Aktualisiert

Tabaksteuer«Ich lasse mich nicht vom Staat erziehen»

Die vom Bundesrat geplante Preiserhöhung beim Tabak ärgert viele Leser. Eine Mehrheit der Raucher hat kein Verständnis für die Zusatzbelastung.

von
jro
Zigaretten sollen massiv teurer werden. Auch viele Nichtraucher unter den 20-Minuten-Lesern sind dagegen.

Zigaretten sollen massiv teurer werden. Auch viele Nichtraucher unter den 20-Minuten-Lesern sind dagegen.

Der Bundesrat möchte den Preis von Zigaretten und Schnitttabak schrittweise erhöhen. Ein Päckchen Zigis könnte damit künftig 11 Franken kosten. 20 Minuten berichtete darüber, in fast 300 Kommentaren gingen daraufhin die Wogen hoch. Interessant dabei: Die Front verläuft nicht unbedingt zwischen Rauchern und Nichtrauchern.

Die Leserumfrage, an der bislang 26'333 Personen teilnahmen, zeigt klar: 63 Prozent finden 11 Franken pro Päckchen viel zu viel. Und dass der Bundesrat den Schweizern das Rauchen abgewöhnen will, geht vielen prinzipiell gegen den Strich. So schreibt Leser Kyo92 zum Beispiel: «Ich lasse mich nicht vom Staat erziehen.» Leser Muempel sieht das genauso: «Ich frage mich, wie lange wir uns diese Bevormundung und Abzocke noch gefallen lassen. Ich rauche schon lange nicht mehr, aber diese Hetzjagd gegen die Raucher ist einfach daneben.»

Kritik an «Salamitaktik»

Einige bezweifeln auch, dass die Massnahme überhaupt wirken würde. Leser HpB57 glaubt nicht daran, dass Preiserhöhungen Rauchern beim Aufhören helfen: «Die, die aus wirtschaftlicher Sicht aufhören würden, haben das heute schon getan. Die anderen können es einfach nicht. Rauchen ist eine Sucht und nicht einfach mit Geld zu regeln.»

Ein Leser mit dem Nickname Raucher glaubt, dass die Regierung die Preiserhöhung vor allem zugunsten der AHV-Finanzierung durchführt – nicht um abzuschrecken. Er schreibt: «Ginge es um die Gesundheit, würden sie den Preis nicht schrittweise erhöhen. Es sollen möglichst viele weiterrauchen.» Auch Claudio Lutz stört sich daran, dass die Abgaben immer nur stückweise steigen: «Salamitaktik bringt hier nichts. Nur wenn man die Preise verdoppelt oder gar verdreifacht, überlegen sich die Raucher, ob sie weiter rauchen sollen.»

«Raucher sanieren schon heute den Finanzhaushalt»

Leser Tim Ogi, der selbst nicht raucht, sieht die Raucher jetzt schön übermässig belastet: «Wir können ja froh sein, zahlen Raucher schon heute so viele Steuern und sanieren unseren Finanzhaushalt.» Antonio denkt ähnlich. Er glaubt, dass die Erhöhung in steuerlicher Hinsicht nach hinten losgehen könnte: «Dass so die AHV/IV und die Ergänzungsleistungen saniert werden sollen, ist paradox. Wenn sehr viele nicht anfangen, aufhören oder sich die Zigis im Ausland holen – was bleibt da noch in der Kasse übrig?»

Andere rauchen zwar, unterstützen Steuererhöhungen aber trotzdem. So erhoffen sich manche Kommentatoren, dass sie bald leichter mit dem Qualmen aufhören können. Herr Kent zum Beispiel: «Vielleicht ist das meine letzte Chance, von meiner Sucht wegzukommen. Ich rauche ein bis zwei Päckchen am Tag und will endlich aufhören.» Marco meint ebenfalls «nur hoch mit dem Preis» und schreibt: «Ich bin leider ein Raucher und ich schaffe es einfach nicht, aufzuhören. Ich finde, eine einzelne Zigarette sollte mindestens einen Franken kosten.»

Viele wollen im Ausland einkaufen

Einige versprechen jetzt schon, an ihrem Rauchverhalten nichts zu ändern und wollen die Preiserhöhungen umgehen. Ein Leser schreibt: «Mir kann es eigentlich egal sein, kaufe ich meine Tabakwaren doch schon jetzt nur in Deutschland.» Und J.H.S. würde sich seine Zigaretten notfalls auf illegalem Weg besorgen: «Wenn der Staat mich so bösartig abzockt, gehe ich nach Deutschland einkaufen oder kaufe Zigis bei Schmugglern, die es beim Preis von 11 Franken sicherlich bald geben wird.»

Unter den Kommentaren gibt es noch ein weiteres Lager. Viele Leser kritisieren die Verhältnismässigkeit, wenn man die Besteuerung mit der von Alkohol vergleiche. C. Vogt findet die Tabakabgaben übertrieben, die beim Alkohol hingegen zu mild. «Gab es auch schon Verkehrstote durch Rauchen am Steuer? Es ist beides nicht gesund, da sollten beide Themen gleich behandelt und besteuert werden.» Und ein Leser, der sich «Grüenhörnli» nennt, schreibt: «Was ist mit der legalen Droge Nr 1.? Wo bleibt hier die Preiserhöhung?»

Deine Meinung