Aktualisiert 06.12.2018 20:05

Tiergerechte Sprache«Ich liebe Tiere, aber das ist einfach irr»

Die Diskussion um politische Korrektheit in der Sprache erreicht eine neue Dimension: Nun soll man sich auch um eine tiergerechte Sprache bemühen.

von
daw
1 / 6
Nach der Debatte um Mohrenköpfe oder geschlechtergerechte Formulierungen tritt die Tierschutzorganisation Peta eine neue Debatte los. Sie ruft dazu auf, tierfeindliche Sprache zu vermeiden, die Tierquälerei trivialisiere. «Sich zum Affen machen» soll man in Zukunft also nicht mehr sagen.

Nach der Debatte um Mohrenköpfe oder geschlechtergerechte Formulierungen tritt die Tierschutzorganisation Peta eine neue Debatte los. Sie ruft dazu auf, tierfeindliche Sprache zu vermeiden, die Tierquälerei trivialisiere. «Sich zum Affen machen» soll man in Zukunft also nicht mehr sagen.

Enjoylife2
Vor allem Sprichwörter stehen auf der Abschussliste: Redewendungen wie «zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen» oder ...

Vor allem Sprichwörter stehen auf der Abschussliste: Redewendungen wie «zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen» oder ...

Fermate
... «ein Versuchskaninchen sein», sollten ersetzt werden, so die Forderung.

... «ein Versuchskaninchen sein», sollten ersetzt werden, so die Forderung.

Keystone/Laurent Gillieron

Nach der Debatte um Mohrenköpfe oder geschlechtergerechte Formulierungen tritt die Tierschutzorganisation Peta eine neue Debatte los: In einem zehntausendfach geteilten Tweet ruft sie dazu auf, tierfeindliche Sprache zu vermeiden, die Tierquälerei trivialisiere. Mit dem «gesellschaftlichen Fortschritt» müsse sich auch die Sprache weiterentwickeln.

Vor allem Sprichwörter stehen auf der Abschussliste: Redewendungen wie «zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen» oder «ein Versuchskaninchen sein» sollten ersetzt werden, so die Forderung. Tatsächlich gibt es unzählige Sprichwörter, in denen Tiere vorkommen und die Veganern die Zornesröte ins Gesicht treiben: «den Vogel abschiessen», «einen dicken Fisch am Haken haben», «sich zum Affen machen», um nur wenige Beispiele zu nennen. Auch bei Beschimpfungen («Dumme Kuh!») spielen Tiere eine Rolle.

«Ich vermeide solche Ausdrücke»

Tierrechtler in der Schweiz begrüssen die Diskussion. «In meinem persönlichen Sprachgebrauch vermeide ich solche Ausdrücke», sagt Meret Schneider vom Verein Sentience Politics. Höre sie etwa den Ausdruck «dummes Huhn», müsse sie ihre Mitmenschen darauf aufmerksam machen, das Hühner sehr intelligent seien, wie zahlreiche Experimente zeigten. «Natürlich kann man alles auf die Spitze treiben. Aber Sprache prägt die Gesellschaft.»

Auch Tobias Sennhauser vom Verein Tier im Fokus sagt: «Die Sprache ist ein wichtiges Werkzeug für sozialen Fortschritt.» Verwende man etwa den Ausdruck «ein Hühnchen rupfen», sage das viel über den Umgang der Gesellschaft mit Tieren aus: «Es reproduziert im Kopf das Bild, dass es okay ist, Tiere für unsere Zwecke zu missbrauchen.»

Selbst wenn das Tier nicht verstehe, wie wir Menschen über dieses redeten, spüre es die Konsequenzen der Geringschätzung. «Tiere werden durch die Sprache als Wesen zweiter Klasse abgestempelt.» Die Diskussion um tiergerechte Sprache werde auch in den Sprachwissenschaften geführt. Sie sei wertvoll, um die Ungleichbehandlung von Mensch und Tier ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rufen.

Der Post wurde auf Twitter über 12'000 Mal geteilt. Viele stimmen Peta zu. Aber mindestens gleich viele Personen finden die tiergerechte Sprache absolut absurd:

Sonja Hartnack, Tierärztin und Forscherin an der Uni Zürich, hält nichts davon, Begriffe auf den Index zu setzen: «Sprachverbote führen irgendwann zu Denkverboten. Die deutsche Sprache ist reich an bildhaften Ausdrücken mit einer langen Geschichte. Wir sollten sie nicht einfach auslöschen.» Es könne aber spannend sein, über die Herkunft der Wendungen nachzudenken.

Unser Verhältnis gegenüber Tieren habe sich geändert: «Als Tierärztin liegt mir das Wohl der Tiere am Herzen.» Eine Sprachpolizei sei aber kontraproduktiv.

Videobloggerin Tamara Wernli nimmts mit Humor: «Ich habe von dieser Idee ja durch meinen Hund Pablo erfahren. Er ist einer der 35'000, die das bei Twitter geliket haben. Jetzt besteht er darauf, dass ich mit ihm kein ‹Hühnchen mehr rupfe›, weil das beleidigend für ihn und die Hühner sei. Ich habe ihn natürlich durchschaut. Beim nächsten Seich, den er fabriziert, zeige ich ihm einfach wortlos die kalte Schulter. Mal sehen, ob das dann seine Gefühle weniger verletzt.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.