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Michael Douglas«Ich mache das nicht für Geld»

In seinem neusten Film «Wall Street: Money Never Sleeps» kommt Michael Douglas als skrupelloser Banker Gordon Gekko zurück auf die Leinwand.

von
Raya AbiRached
Michael Douglas (66).

Michael Douglas (66).

Das Zurich Filmfestival verleiht ihm zudem den Golden Icon Award für sein Lebenswerk. 20 Minuten traf den zweifachen Oscar-Preisträger im Vorfeld zum Interview.

Michael Dougles, vor 22 Jahren waren Sie über die Beliebtheit ihrer Figur Gordon Gekko (Video) erstaunt. Erwarten Sie heute andere Reaktionen?

Michael Douglas: Die Reaktionen werden nicht gleich sein, wenn der neue Wall Street Film «Money Never Sleeps» herauskommt, aber für über 22 Jahre haben die Menschen diesen Bösewicht geliebt. Sie mögen ihn einfach. Oliver Stone und ich haben uns immer gefragt, wie das eigentlich sein kann, dass er im Kontext als raffinierter Investmentbanker trotzdem so eine Art Rockstar sein konnte. Er sah gut aus, riss markige Sprüche, es störte sie nicht, dass er Insiderhandel betrieb und ganze Unternehmen zerstörte – sie liebten seine Macht. So geht es weiter, aber ich glaube sie werden erstaunt sein, wenn sie den neuen Gordon sehen: nach acht Jahren kommt er aus dem Gefängnis, hat er kein Geld und kann nicht handeln. Wie soll er da wieder zurück kommen?

Die Welt hat soeben eine Wirtschaftskrise hinter sich. Ist Ihnen der aktuelle Bezug des Films wichtig?

Das ist nicht gerade hilfreich. Man will wirklich nicht, dass ein Film rauskommt, wenn die Wall Street gerade auf allen Titelseiten steht. Manchmal denkt das Publikum, es habe den Film bereits im Fernsehen oder den Zeitungen gesehen. Also hofft man, dass sich die aktuellen Ereignisse bis zum Filmstart beruhigen und uns das etwas mehr Durchblick ermöglicht, damit die Menschen den Film auch geniessen können.

Wieso lassen sich Hollywood und die Wall Street (Video) so gelungen kombinieren?

Die tatsächliche Wall Street ist eine grosse, detailreiche Inszenierung. Sehr wenige Industrien können da mithalten. Als wir die Premiere für den ersten Wall Street-Film in New York hatten, war das ein grosses Vergnügen für uns. Es machte Spass zu sehen, wie viele der Wall Street-Grössen überrascht waren, dass wir ihre Sprache beherrschten und so einen Zugang schaffen konnten. Die Wall Street ist von sich aus dafür geschaffen, nicht verstanden zu werden. Sie verwenden Ausdrücke, die für Aussenstehende unmöglich zu verstehen sind. Sie schüchtern dich ein und genau deshalb braucht man einen Investmentbanker: weil man nicht weiss, wie es läuft. Als wir in der Lage waren einen Film zu machen, der das offenlegen konnte, der diese Charaktere zeigte und Glaubwürdigkeit besass, hat uns das wirklich gut gefallen. Das war äusserst kostbar.

Im Vergleich zu Ihrem jungen Filmpartner Shia LaBeouf (Video) haben Sie mit zwei Oscars im Filmgeschäft bereits alles erreicht, was treibt Sie an weiterhin Filme zu drehen?

Leidenschaft, einfach nur Leidenschaft. Wenn man etwas mag, dann hat man auch die Leidenschaft dafür. Ich mache das nicht für Geld. Wenn es Geld gibt, ist das prima, aber es geht um den Stoff. Wenn ich ein gutes Grundmaterial finde, das ich gerne verwirklicht sehen möchte, dann bin ich leidenschaftlich und das treibt mich an.

«Wall Street: Money Never Sleeps» feiert am 3. Oktober Premiere am Zurich Filmferstival und startet am 21. Oktober 2010 in den Deutschschweizer Kinos.

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