Aktualisiert 18.05.2008 17:55

«Ich mag die Amy Housewine»

Nach seinem ersten Erfolg hatte Gölä die Nase ziemlich voll. Warum das so war, woher die neue Motivation kommt und wer seine Vorbilder sind, verrät er im Video-Talk auf 20 Minuten Online.

Am Donnerstag war Gölä Gast im 20-Minuten-Studio und beantwortete Fragen der Internetnutzer. Ausserdem trat er den Beweis an, dass er wirklich ein Büezer ist.

20 Minuten: Wie kam es zu dem neuen Doppelalbum «Best of Bärndütsch»?

Gölä: Die Geschichte ist einfach. Ich bin ins Studio gegangen, um eine englische Platte aufzunehmen. Dann hat mich Sven Epiney bequatscht wegen der Sendung Schweizer Hits. Daraufhin gab es unendlich viele Kommentare auf meiner Homepage ich solle doch wieder in Mundart singen. Dann ist mir noch in den Sinn gekommen, Mensch, es sind jetzt genau zehn Jahre seit dem ersten Album. Da hab ich gefunden: Komm, wir gehen nochmal ins Studio und nehmen noch eine CD mit Songs auf Schwyzerdütsch auf.

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Du hast soeben Madonna von Platz eins in den Charts verdrängt. Was sagst Du dazu?

Das ist ein schönes Gefühl. Sorry, Madonna, aber es ist nicht anders gegangen.

Du bist ja immer wieder mal in der Versenkung verschwunden oder wolltest sogar aus dem Musikbiz aussteigen. Wie ist das damals gewesen nach dem ersten Erfolg?

Nach dem ersten grossen Erfolg hatte ich ziemlich die Nase voll. Ich komme ja aus einfachen Verhältnissen, aus einem kleinen Dorf, und habe immer von einer Musikerkarriere geträumt. Aber als dann der Hype kam, war das alles zu viel. Das ist wie mit Beziehungen: Man sagt, ich heirate nie wieder und prompt ist man dann doch wieder mit einer Frau zusammen.

Was hast Du eigentlich gemacht, bevor Du Musiker warst?

Ich hab ja schon in der Schule angefangen Musik machen. Zuerst Schlagzeug, dann ist mir das zu blöd geworden. So ein Schlagzeug kann man nicht zum Brätle mitnehmen. Da hab ich gefunden, ich will Gitarre spielen. Dann hab ich die ersten Griffe gelernt. Das sind glaub noch die gleichen, die ich heute noch spiele.

Was hättest du gemacht, wenn es mit der Musikkarriere nicht geklappt hätte?

Ich habe ja schon früher auf dem Bau gearbeitet. Das könnt ich mir vorstellen. Ich wär aber auch gerne zur See gefahren.

Wer sind Deine Vorbilder?

Laut meiner Mutter hat es angefangen mit Elvis Presley. Seit der Pubertät stehe ich auf Rock - vor allem Hardrock. Ich war ein grosser Kiss-Fan. Erst viel später hab ich dann schwarze Musik entdeckt - Soul und so. Und ich hab viel alte Musik gehört.

Waren das Deine Haupt-Einflüsse?

Ja, ich wollte ja immer englische Musik machen. Bin mit 16 nach England in die Schule, um die Sprache zu lernen. Hab dann auch 15 Jahre lang Musik auf Englisch gemacht - allerdings recht erfolglos. Und dann hab ich Songs auf Mundart gemacht und es ging richtig ab.

Warum hat es mit den englischen Songs nicht geklappt?

Es ist sehr schwer, weil es eben nicht die Muttersprache ist. In Bärndütsch kann ich das, was ich sagen will, auf 14 verschiedene Weisen ausdrücken. Beim Englischen muss ich schon schauen, dass ich überhaupt das richtige Wort finde. Es ist halt nicht einfach. Aber irgendwann will ich mal so tönen, wie meine Vorbilder.

In der Pressemitteilung zur neuen CD heisst es, er geht konsequent seinen Weg. Halb Englisch, halb Bärndütsch, ist das die Konsequenz?

Nichts ist konsequent bei mir - das ist die einzige Konsequenz in meinem Leben. Und ich mache auch Fehler. Ich will nicht so sein, wie es die anderen gerne hätten. Wenn ich dann mal sterbe, dann habe ich hoffentlich ganz viele Fehler gemacht und auch ganz viel gelernt durch diese Fehler.

Du hast vor kurzem einmal gesagt, Du findest Deine schwyzerdütschen Songs zum Kotzen. Jetzt singst Du trotzdem wieder Mundart.

Ich hatte Mühe mit dem ersten Album. Die Kritiker hatten recht, als sie sagten, ich könne nicht singen. Seit zehn Jahren habe ich durch das viele Spielen eine Menge dazu gelernt. Ich habe die alten Songs neu eingespielt mit dem Können, das ich jetzt habe und mit meiner Stimme heute. Und sie gefallen mir so wieder ganz gut.

