28.06.2019 04:51

«Switzerländers»«Ich lebe in einer Postkartenlandschaft»

Elisabeth Desmeules wohnt an der Waadtländer Côte. Jeden Tag ist sie von Neuem von der Landschaft um sie herum beeindruckt.

von
Sophie Zuber / Noah Zygmont

Das ist Elisabeths «Switzerländers»-Beitrag – und wo ist deiner? (Video: Manuel Täuber / Tarek El Sayed)

«Setzen Sie sich. Ich habe Zeit und bin gern für Sie da.» Elisabeth Desmeules macht es sich auf der Terrasse der Auberge Communale ihres Dorfs bequem. Mit ihren fast 70 Jahren erwartet die Einwohnerin von Etoy, die sich selbst als sehr spontan beschreibt, nichts anderes vom Leben, als jeden Tag aufs Neue begeistert zu werden.

Die geschäftige Mutter von zwei Töchtern hat vor einigen Jahren ihren Rückzugsort an der Waadtländer Côte gefunden. «Ich lebte 20 Jahre lang in Hamburg und hatte das Glück, die ganze Welt zu bereisen. Nichts macht mich zufriedener, als in dieser Postkartenlandschaft hier zu leben. Ich würde die Region für nichts auf der Welt verlassen.»

Für die Naturliebhaberin bedeutet Luxus schlicht Stille. Diese findet sie in Aminona im Wallis, wo ihr kleines Chalet steht. Zwischen ihren beiden Lieblingsorten findet sie die Balance. «Ich fahre hinauf, wenn ich Kraft schöpfen möchte. Das Wallis ist in meine Seele eingeprägt», betont sie. Die Hektik der Stadt hingegen ist nichts für sie; seit zwei Jahren hat sie keinen Fuss nach Lausanne gesetzt. «Wofür? Ich habe alles hier! Wenn ich in die Stadt möchte, kann ich nach Morges gehen. Dort ist es auch sehr angenehm.»

«Wir dürfen nicht vergessen, was uns mit der Vergangenheit verbindet»

Die pensionierte Einrichtungsberaterin hat schon immer gern dafür gesorgt, dass die Menschen sich zu Hause wohlfühlen. «Seit ich klein war, hat es mir gefallen, mich anderer Menschen anzunehmen. Es war mein Traumberuf.» In ihrer langen Karriere durfte sie zahlreichen Berühmtheiten, die sich in der Region niederliessen, ein gemütliches Nest einrichten. Der Diskretion halber nennt sie keine Namen, obwohl sie vertraglich nicht mehr dazu verpflichtet wäre. «Sie sind bekannt, aber verdienen die Diskretion.» Eine Qualität der Schweizerin, die sie selbst schätzt.

Elisabeth ist engagierte Grossmutter und bringt sich für ihre Enkel stark ein, ohne ihre Leidenschaft zu vernachlässigen: täglich lange Spaziergänge zu machen. «Ich mag es, zum Arboretum im Tal der Aubonne zu spazieren. Die Biodiversität dort ist unglaublich.» Dass der botanische Garten kürzlich eine Eintrittsgebühr eingeführt hat, wird sie nicht davon abhalten. «Es gibt ihn schon seit 50 Jahren. Heute ist er gefährdet, es fehlen die Mittel. Wir müssen alles tun, um ihn zu erhalten.» Ebenso engagiert zeigt sie sich, wenn es um das historische Erbe der Region geht: «Zahlreiche Gemeinden besitzen ihr eigenes Schloss. Wir dürfen nicht vergessen, was uns mit der Vergangenheit verbindet.»

Switzerländers - Videoaufruf

Switzerländers - Videoaufruf
(Video: M. Täuber / T. El Sayed)

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Trotz der Bedeutung dieser Spuren von früher schaut die Frau, die von sich selbst sagt, viel herumgekommen zu sein, stets in die Zukunft und mag den generationenübergreifenden Austausch: «Ich bin gern in Kontakt mit den Jungen, wir sollten sie unterstützen, statt sie zu kritisieren. Jede Generation hat ihre eigenen Herausforderungen.»

Für Elisabeth ist die Herausforderung der Schweiz, dass sie ihre Identität wahrt. Am Strand von Rolle, wo ihr die grandiose Sicht auf die Alpen immer noch den Atem verschlägt, schickt sich Elisabeth an, über die helvetischen Werte zu sprechen: «Uns Waadtländern sagt man nach, dass wir uns nicht trauen würden, Entscheidungen zu treffen. Nun, seine Meinung zu sagen, ist eine grosse Stärke. Wir stimmen manchmal mit einer Angst vor der Aussenwelt ab und vergessen, dass wir unsere schwer erkämpften Freiheiten aufs Spiel setzen. Unsere Aufgabe ist es, unser Erbe zu bewahren.»

«Man ist sich des eigenen Glücks oft nicht bewusst»

In der Ferne verlässt ein Schiff den Hafen von Perle du Léman – ein Spektakel, das Elisabeth niemals langweilt. «Dieser Tanz der Schiffe ist ein fester Bestandteil des Landschaftsbilds, und wir müssen dazu beitragen, ihn zu wahren. Man ist sich des eigenen Glücks oft nicht bewusst.» Den Mut haben, seine Meinung zu sagen, zuhören, ohne zu urteilen, und zusammen weiterkommen: Das sind die Schlagwörter, die Elisabeth verinnerlicht hat. «Und vor allem habe ich mir ein Ziel gesetzt: mir selbst nichts mehr zu verweigern», sagt sie lachend, bevor sie die Segel setzt in Richtung Strand von Perroy, einem weiteren Ort, der ein einzigartiges Panorama verspricht.

Als Elisabeth von «Switzerländers» hörte, überlegte sie nicht lange. Sie wollte ihre Sicht auf ihr Land unbedingt einbringen. Jetzt hast du «ihre Schweiz» kennen gelernt – und wie sieht deine aus? Teile dein Video auf switzerlanders.20min.ch mit uns!

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