Aktualisiert 10.01.2016 13:13

Toni Brunner im Interview«Ich möchte wieder mehr in den Stall»

SVP-Chef Toni Brunner begründet im Interview seinen Rücktritt – und sagt, warum er den Rückzug Christoph Blochers schlecht für die Partei findet.

von
D. Waldmeier

Herr Brunner, noch im Dezember hiess es, Sie würden die SVP auch in vier Jahren in die Wahlen führen. Warum geben Sie das Amt im April ab?

Im Wahlkampf wollte ich keine Personaldiskussion aufkommen lassen. Und im Dezember hatte ich das Ziel, den zweiten Bundesrat ins Trockene zu bringen. Den Entscheid habe ich für mich aber schon im letzten Sommer gefällt. Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich mir Freiräume zurückerobern will, das Amt ist zeitlich sehr anspruchsvoll.

Fühlen Sie sich ausgelaugt nach acht Jahren im Amt?

Nein, es war keine Müdigkeit. Es war ein Grundsatzentscheid, ob ich den Job noch einmal vier Jahre lang machen möchte oder nicht. Einen solchen Wechsel muss man nach den Wahlen vornehmen. Zudem glaube ich, dass eine neue Dynamik an der Spitze der Partei nicht schadet.

Sie wollen wieder mehr Freiräume. Sind Ihre Partnerin und Ihr Bauernbetrieb in den letzten Jahren zu kurz gekommen?

Bei jedem Parteipräsident muss das Umfeld Kompromisse eingehen. Es ist mein Wunsch, wieder mehr in meinem Betrieb zu arbeiten. Zudem ergeben sich in meinem Amt als Nationalrat neue Perspektiven. Erstmals sitze ich in einer zweiten Parlamentskommission, der Sozialkommission SGK, wo wichtige Themen wie die Altersreform geprägt werden. Hier will ich für bürgerliche Lösungen kämpfen.

Auch Christoph Blocher tritt als Vize zurück, nachdem er schon seit längerem nicht mehr im Parlament sitzt. Ist es ein Rückzug auf Raten? Und was bedeutet dies für die SVP?

Ich habe Verständnis für den Entscheid von Christoph Blocher. Für die Partei finde ich ihn nicht gut. Wenn immer möglich, sollte man sowohl Christoph Blocher und übrigens auch Walter Frey in der Parteileitung halten. Sie sind Strategen erster Güte und bringen eine Erfahrung mit, die durch nichts zu ersetzen ist.

Unter Ihrer Führung hat die SVP im Herbst fast 30 Prozent Wähleranteil erreicht. Kann die Partei unter Ihrem Nachfolger weiter wachsen?

Die SVP ist – rückblickend kann man das sagen – gestärkt aus der Abwahl Christoph Blochers und der Trennung von Eveline Widmer-Schlumpf hervorgegangen. Ich konnte mithelfen, die Partei in den Wirren zu stabilisieren. Es ist aber kein Zufall, dass wir mit Guy Parmelin erstmals einen Bundesrat aus der lateinischen Schweiz haben. Wenn wir in der Westschweiz im Durchschnitt auf kaum 20 Prozent kommen, liegt dort noch das grösste Potenzial brach.

Hat Ihr Rücktritt auch damit zu tun, dass Sie kein Französisch sprechen?

Mein Entschluss hat damit nichts zu tun. Es ist aber eine Chance, dass der designierte Präsident, Albert Rösti, aus dem zweisprachigen Kanton Bern stammt. Ich würde von einer glücklichen Fügung sprechen (lacht).

Die Parteileitung schlägt Rösti als Ihren Nachfolger vor. Warum?

Ich habe mit Albert Rösti sehr gut zusammengearbeitet. Als Wahlkampfleiter war er in allen Gremiensitzungen dabei und weiss genau, was auf ihn zukommt. Rösti ist mein Wunschkandidat: Er ist ein geerdeter Typ, der bei der Basis gut ankommt. Als Intellektueller mit bäuerlichen Wurzeln kann er eine integrative Funktion ausfüllen. Für die Partei ist das ein Glücksfall: Man muss froh sein, wenn dieses zeitlich anspruchsvolle Amt überhaupt jemand machen will.

Ist er auch der Wunschkandidat von Christoph Blocher?

Ich hatte in der Personalfrage früh Kontakt mit Christoph Blocher aufgenommen. Er hat die SVP geprägt, ist Vize-Präsident und sollte in den Entscheid involviert sein. Mir ist es wichtig, dass es auch mit ihm harmoniert.

Rösti gilt als freundlich im Umgang. Darf ein SVP-Präsident nett sein?

Albert Rösti steht für Kontinuität, nicht für eine Neuausrichtung der Partei. Es ist ihm eigen, dass er konziliant ist. Aber man kann auch in konziliantem Ton klare Worte finden.

Sie waren vor den Bundesratswahlen als Kandidat im Gespräch. Wollen Sie sich jetzt erholen, um bei der nächsten Vakanz in die Regierung gewählt zu werden?

Nein, es bleibt dabei: Ich strebe keine Exekutivämter an. Politisch gibt es nichts Schöneres und Interessanteres als SVP-Präsident zu sein. Und das bin ich jetzt noch bis Ende April.

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