Und warum wolltest Du eine Weile nicht mehr Mundart singen?

Nach den drei Album war ich ausgeschossen. Es brauchte einfach einige Zeit für neue Einfälle bei den Texten. Beim Englischen ist das nicht ganz so wichtig.

Gibt es auch in Zukunft englische Lieder?

Ich habe ja jetzt eine CD auf Deutsch und eine auf Englisch gemacht. Wem nur eine gefällt, kann ja mit der anderen Frisbee spielen. Ich werde das nicht auf einer CD vermischen. Aber ich werde weder das eine noch das andere aufgeben.

Stichwort Büezer-Image: Du hast früher auf dem Bau gearbeitet. Was genau?

Ich habe Baumaler gelernt, habe eingerüstet, gegipst, isoliert - alles was man auf dem Bau so können muss.

Die User wollen wissen: Kannst Du Bagger fahren?

Ja, ich habe sogar einen eigenen Bagger.

Kannst Du als echter Büezer auch eine Bierflasche mit dem Feuerzeug aufmachen?

Mit allem. Mit dem Feuerzeug, das ist doch die einfachste Übung. Kein Problem.

Du spielst mit dem Büezer-Image, mit Staub auf der Lunge und so. Trotzdem bist Du doch sicher reicher als jeder andere auf dem Bau. Wirst Du da von den anderen überhaupt noch ernst genommen?

Ich bin ehrlich: Ich habe mein ganzes Geld aufgebraucht. Ich habe mir das mal geleistet. Klar, hatte ich mal viel Geld. Aber ich hab die Hütte aufgemöbelt. Das hat sehr viel gekostet. Auch die englischen Platten haben mich sehr viel gekostet. Jetzt bin ich bei Null, aber nun geht es wieder aufwärts.

Ich brauche Geld - ist das das Motto für die neue Platte?

Klar, das gibt mir was fürs Leben. Aber ich habe es nicht aus dem Grund gemacht, sondern aus Freude. Wenns nur wegen dem Geld wär, könnt ich auch auf den Bau arbeiten.

Hunderte von Usern sagen: Könntest Du bitte Dein T-Shirt ausziehen?

Wieso hab ich das schon gewusst, als ich hier reingekommen bin? Und wieso hab ich eigentlich so ein Image? Naja, wir können es machen, aber dann müsst ihr mich eben neu verkabeln.

Was ist das für ein Tattoo auf deinem Bauch? Da steht Tatau

Das ist das Logo meines Tattoo-Shops. Es hat mir gut gefallen und ich hab gefragt: Könnt ihr mir das auf den Bauch stechen.

Wie viele Tattoos hast Du eigentlich?

Das weiss ich wirklich nicht.

Bist Du momentan Single?

Ich bin nie Single.

Wie viele Groupies hast Du schon vernascht?

Ich glaube, noch keine einzige. Ich hab keine. Es gab schon Zeiten, da hatte ich keine Frau und es wäre cool gewesen, wenn einige Groupies dagewesen wären. Aber irgendwie passt das wohl nicht zu meinen Fans.

Nennst du deine Freundin Schwänli?

Was??? Nein. Ich nenne sie immer unterschiedlich. Das wird ja sonst langweilig.

Interessierst du dich für Fussball?

Nein, eigentlich nicht. Ich verfolge es nicht. Aber bei der EM werde ich für die Schweiz sein, aber sicher kein Trikot tragen oder so.

Welches ist Deine Lieblings-Gitarre?

Das ist eine Peavey Jack Daniels.

Wie viele Gitarren hast Du insgesamt?

Eigentlich viel zu viele für das, was ich kann.

Was ist für dich der Sinn des Lebens?

Ha, wenn ich das wüsste. Das werde ich wohl nie herausfinden. Da kann man ein Leben lang meditieren oder sich zu Tode saufen oder Drogen fressen - man wird es wohl nicht herausfinden. Für mich ist es wichtig, eine gute Zeit, ein geiles Leben zu haben. Was nachher kommt, weiss ja keine Sau.

Geht ihr nach den Gigs immer noch zusammen ins Bordell?

Nein, heute nicht mehr. Aber das war eine gute Zeit damals.

Was hältst Du von Casing-Shows?

Da werden zu viele verheizt. Wenn Du Talent hast, geh in einen Proberaum und mach Dein Ding. Aber geh nicht in Casting-Shows.

Mit welchem bekannten Musiker würdest Du gerne zusammen spielen?

Mein grösster Traum wäre ein Duett mit Tina Turner.

Gibt es aktuelle Musiker, die dich begeistern?

Ja klar, die gibt es fortlaufend. Im Moment ist Amy Housewine so ein Fall. Die mag ich. Oder auch Duffy - find ich auch geil.

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