Nati-Star Fabian Schär spricht über die WM 2022 und Newcastle

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Fabian Schär«Ich hoffe, Murat Yakin hat meine Leistungen mitverfolgt»

Nati-Verteidiger Fabian Schär befindet sich mit Newcastle auf einem Höhenflug in England. Jetzt will er auch an der WM angreifen. Der 30-Jährige im exklusiven Interview.

von
Tobias Wedermann
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Tabellenplatz drei in der Premier League und die beste Defensive der Liga: Bei Fabian Schär und Newcastle United läuft es aktuell ausgezeichnet.

Tabellenplatz drei in der Premier League und die beste Defensive der Liga: Bei Fabian Schär und Newcastle United läuft es aktuell ausgezeichnet.

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Laut dem 30-Jährigen hat Trainer Eddie Howe (r.) einen grossen Anteil an der Club-Entwicklung wie auch an seiner Form: «In Newcastle vertraut mir der Trainer und ich zahle dies mit den aktuellen Leistungen zurück.»

Laut dem 30-Jährigen hat Trainer Eddie Howe (r.) einen grossen Anteil an der Club-Entwicklung wie auch an seiner Form: «In Newcastle vertraut mir der Trainer und ich zahle dies mit den aktuellen Leistungen zurück.»

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In der laufenden Saison hat Schär die 100er-Marke an Premier-League-Spielen geknackt: «Ich bin stolz darauf. Das zeigt, dass man über lange Zeit konstant auf einem hohen Niveau Leistung erbringen konnte.»

In der laufenden Saison hat Schär die 100er-Marke an Premier-League-Spielen geknackt: «Ich bin stolz darauf. Das zeigt, dass man über lange Zeit konstant auf einem hohen Niveau Leistung erbringen konnte.»

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Darum gehts

  • Nati-Verteidiger Fabian Schär befindet sich in England in ausgezeichneter Form.

  • Dennoch ist nicht klar, ob er an der WM in der Startelf steht.

  • Im Interview mit 20 Minuten spricht er über den Hype um Newcastle, die WM in Katar und welche Chance er bei der Nati und sich persönlich sieht.

Fabian Schär, am Montag geht der Flug nach Doha. Schon in WM-Vorfreude?

Noch nicht. Es ist irgendwie komplett anders als bei früheren Turnieren. Ich war im Kopf noch total bei Newcastle in den letzten Tagen, wir hatten noch zwei wichtige Spiele. Und jetzt geht dann gleich die WM los.

Vor einem Jahr wart ihr Abstiegskandidat Nr. 1, jetzt auf Platz drei der aktuellen Tabelle. Experten und Fans sind begeistert. Was ist in diesem Jahr mit Newcastle United passiert?

Der Knackpunkt war sicher die Übernahme der neuen Besitzer und der neue Trainer (Eddie Howe), der bisher unglaubliche Arbeit geleistet hat. Zudem ist der Teamspirit so gut, wie ich es fast noch nie erlebt habe. Aber es ist alles mit extrem harter Arbeit verbunden.

Was ist möglich –  Europa, vielleicht sogar die Meisterschaft? Oder kommen Sie jetzt mit der «wir schauen von Spiel zu Spiel»-Aussage?

(lacht) Ja, genau mit der komme ich und meine es ehrlich so. Ich persönlich denke so. Klar, läuft vieles super und die Euphorie sowie Träume bei den Fans wachsen. Aber jetzt kommt eine ungewohnte Ligapause und wir sind noch nicht mal in der Hälfte der Saison.

Sie haben jetzt über 100 Premier-League-Spiele. Viele sagen die beste Liga der Welt. Was bedeutet dieser Meilenstein?

Es ist für mich sehr speziell und ich bin stolz darauf. Das zeigt, dass man über lange Zeit konstant auf einem hohen Niveau Leistung erbringen konnte. Es gibt nicht viele Ausländer, die eine solche Zahl in der Premier League erreichen.

Sie mussten auch schon gegen Erling Haaland spielen. Er hat in zwölf Ligaspielen bereits 18 Tore erzielt. Wie ist es im Direktduell gegen ihn?

Manchmal hast du das Gefühl, dass er gar nicht gross im Spiel ist und dann ist dieser Typ plötzlich da und macht Tore. Da kannst du als Verteidiger teilweise effektiv gar nichts machen, um das zu verhindern.

