Roboter auf neuen Pfaden: «Ich laufe, also bin ich»
Aktualisiert

Roboter auf neuen Pfaden«Ich laufe, also bin ich»

Der Robotiker Rolf Pfeifer ist stellvertretender Leiter des Nationalen Forschungsschwerpunkts Robotik. Er ist überzeugt, dass die Intelligenz wesentlich vom Körper geformt wird.

von
Beat Glogger

Sie haben jahrelang an herkömmlicher künstlicher Intelligenz geforscht, bis Sie Ihre Konzepte über den Haufen geworfen haben. Was ist passiert?

Rolf Pfeifer: Die Maschinen, die Ende der 80er-Jahre entstanden sind, waren falsch gedacht. Es bringt nichts, einen Roboter mit immer mehr Rechenkapazität auszurüsten. Er wird nicht besser. Denn unser Gehirn ist kein Computer, und Denken ist nicht Rechnen.

Die Konsequenz?

Der Körper des Roboters ist für dessen Funktionsweise genauso wichtig wie unser Körper für uns. Das Gehirn wäre mit der Steuerung sämtlicher Körperfunktionen vollkommen überfordert.

Ein Beispiel?

Beim Gehen überlegen wir nicht, wie wir den Fuss genau abstellen. Diese Bewegung wird weitgehend durch die Bauweise unseres Körpers bestimmt. Es sind Knochen, Muskeln und Sehnen, die den Fuss richtig zu Boden bringen, nicht das Gehirn.

Sehen darum Ihre neuen Roboter aus wie Menschen?

Nicht nur. Ein Schwimmroboter sieht aus wie ein Fisch, ein Laufroboter wie ein Hund. Aber allen ist eines gemeinsam: Die Maschinen sind möglichst einfach gebaut, aber sie tun genau das, was ich von ihnen erwarte. Weil eben ihr Körper für diese Funktion konzipiert ist.

Dass Körper und Geist untrennbar sind, ­widerspricht einem der wichtigsten Philosophen, René Descartes. Der sagt, Geist und Materie müssen unabhängig voneinander betrachtet werden.

Ich sehe es umgekehrt. Ohne Körper gibt es kein Denken und keine Intelligenz.

Sie sagen auch, dass unser Körper unser Verhalten und Handeln viel mehr steuert, als uns vielleicht lieb ist.

Ja, unser Wille ist gar nicht so frei, wie wir es uns vorstellen. Vieles läuft über reflexartige Reaktionen auf äussere Reize.

Damit legen Sie sich mit einem weiteren Philosophen an: Immanuel Kant, der den freien Willen des Menschen postulierte.

Tröstlich ist, dass ich da nicht alleine bin. Das Konzept der «verkörperten Intelligenz» setzt sich allmählich durch. Nicht nur bei Robotikern, auch in der Psychologie und der Hirnforschung.

Betrachten Sie sich heute auch als Philosophen?

Ich kokettiere damit, dass ich sage, ich bin Ingenieur.

http://eccerobot.org

Roboter mit Zukunft

Die Schweiz soll bei der Entwicklung von neuartigen Robotern eine wichtige Rolle spielen. Deshalb unterstützt der Nationalfonds die Roboterforschung in den nächsten vier Jahren mit 13,3 Millionen Franken. Das Geld fliesst in ein Schwerpunktprogramm, an dem unter anderem die EPF Lausanne, das Dalle-Molle-Institut Lugano, die ETH Zürich sowie die Universität Zürich beteiligt sind. Die Forscher sollen sich vernetzen, um ihre Projekte gemeinsam voranzutreiben. Die Roboter der Zukunft werden wenig mit den Blechkisten gemein haben, die heute in der Industrie im Einsatz sind, sondern sich mehr am Menschen orientieren. Sie sollen uns im täglichen Leben behilflich sein, indem sie beispielsweise Reinigungsarbeiten übernehmen oder die Mobilität behinderter Menschen wiederherstellen.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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