Amriswil TG - «Ich möchte wissen, wer mein Vater ist»
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Amriswil TG«Ich möchte wissen, wer mein Vater ist»

Eine Spanierin, deren Mutter in den 60er-Jahren in Amriswil TG arbeitete, ist auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater.

von
Jeremias Büchel
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María Dolores 1964 vor der damaligen Klinik Monikaheim in Zürich.

María Dolores 1964 vor der damaligen Klinik Monikaheim in Zürich.

privat
Hier drei Jahre später in Spanien. 

Hier drei Jahre später in Spanien.

privat
Ein Bild mit dem Vater gibt es nicht. Die Mutter hat ihn auf Fotos jeweils rausgeschnitten. 

Ein Bild mit dem Vater gibt es nicht. Die Mutter hat ihn auf Fotos jeweils rausgeschnitten.

privat

Darum gehts

  • Eine Spanierin sucht in der Schweiz ihren Vater.

  • Leider weiss sie wenig über ihn, was die Suche erschwert.

  • Er heisst Andreas, dürfte heute über 80 Jahre alt sein und traf sich 1963 regelmässig mit einer Spanierin in Amriswil TG, wo er diese mit seiner Vespa abholte.

In den 60er-Jahren arbeiteten in Textilfabriken in Amriswil TG diverse Gastarbeiterinnen aus Spanien. Darunter auch Conchita Ponzán Bueno aus Zaragoza, die bei der damaligen «Esco» beschäftigt war. 1963 wurde sie schwanger, im August 1964 gebar sie ihre Tochter María Dolores in der Klinik Monikaheim in Zürich. Wenige Monate später kehrte sie mit der Neugeborenen zurück nach Spanien. Ohne den Vater.

María Dolores Aijón Ponzán wuchs darauf bei ihrer Grossmutter auf. Die Mutter heiratete später und bekam weitere Kinder. «Mit meiner Mutter hatte ich leider kein gutes Verhältnis», sagt María Dolores. «Über meinen Vater hat sie mit mir nicht gesprochen.» Deshalb weiss die 57-Jährige wenig über ihn. Er heisst Andreas, war Anfang der 60er-Jahre gross und schlank, hatte blondes Haar und holte ihre Mutter regelmässig in Amriswil auf einer vermutlich hellfarbigen Vespa ab. «Möglicherweise gingen sie tanzen, das tat meine Mutter gerne.» Ausserdem hat die Mutter mal eine Bemerkung fallen lassen, dass der Vater protestantisch sei und gut zeichnen konnte. Der Nachname von Andreas ist nicht bekannt. In der Geburtsurkunde von María Dolores steht «Vater unbekannt».

Einziges Foto vom Vater wurde von Mutter zerrissen

Von ihrer Grossmutter weiss María Dolores, dass ihr Vater sie nach dem Umzug nach Spanien in Zaragoza besuchen kam, als sie noch ein Baby war. Damals überliess er der Grossmutter ein Foto von sich. Dieses war die einzige Verbindung, die sie als Kind zu ihrem Vater hatte. Hatte. Denn als sie fünf Jahre alt war, hat ihre Mutter das Foto in die Hand bekommen, es zerrissen und entsorgt. Für die Mutter war das Kapitel Andreas klar abgeschlossen. Sie hielt sich mit Informationen zum Vater immer zurück. Heute kann sie keine Auskunft mehr geben – sie leidet an einer fortgeschrittenen Alzheimererkrankung und kann sich an nichts mehr erinnern, erkennt nicht mal mehr ihre Angehörigen.

Teil der Identität

Ob Andreas noch Kontakt zur Mutter gehalten hat, weiss María Dolores deshalb leider nicht. Ihr ist es ein grosses Bedürfnis, mehr über ihren Vater zu erfahren. «Ich gebe die Hoffnung nicht auf, meinen Vater zu finden», sagt María Dolores. Ihr sei bewusst, dass er bereits gestorben sein könnte. Sie würde sich auch über Kontakt zu allfälligen Halbgeschwistern freuen, die ihr etwas über Andreas erzählen könnten. «Ansprüche habe ich klar keine, ich will nur etwas über den väterlichen Teil meiner Identität erfahren.» Nach einem Artikel in der «Thurgauer Zeitung» sind ein paar Meldungen von Personen eingegangen, die sich an ihre Mutter erinnern konnten. Doch auf einen entscheidenden Hinweis zum Vater wartet die 57-Jährige immer noch. Wer Hinweise zum Vater von María Dolores hat, kann sich unter spanish-woman-searches-father@hotmail.com bei ihr melden. «Ich würde so gerne wissen, wer mein Vater ist und welchen Teil von ihm auch in mir steckt.»

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Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

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