Aktualisiert 10.06.2009 17:08

Stern-Prozess, Tag 1«Ich möchte mich entschuldigen»

Im Prozess gegen die mutmassliche Mörderin von Edouard Stern hat die Angeklagte am Eröffnungstag erstmals öffentlich ihr Schweigen gebrochen. Cécile B. gab in einer spontanen, aber wirren Erklärung zu, «etwas Schreckliches» getan zu haben.

Cécile B., dezent in Grau und Blau gekleidet, ungeschminkt, blass und mager, war am ersten Prozesstag kaum zu hören. «Mein Herz ist voller Schmerz und Reue», sagte sie. «Es gibt drei Waisenkinder und ich weiss, dass es mein Fehler ist.» Unter Tränen versuchte die mutmassliche Täterin vor dem Geschworenengericht in Genf die Kinder des Opfers um Verzeihung zu bitten: «Ich möchte mich entschuldigen», sagte die 40-jährige B.

«Ich werde versuchen, die Wahrheit zu sagen und Edouard nicht zu belasten», erklärte sie und hörte nicht auf, diesen «wunderbaren Mann» zu loben, den sie «so sehr geliebt» habe. Der Anwalt der Familie Stern unterbrach sie mit den Worten: «Wenn er ein wunderbarer Mann war, hätte er nicht umgebracht werden sollen.»

Witwe entlastet das Opfer

Die Erklärung von Cécile B. folgte auf die Aussage der Ex-Frau des französischen Bankiers, der auf der Liste der reichsten Franzosen Platz 38 belegte. Béatrice Stern beschrieb ihren Mann als ehrlich, gradlinig, fordernd, aber auch aufbrausend und cholerisch: «Edouard war eine züchtige Person. Manchmal war er etwas trocken, für Momente sogar etwas gemein. Er explodierte und beruhigte sich dann langsam wieder», beschrieb die Witwe das Opfer.

Er sei aber weder manipulativ noch arrogant gewesen: «Er sagte einfach das, was er zu sagen hatte». Mit ihren Kindern spreche sie «täglich über ihren Vater. Sie vermissen ihn. Ich vermisse ihn», sagte die Frau, die seit 1999 von Stern geschieden war.

Mit zitternder Stimme schilderte sie die letzte Begegnung, die sie mit dem Vater ihrer Kinder gehabt hatte: Es war der 17. Februar 2005 (Anm. der Red.: 11 Tage vor seinem Tod), in New York, nach der Rückkehr von den Skiferien. «Ich hatte das Gefühl, es gehe ihm nicht gut. Er sagte mir, er sei unglücklich. Die Frau, die er liebte, hatte ihn verlassen.»

Kinder sagen aus

Anwesend am ersten Prozesstag waren auch zwei der drei Kinder von Edouard Stern. Die 24-jährige Mathilde und der 22-jährige Louis wurden am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit - auch ihrer Mutter - «aus Respekt für ihre Trauer und ihren Schmerz» angehört.

«Sie handelte kaltblütig»

Im Anschluss an die Aussagen der Angehörigen Sterns und der geständigen Täterin wurden die damaligen zuständigen Ermittler in den Zeugenstand gerufen. Sie erklärten, wie die Angeklagte zur Tatverdächtigen wurde: Bei den ersten Befragungen lieferte die Frau vier verschiedene Versionen der Tat und stellte jede Verwicklung in den Tod ihres Liebhabers in Abrede.

B. selber gestand, es sei ein bestimmter Satz gewesen, der die Tragödie ausgelöst habe: Stern habe ihr während eines Liebesakts gesagt: «Eine Million ist zu viel Geld für eine Hure». Da habe sie den Kopf verloren und sei zum Nachttisch gegangen, in dem Stern – wie sie wusste – seine Waffe aufbewahrte.

«Sie hat sehr kaltblütig gehandelt», erklärte der Leiter der Kriminalpolizei. «Sie zog sich um und sammelte alle Hülsen und die Getränke ein und verliess die Wohnung. Dabei schloss sie die Tür doppelt ab und fuhr nach Clarens.» Der medizinische Gutachter bestätigte vor Gericht, dass weder Stern noch B. unter Alkohol- oder Drogeneinfluss standen.

Stern wurde im Februar 2005 tot in seiner Genfer Luxuswohnung aufgefunden, getroffen von vier Kugeln und in Latex gekleidet. Vor den Schüssen hatten er und Cécile B. sich sado-masochistischen Sexspielen gewidmet.

(kle/dbe)

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