20.01.2016 22:21

Bub (10) unter Verdacht

«Ich lebe in einem Terroristen-Haus»

Ein muslimischer Bub aus England macht einen verheerenden Schreibfehler und wird wegen Terrorverdachts von der Polizei verhört. Nun traut er sich nicht mehr zu schreiben.

von
nab
Terroristische Absichten in England: Die Polizei verdächtigt einen 10-Jährigen wegen eines Schreibfehlers. (Symbolbild)

Terroristische Absichten in England: Die Polizei verdächtigt einen 10-Jährigen wegen eines Schreibfehlers. (Symbolbild)

Kein Anbieter/iStock

Ein Schreibfehler ist zwar ärgerlich, aber nicht weiter schlimm – meistens. Nicht im Fall eines Primarschülers aus England: Wegen seines Fehlers musste er auf den Polizeiposten, wie «The Guardian» schreibt.

In einer Primarschule im englischen Accrington hatten die Schüler den Auftrag, einen Aufsatz über ihr Zuhause zu schreiben. Ein 10-jähriger muslimischer Bub tat dies, machte aber eine fatale Verwechslung: «Ich lebe in einem ‹terrorist house› (Terror-Haus)», schrieb er. Gemeint hatte der Junge aber ein «terraced house» (Reihenhaus).

«Er traut sich nicht mehr zu schreiben»

Der «Buchstaben-Dreher» blieb nicht unbemerkt: Die Lehrerin alarmierte die Polizei, kurze Zeit später wurde der Bub von den Beamten verhört und sein Laptop konfisziert. Der Verdacht der Polizei: terroristische Absichten.

«Wir hielten dies zuerst für einen Scherz. Es ist vorstellbar, dass so etwas einem 30-jährigen Mann passieren kann, ja. Aber doch nicht einem 10-Jährigen», sagt ein Cousin des Buben. «Nach diesem Ereignis ist er traumatisiert. Er traut sich nicht mehr zu schreiben, möchte seine Fantasie nicht mehr brauchen.»

In England haben Lehrpersonen die Pflicht, terroristisches Verhalten zu melden. Kritiker befürchten dadurch eine Übersensibilisierung: Dieses Gesetz fördere die Angst und hindere Pädagogen daran, ihren Instinkt und ihr Bauchgefühl einzusetzen.

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