Lucien Favre: «Ich möchte im Ausland bleiben»
Aktualisiert

Lucien Favre«Ich möchte im Ausland bleiben»

Zum ersten Mal seit seiner Entlassung bei Hertha BSC hat Lucien Favre zu den Medien gesprochen. Er trage eine Mitschuld am Misserfolg und sei zu viele Kompromisse eingegangen. Eine Rückkehr in die Schweiz scheint eher unwahrscheinlich, ist aber nicht ausgeschlossen.

von
Reto Fehr
Baar

«Es war eine Frage der Zeit, bis ich gegen die Mauer fahre», sagte Favre vor den Medienvertretern. «Ich bin in der ganzen Zeit zu viele Kompromisse eingegangen. Das war ein grosser Fehler.» Er hätte sich durchaus zugetraut, die Hertha von Platz 18 in der Bundesliga wieder nach oben zu bringen, so der Romand weiter. Nur hätte man einiges tun müssen. «Wir hatten einige Abgänge und haben trotzdem am wenigsten investiert.» Die aktuellen Investitionspläne von Präsident Werner Gegenbauer begrüsst Favre, jedoch nicht ohne sich einen Seitenhieb verkneifen zu können: «Es ist bemerkenswert, dass er jetzt davon spricht, dass Hertha im Winter investieren muss. Man muss aber nicht eine halbe Million investieren, sondern zehn Millionen.» Favre war sich aber bewusst, dass es «mindestens bis Weihnachten extrem schwer wird».

Trennung von Hoeness Grund für die Krise?

Hiess es bisher hinter vorgehaltener Hand, dass Favre mitverantwortlich für den Rauswurf von Manager Dieter Hoeness Ende der letzten Saison war, so wehrt sich der der Romand jetzt gegen die Vorwürfe. «Ich habe keine Politik gegen ihn gemacht. Hoeness hat mich schliesslich verpflichtet.» Und Favre geht noch weiter: «Der Verein hat die Trennung von Dieter Hoeness nicht verkraftet. Das hat meine Arbeit erschwert.»

Rückkehr in die Schweiz unwahrscheinlich

Über seine Zukunft hat der Ex-Coach der Berliner noch nicht entschieden. Nur so viel: «Ich will in einer der grossen Ligen bleiben und bei einem Klub arbeiten, der Ambitionen hat und Titel gewinnen will.» Tönt also eher nicht danach, dass Favre mit einer Rückkehr in die Schweiz liebäugelt. Ist eine Rückkehr in die Schweiz ausgeschlossen? Favre windet sich um eine direkte Antwort: «Ich möchte im Ausland bleiben.» Der Erfolgshunger scheint ihn gepackt zu haben. Über neue Angebote wollte Favre sich nicht äussern. Unter Druck fühlt er sich aber nicht: «Ich lasse mir Zeit. Seit sechseinhalb Jahren arbeite ich ohne Pause.»

1,2 Millionen Euro Abfindung

Geldsorgen muss er sich momentan trotz Entlassung keine machen. Der Romand soll nach seinem Rauswurf rund 1,2 Millionen Euro Abfindung kassiert haben. Seinen Wohnsitz behält er bis auf weiteres in Berlin: «Ich werde aber viel reisen, privat oder zur Weiterbildung.»

(mon/fox)

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