«Ich gehe sicher nicht an die WM mit der Einstellung, dass ich Verteidiger Nummer drei bin»

Stammspieler, Leistungsträger, Teil der stärksten Defensive der Premier League – bei der Schweizer Nati waren Sie zuletzt aber nur Innenverteidiger Nummer drei. 

Ich muss meine Leistung bringen, das ist, was ich beeinflussen kann. Beweisen muss ich niemandem was, die aktuellen Zahlen und Leistungen sprechen für sich.

Wie sieht das der Nati-Trainer Murat Yakin? Er tendierte auch bei der Kadervorstellung zu Akanji/Elvedi.

Es ist für mich schwierig zu sagen, wie er das sieht. Ich hoffe, er hat meine Leistungen mitverfolgt. In Newcastle vertraut mir der Trainer und ich zahle dies mit den aktuellen Leistungen zurück. Mehr kann ich nicht beeinflussen.

Aber Sie hätten schon den Anspruch in der Startelf zu stehen an der WM, oder?

Ich bin schon bald zehn Jahre bei der Nati und grösstenteils als Stammspieler. Ich gehe sicher nicht an die WM mit dem Wissen oder der Einstellung, dass ich Verteidiger Nummer drei bin. Aber die Entscheidung liegt beim Trainer.

Bei den Brasilianern gab es emotionale Videos von der Kaderbekanntgabe. Die Spieler schauten mit ihren Familien gespannt auf die Präsentation im TV. Wie war es bei der Nati?

Deutlich weniger spektakulär (lacht). Aber so sind wir Schweizer halt auch einfach nicht. Bei uns geht das via Telefonaten, Whatsapp-Nachrichten oder E-Mails.

Was ist mit diesem Team möglich, das als beste Nati der Geschichte betitelt wird?

Wir haben hohe Ansprüche und sehr viel Qualität, aber auch eine sehr schwierige Gruppe. Das erste Spiel gegen Kamerun wird extrem wichtig und wegweisend. Danach ist alles möglich. Ich bin sehr zuversichtlich.

Sie treffen gegen Brasilien auch auf Ihren Newcastle-Teamkollegen Bruno Guimarães. Gab es einen Austausch?

Schon als die Gruppe ausgelost wurde, gab es natürlich Sprüche. Er hat mir die Taktik der Brasilianer aber noch nicht verraten. Es wird schwierig, aber ich bleibe dran (lacht).

«Wir Spieler haben und hatten keinen Einfluss auf die Vergabe einer WM»

Das Thema Katar wird heftig diskutiert. Wie sehr nerven Sie sich als Spieler über die politischen Fragen dazu?

Ich verstehe, dass es ein Thema ist, das die Fans und Leute beschäftigt. Aber man muss differenzieren, wer die richtigen Personen sind, um darüber zu urteilen und zu sprechen. Wir Spieler haben und hatten keinen Einfluss auf die Vergabe einer WM. Unser Job ist es, Fussball zu spielen und eine Teilnahme an einer Weltmeisterschaft ist schlichtweg das Grösste für einen Fussballer.

Bei der EM hattet ihr mehr Reisekilometer als alle anderen Länder. Bei der WM reist ihr gar nicht während des Turniers. Was ist besser? Wird es eventuell langweilig in Doha?

Grundsätzlich ist es natürlich einfach, wenn man sich gut regenerieren kann und nicht stets reisen und das Hotel wechseln muss. In diesem Turnier sind die Ausgangslagen für alle Teams gleich, das sind faire Voraussetzungen.

Am 18. Dezember ist der WM-Final, am 26.12. spielt Newcastle schon wieder. Wie machen Sie das als Spieler?

Wir haben am 20. Dezember sogar schon ein Pokalspiel. Es ist crazy, wirklich. Und für alle sehr speziell. Ich gehe davon aus, dass die WM-Spieler noch ein paar Tage Ferien erhalten – egal wann es für sie zu Ende ist. Man braucht diese Zeit auch, um herunterzufahren und sich mental zu sammeln für den Rest der Saison. Der Spielplan verlangt uns sehr viel ab. Ich liebe es aber, für Newcastle zu spielen, und ich liebe es, für die Schweiz an einer Weltmeisterschaft im Einsatz zu stehen – da ist mir der enge Terminkalender eigentlich egal. 

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