Sébastien Buemi: «Ich muss meinen Teamkollegen schlagen»
Aktualisiert

Sébastien Buemi«Ich muss meinen Teamkollegen schlagen»

Der 20-jährige Schweizer Sébastien Buemi geht beim Formel-1-Saisonauftakt am nächsten Sonntag in Melbourne als einziger Neuling an den Start. Der Toro-Rosso-Pilot weiss aber, dass er trotzdem keine Schonfrist hat.

von
Peter Haab

Franz Tost, 53-jähriger Österreicher und Teamchef von Toro Rosso, hält den Ball ganz bewusst flach: «Sébastien weiss, dass er schwierige Wochen und Monate vor sich hat. Die Formel 1 ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Als Neuling muss er sich zuerst an die Abläufe an einem Rennwochenende gewöhnen. An die Arbeit mit den Ingenieuren, um das Auto optimal auf die jeweilige Rennstrecke abzustimmen. Und er muss lernen, wie das Team als Ganzes beim Renneinsatz funktioniert.» Buemi hat mit dem neuen Toro Rosso der Ausgabe 2009 nur zwei Tage lang in Barcelona testen können. Deshalb warnt Tost vor einer übertriebenen Erwartungshaltung: «Es ist ganz klar: Die Saison 2009 wird für Sébastien schwieriger als alles andere, was er in seiner bisherigen Motorsport-Karriere erlebt hat.»

Der Einfluss von Helmut Marko

Wenn es bei Red Bull oder Toro Rosso um die Besetzung von Formel-1-Cockpits geht, spricht neben Konzernchef Dietrich Mateschitz ein zweiter Mann ein Machtwort: Der 65-jährige Österreicher Dr. Helmut Marko. Er war früher selbst Formel-1-Pilot und amtiert heute als oberster Chef der Red-Bull-Talentschmiede. Letztlich ist es vor allem Marko zu verdanken, dass die Schweiz nach rund 13 Jahren wieder einen Formel-1-Piloten hat. Denn der gebürtige Grazer hat seit Jahren unerschütterliches Vertrauen in die Fähigkeiten seines Schützlings aus Aigle im Kanton Waadt. Marko erzählt bei jeder Gelegenheit, dass er mit Buemi einen neuen Sebastian Vettel gefunden habe. Zur Erinnerung: Sebastian Vettel ist jener schnelle junge Mann, der für Toro Rosso im vergangenen September den GP von Italien in Monza gewann und damit zum jüngsten GP-Sieger in der Formel-1-Geschichte wurde. Für die Saison 2009 ist Vettel ins Red-Bull-Team aufgestiegen, wo er den zurückgetretenen David Coulthard ersetzt.

Vergleiche mit Vettel nicht möglich

Teamchef Franz Tost ist mit Vergleichen zu GP-Sieger Sebastian Vettel immer sehr vorsichtig. Er weist darauf hin, dass der aktuelle Toro Rosso auf Grund der einschneidenden Reglements-Änderungen nicht mehr mit dem Vorjahres-Auto zu vergleichen ist. Zudem will er Buemi nicht noch zusätzlichem Druck aussetzen: «Sébastien hat bei uns gleich von Anfang an gezeigt, dass er ein Naturtalent ist. Er hat einen unglaublichen Speed und kann sich sehr schnell auf neue Situationen einstellen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass er noch sehr jung ist. Was die Formel-1-Erfahrung betrifft, ist Vettel im Vergleich zu ihm bereits ein Veteran.» Sébastien Buemi selbst zeigt ebenfalls wenig Begeisterung, wenn man Vergleiche mit seinem direkten Vorgänger bei Toro Rosso anstellt. «Natürlich kommt Druck auf, wenn man als Neuling das Cockpit eines GP-Siegers übernimmt», gibt Buemi zu. «Aber ich werde jetzt nicht ständig darüber nachdenken, was Vettel an meiner Stelle getan hätte. Das würde mich nur unnötig ablenken.»

Keine Schonfrist für den Schweizer

Buemi weiss allerdings auch, dass er spätestens in der zweiten Saisonhälfte Resultate – sprich WM-Punkte – einfahren muss. «Ich benötige bestimmt eine gewisse Angewöhnungsphase. Aber nachher muss ich meinen Teamkollegen schlagen. Dafür muss ich auch in jedem Training schnell sein und darf mir bei der Fahrzeug-Abstimmung keine Fehler erlauben.» Der Punktsieg gegen den 30-jährigen Franzosen wird für den jungen Schweizer, der in Bahrains Hauptstadt Manama seinen Wohnsitz hat, keine einfache Sache. «Im Gegensatz zu mir hat Sébastien Bourdais bereits ein Jahr Formel-1-Erfahrung», gibt Buemi zu bedenken. «Und die neuen Regeln kommen ihm ebenfalls entgegen. Die Formel-1-Rennwagen der Generation 2009 sind jenen Autos, die er früher in der amerikanischen Champcar-Serie gefahren ist, sehr ähnlich.»

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