Aktualisiert 11.02.2015 20:03

DSK-Prozess in Lille

«Ich mag eine derbere Sexualität haben»

Dominique Strauss-Kahn wird vor Gericht mit den Aussagen der Callgirls konfrontiert. Auf alle Vorwürfe hat der Ex-IWF-Chef eine gute Antwort bereit.

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Dominique Strauss-Kahn verlässt am 16. Februar das Gerichtsgebäude.

Dominique Strauss-Kahn verlässt am 16. Februar das Gerichtsgebäude.

Keystone/AP/Michel Spingler
Gute Laune? Dominique Strauss-Kahn sagt am 12. Februar 2015 zum dritten Mal im Zuhälterei-Prozess aus.

Gute Laune? Dominique Strauss-Kahn sagt am 12. Februar 2015 zum dritten Mal im Zuhälterei-Prozess aus.

Keystone/AP/Michel Spingler
Es ging um 37 SMS, die der ehemalige IWF-Chef mit anderen Angeklagten zwischen Juni 2009 und Ende 2010 ausgetauscht hatte. Ausserdem musste er sich wegen einer «Junggesellenwohnung» in Paris rechtfertigen.

Es ging um 37 SMS, die der ehemalige IWF-Chef mit anderen Angeklagten zwischen Juni 2009 und Ende 2010 ausgetauscht hatte. Ausserdem musste er sich wegen einer «Junggesellenwohnung» in Paris rechtfertigen.

Keystone/AP/Michel Spingler

Am Mittwoch verneinte Dominique Strauss-Kahn einmal mehr, gewusst zu haben, dass die Damen bei seinen Sex-Partys Prostituierte waren. Diese Darstellung wurde allerdings vom ehemaligen Escortgirl Jade angezweifelt, doch DSK hatte auf alle Anschuldigungen eine gute Antwort bereit.

Jade sagte vor dem Strafgerichtshof im nordfranzösischen Lille, dass sie dem ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zwar nicht erzählt habe, dass sie Geld bekommen habe. Vor dem Geschlechtsverkehr habe er sie aber auch nie nach ihrer Bereitschaft gefragt.

Das hörte das Gericht nicht zum ersten Mal. Auch Ex-Callgirl Mounia hatte sich am Dienstag ähnlich geäussert.

Jade musste Analsex ertragen

Jade berichtete von besonders brutalen Sexpraktiken des einstigen sozialistischen Spitzenpolitikers. Was der Angeklagte ihr zugefügt habe, zeige, dass er nur «wenig Respekt» vor ihr gehabt habe. Wenn sie einfach nur eine an freizügigen Sexpraktiken interessierte Frau gewesen wäre, dann hätte Strauss-Kahn sie zumindest gefragt, ob sie diese Sexpraktiken wolle. «Aber er hat mich einfach aufgespiesst», sagte Jade.

Strauss-Kahn dazu: «Ich mag im Vergleich zum Durchschnitt der Männer eine derbere Sexualität haben.» Er stehe aber nicht wegen «irregeleiteter» Sexualpraktiken vor Gericht.

Er weiss immer noch nichts von bezahlten Frauen

Strauss-Kahn blieb auch am Mittwoch bei seiner Position, keine Information über Bezahlung gehabt zu haben. Der 65-Jährige wies die Argumentation der Anklage, der zufolge er wegen seiner harten Sexpraktiken habe wissen müssen, dass er es bei seinen Partys mit Prostituierten zu tun hatte, als «absurd» und als eine «falsche Logik» zurück.

Strauss-Kahn räumte ein, dass manche Praktiken den Frauen nicht gefallen haben könnten. Dies bedeute für ihn aber nicht, dass es Prostituierte gewesen seien. Dennoch entschuldigte sich Strauss-Kahn: Wenn einige Frauen unangenehme Erinnerungen an die Begegnungen hätten, tue ihm das leid.

Jade präsentierte sich nur als «Tänzerin»

Aus seiner Sicht gab es für ihn keinen Anlass anzunehmen, dass die Beteiligten etwas anderes gewesen seien als freizügige Damen, die Spass an Sex haben.» Selbst Jade habe ihm gesagt, sie sei Tänzerin.

Als sie DSK in Washington im Januar 2011 getroffen habe, habe sie in einer Suite mit einem grossen Bett gewohnt. «Damit ich Gäste empfangen könne. Konkret, Herrn Strauss-Kahn», sagte Jade.

Der 65-Jährige wies auch diesen Vorwurf leicht zurück: «Nur weil sie ein grosses Bett hat, muss ich verstehen, dass sie eine Prostituierte ist? Dann bin ich naiv.» Zum Sex sei es bei dieser Gelegenheit ohnehin nicht gekommen.

Jade und DSK sind auf einem Foto zusammen

Vor Gericht wurde ein Foto präsentiert, auf dem DSK mit Jade in seinem IWF-Büro in Washington posiert. «Hätte ich gewusst, dass sie eine Prostituierte ist, wäre dieses Bild nie entstanden. Dieses Risiko wäre ich nie eingegangen», sagte Strauss-Kahn dem Richter.

Fazit vom Prozess bis jetzt: Ausser dem moralischen Aspekt kann man Dominique Strauss-Kahn nichts vorwerfen.

Am Donnerstag wird er wieder vor Gericht erwartet, zumindest am Morgen.

Die gesamte Verhandlung vom Mittwoch können Sie im Live-Ticker nachlesen.

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