Aktualisiert 11.11.2011 15:30

Skandal-Designer

«Ich liebe Pelz – nichts hat mehr Glamour»

Bei Modedesigner Julien Macdonald laufen Tierschützer Sturm. An seinen Fashionshows schockiert er gerne mit Pelzkreationen. Am Samstag zeigt er erstmals eine Kollektion in Zürich.

von
Yolanda Di Mambro

In den grossen Modemetropolen Paris, Mailand und New York ist Julien Macdonald fast unbekannt. Lediglich Modejournalisten und Fashionexperten kennen seinen Namen. Ganz anders in Grossbritannien. Dank seiner Rolle als Juror in der TV-Show «Britain's Next Top Model», vergleichbar mit Heidi Klums «Germany's Next Topmodel», ist er seit 2010 im ganzen Land bekannt. Und polemisiert wie kein anderer Juror der Sendung. Letztes Jahr beleidigte er vollschlanke Frauen, als er in der Sendung verlauten liess, «es wäre ein Witz», wenn ein Model mit einer Kleidergrösse über 38 den Wettbewerb gewinnen würde. Ein Jahr später ereilte ihn plötzlich ein Sinneswandel. «Vollschlanke Mädchen können es auch gegen solche, die nur halb so viel wiegen, aufnehmen. Diese Show hat mir die Augen geöffnet.»

«Vergesst Kristalle. Tragt Pelz!»

Für weitaus grössere Skandale sorgt Macdonald mit seiner Vorliebe für Pelz. In seinen Kollektionen präsentiert er regelmässig Pelzmäntel. Und schert sich einen Deut darum, wenn Aktivisten der Tierschutzorganisation Peta seinen Laufsteg stürmen und Plakate mit «Fur Kills» (Pelz tötet) und «Fur Is Dead» (Pelz ist tot) in die Kameras halten. «Ich liebe Pelz. Nichts auf der Welt liebe ich mehr. Nichts hat mehr Glamour als Pelz. Vergesst Kristalle. Tragt Pelz!», schwärmte Macdonald im März 2011 in einem Interview mit Videofashion. Er hat keine Absicht, auf Pelz zu verzichten. «Wenn ich bei meinen Kollektionen plötzlich auf Pelz verzichte, dann kann ich meinen Laden gleich dichtmachen. Fast 60 Prozent meines Geschäfts ist auf den russischen Markt ausgerichtet; meine grössten Verkäufe erziele ich mit Pelz. Russinnen verlangen Pelzmäntel und wollen nichts anderes tragen, weil es bei ihnen in Russland so kalt ist und sie trotzdem modisch aussehen wollen», rechtfertigte sich der Designer in einem Interview mit der Zeitung «The Independent».

Julien Macdonald spricht über seine Herbst- und Winterkollektion 2011/12 und seine Vorliebe für Pelz (Video: YouTube, Videofashion)

Eine Ladung Mehl für Paris Hilton, eine Schelte von Pamela Anderson

Auch Bling-Bling-Girl Paris Hilton trägt gerne echten Pelz. Und zeigt sich immer wieder gerne im Rampenlicht. Für Macdonald schritt sie im Februar 2006 als Model über den Laufsteg. Nach der Show fuhr sie mit dem Designer zu einer Party. Vor dem Eingang wurden sie von Tierschutz-Aktivisten mit Mehl beworfen. Die beiden Promis nahmens gelassen und lachten.

Zu Julien Macdonalds prominenten Fans zählen auch Kelly Brook, Geri Halliwell, Naomi Campbell, Melanie B. von den Spice Girls und Kylie Minogue, für deren Welttournee er auch Bühnenoutfits entworfen hat. Einen schwereren Stand hat er allerdings bei einem anderen modebewussten Promi: Pamela Anderson. Die Schauspielerin ist seit Jahren Botschafterin der Tierschutz-Organisation Peta. Als sie der Designer zu einer seiner Fashionshows in London einlud, ignorierte Anderson die Einladung nicht etwa kommentarlos, sondern schickte ihm eine klare Mitteilung: «Wenn du in Zukunft auf Pelz verzichtest, werde ich gerne zu einer deiner Shows kommen.» Die «Baywatch»-Badenixe wartet immer noch auf eine Einladung ...

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Julien Macdonald

Julien Macdonald wurde 1971 in Wales geboren. Er studierte Strickmode an der Universität Brighton und erwarb danach ein MA am Royal College of Art in London. Von 1996 bis 1998 war er Strickmode-Chefdesigner bei Chanel und beim Label Lagerfeld. Danach lancierte er sein eigenes Label. 2001 wurde er als britischer Fashiondesigner des Jahres ausgezeichnet und zum Nachfolger Alexander McQueens als Chefdesigner bei Givenchy ernannt. In dieser neuen Position entwarf er sechs Kollektionen pro Jahr, sowohl Prêt-à-porter als auch Haute Couture. 2004 ging er zurück nach London, um sich ausschliesslich seinem Label zu widmen. 2006 verlieh ihm Königin Elisabeth II. den Verdienstorden «Order of the British Empire». Seit 2010 ist er Juror in der TV-Serie «Britain’s Next Top Model». Am 12. November 2011 zeigt er seine Kollektion anlässlich der Vögele Fashion Days.

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