Aktualisiert 26.07.2011 06:31

Egli wird barsch

Ich muss drinnen bleiben!

Ferien beim Pleitegriechen? Einkaufen beim Geizgermanen? Nix da! Dem Schweizer ist die Heimat auch bei Regen teuer.

von
Lukas Egli
Bleib, Barry! Brav, Barry! Denn Einkaufstourismus ist so unsolidarisch wie Griechenlandferien.

Bleib, Barry! Brav, Barry! Denn Einkaufstourismus ist so unsolidarisch wie Griechenlandferien.

Der Euro sinkt, der Franken steigt, die Wirtschaft ächzt, der Privatbankier stöhnt. Und der Konsument? Der sitzt brav zu Hause und trinkt Tee. Schweizer Tee, natürlich, zu einem entsprechend hohen Preis. Das gebietet ihm der Anstand.

«Selber schuld!», findet Rafael Corazza. Wer weiterhin «lammfromm» überteuert in der Schweiz einkaufe, sei ganz schön doof, erklärte der Direktor der Wettbewerbskommission letzte Woche. Die Konsumenten könnten ja «den Händler, die Marke oder das Land» wechseln. – Der Schweizer Detailhandel war wie vom Donner gerührt.

Arbeitsplätze in Gefahr

Es war, als hätte der Direktor von Schweiz Tourismus gesagt: «Selber schuld, wer weiterhin lammfromm in der nasskalten Schweiz Ferien macht.» Ein längerer Aufenthalt in der Wüste wäre dem Cheftouristiker sicher gewesen. Aber der Tourismus, der weiss eben noch, was Anstand ist.

Wegen dem unmoralischen Einkaufstourismus entgingen der Schweizer Volkswirtschaft mehrere Milliarden Franken, klagten die Handelsgiganten Migros und Coop. Schon seien Arbeitsplätze in Gefahr. Herrgott, Herr Corazza, haben Sie noch nie was von Heimatschutz gehört? Sie können die Schweizer Konsumenten doch nicht einfach ins Ausland entlassen! Der grenznahe Handel reibt sich schon gierig die Hände.

«Es war alles schmutzig, richtig gruusig!»

Wegen diesem bisschen Sprühregen in den Sommerferien nach Frankreich, Italien, Griechenland ausweichen? Wo wir da hinkämen, zeigt schmerzlich das Beispiel von Esther und René Amstutz: In einer Deutschschweizer Boulevardzeitung erzählte das geiz-geile Ehepaar aus dem idyllischen Horw von seinen traumatischen Tagen in der Ägäis: «Es war alles schmutzig, richtig gruusig. Während wir da waren, wurde nicht richtig geputzt. Es hatte keinen Platz für unser Duschgel. Nach jedem Duschen war das ganze Badzimmer pflotschnass, weil die Dusche bodengleich war!»

Für 2200 Franken hatten die zwei Heimatmüden zwei Wochen Kreta gebucht, Flug, Halbpension und Viersterne-Standard inklusive. Schnäppchenferien beim Pleitegriechen – wie unpatriotisch! Die Griechengötter bestraften die abtrünnigen Luzerner sofort.

Schweizer kaufen bei Teuro – und nicht in Euro!

Wer kauft denn schon Nivea Creme, wo es doch auch ein ädaquates Schweizer Produkt gibt! Nivea oder Juvena, das ist hier die Frage. Die Antwort ist denkbar simpel: Schweizer kaufen beim Schweizer Teuro und nicht in Euro! Käse aus Frankreich? Gruusig! Schinken aus Deutschland? Plotschnass! Wein aus Italien? Bodengleich! Nun ja, zumindest solange die Ware nicht von einem hiesigen Grossisten gewaschen worden ist. Man kennt das aus dem Banking.

Innerhalb der Luzerner Agglomeration mag der liberale Treppenwitz von der Konkurrenz, die das Geschäft belebe, ja stimmen. Auf grössere Distanzen wirkt Konkurrenz irgendwie - äh, unschweizerisch, nicht richtig geputzt.

Mit den hiesigen hohen Preisen ist es wie mit dem Regen: Da kann der Mensch noch so gegen das hartnäckige Julitief wettern – es ist gottgegeben. Darum: Schlaf nicht beim Griechen! Mach Ferien auf der Hochpreisinsel! Bleib unter deinesgleichen – wie zu DDR-Zeiten. Freikörperkultur inbegriffen. Mit dem Geld der gesparten Qualitätsbadehose können Sie Ihre Familie ein Jahr lang mit Bananen eindecken. Gekauft beim solidarisch-schweizerischen Supermarkt.

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