mich abgezeichnet, dass ich die New York Islanders verlassen werde. Ich ging damals davon aus, dass es für mich nun heisst, bis am 5. Juli abzuwarten (an diesem Tag wäre Streit «Free Agent» geworden, Anm. d. Red.). Doch dann haben mich die Philadelphia Flyers vor diesem Datum getradet und es hat sich anschliessend vorzeitig ergeben, dass ich dort einen neuen Vertrag unterzeichnen werde. Das Resultat dieser Verhandlungen macht mich überglücklich.

Was bedeutet es Ihnen, inskünftig für die Philadelphia Flyers zu spielen?

Es ist eine grosse Ehre. Als ich nach den Playoffs in New York meine Sachen zusammenpackte und mir Gedanken über meine Zukunft machte, da befand sich Philadelphia zuoberst auf meiner Wunschliste. Einerseits wegen der Mannschaft, die ein grosses Potenzial hat, aber auch wegen des Managements, das mich überzeugt. Zudem verfügen die Flyers über eine hervorragende Infrastruktur und leidenschaftliche Fans. Philadelphia ist eine richtige Hockeystadt.

Mit Ihrem Wegzug von den New York Islanders verlieren Sie Ihr Amt als Captain eines NHL-Teams. Schmerzt es nicht, eine solche ehrenhafte Stellung abzugeben?

Es war eine grandiose Erfahrung, während zweier Jahre Captain der New York Islanders zu sein. Und dass wir es im zweiten Jahr in die Playoffs schafften und in diesen Pittsburgh alles abverlangten, ist für mich auch eine besondere Genugtuung. Dennoch war es für mich Zeit für eine neue Herausforderung. Eine solche zu suchen, tut einem als Hockeyprofi gelegentlich gut. Aber klar, ich hatte in New York eine tolle Zeit und lasse da neben dem Captain-Amt auch viele Freundschaften zurück. Das fällt einem nie leicht.

Derzeit bereiten Sie sich in der Schweiz auf die neue NHL-Saison vor. Ändert sich an Ihrer Vorbereitung etwas dadurch, dass Sie inskünftig nicht mehr für die Islanders, sondern für Philadelphia spielen?

Nein, meine Vorbereitung verläuft nach demselben Muster wie in den letzten Jahren. Ich bestritt das Sommertraining zusammen mit Roman Josi und Yannick Weber unter Anleitung von Harry Andereggen und nun trainiere ich beim SC Bern auf dem Eis mit.

Wie lange bleiben Sie noch in der Schweiz?

Ich werde am 4. September nach New York fliegen. Dort steht mein Auto, zudem habe ich auch noch meine Kleider und einige persönliche Sachen, die ich mitnehmen muss. Dann werde ich nach Philadelphia fahren und mich dort in meiner neuen Wohnung einrichten. Mein Cousin kommt mit und hilft mir dabei. Zugleich werde ich einige Einheiten auf dem Eis bestreiten, bevor dann am 11. September das Camp der Flyers beginnt.

Was wollen Sie in Ihre neue Mannschaft einbringen?

Ich spiele seit 17 Jahren professionell Eishockey und bin seit acht Jahren in der NHL. In dieser Zeit konnte ich viele Erfahrungen sammeln und diese möchte ich auch einbringen. Eine Stärke ist sicher auch mein guter erster Pass und ich hoffe natürlich auch, dass ich meine Qualitäten im Powerplay zur Geltung bringen kann.

2005 gehörten Sie zu den Schweizer Vorreitern in der NHL, mittlerweile ist eine grössere Schweizer Gruppe daraus geworden. Wie haben Sie diese Veränderungen erlebt?

Es hat sich in der Tat viel verändert. Als ich in Montreal meine erste Saison spielte, gab es einzig die beiden Goalies Martin Gerber und David Aebischer, die sich in der NHL etabliert hatten. Inzwischen sind auch Verteidiger und Stürmer dazugekommen. Verschiedene Schweizer behaupteten sich zudem in der Zwischenzeit in den starken Junioren-Ligen Nordamerikas und drängen sich so für die NHL auf. Für das Schweizer Eishockey ist das alles natürlich super und jeder, der dazu etwas beigetragen hat, darf darauf stolz sein. Ich freue mich über jeden Spieler, der den Mut aufbringt und es probiert – und ich kann es jedem nur empfehlen, diesen Weg ebenfalls einzuschlagen.

Wegen der NHL-Playoffs gehörten Sie zu den grossen Abwesenden an der WM in Stockholm. Haben Sie die sensationellen Leistungen der Nati dennoch mitverfolgt?

Ja, natürlich. Zu Beginn der WM war ich noch in New York und danach, als wir aus den Playoffs ausgeschieden waren, für einige Tage in Florida. Ich habe alles aus der Ferne mitverfolgt und habe mich riesig darüber gefreut, dass die Nati die Silbermedaille gewonnen hat. Fantastisch war dabei auch die Spielweise – die Schweiz hat ihre Gegner dominiert. Die Hockey-Nati hat auch allen anderen Sportlern im Land gezeigt, was mit einer Super-Teamleistung alles möglich ist. Das sollte zum Beispiel auch unsere Fussball-Nati anspornen.

Kommende Saison steht mit den Olympischen Spielen in Sotschi auch für Sie wieder ein Nati-Highlight an. Wenn Sie jeweils dabei waren, dann waren Sie stets der Team-Captain. Haben Sie nicht ein wenig Angst, dass Sie mit Ihrer Rückkehr als Teamoberhaupt etwas innerhalb des Silber-Teams zerstören könnten?

Absolut nicht. Die WM war ein grandioser Erfolg, aber nun steht eine neue Saison mit einem neuen Turnier an. Die Olympischen Spiele mit all den NHL-Spielern werden für alle zu einer riesigen Herausforderung. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Mannschaften von Jahr zu Jahr verändern, mal gibt es weniger Wechsel, mal mehr. Stets war es für mich aber eine grosse Freude, für die Schweizer Nati zu spielen.

Und das, obwohl Sie 2012 in Helsinki ziemlich sauer waren wegen der verpatzten WM?

Als Sportler will man stets etwas erreichen und dann kann man nicht zufrieden sein, wenn der Einzug in die Viertelfinals verpasst wird. Wäre ich da zufrieden, könnte ich gleich aufhören! Doch ich bin nun auch schon seit einigen Jahren dabei, das Leben geht trotzdem weiter, denn letztendlich enden die meisten Saisons für die meisten Teams mit einer Enttäuschung. In der NHL kann nur eines von 30 Teams den Stanley Cup gewinnen, alle anderen sind früher oder später enttäuscht. Deshalb ist es primär wichtig, dass man als Mannschaft die Lehren aus solchen Enttäuschungen ziehen kann.

Deine Meinung