Basel-Stadt: «Ich muss Shisha-Tabak jetzt schmuggeln»

Aktualisiert

Basel-Stadt«Ich muss Shisha-Tabak jetzt schmuggeln»

Konsumenten und Händler leiden unter der massiv erhöhten Importsteuer auf Shisha-Tabak. Als Folge könnte der Schmuggel an der Grenze zunehmen, befürchten Szene-Kenner.

von
Chris Stoecklin
Shisha-Rauchen wird immer beliebter. Doch der Staat will diesem Trend einen Riegel vorschieben. Mit einer Steuererhöhung tritt man dem orientalischen Genussmittel entgegen.

Shisha-Rauchen wird immer beliebter. Doch der Staat will diesem Trend einen Riegel vorschieben. Mit einer Steuererhöhung tritt man dem orientalischen Genussmittel entgegen.

Tom C.* aus Basel ist verzweifelt. Seit Jahren raucht der 26-Jährige regelmässig Shisha. Für ihn ist es zur Sucht geworden. «Ich rauche täglich mindestens fünf Shishas», sagt C. Allerdings: Seit ein paar Monaten kommt er nicht mehr so einfach an den Tabak, in der Schweiz ist er nicht mehr so leicht erhältlich wie noch Anfang Jahr. «Ich muss meinen Shisha-Tabak jetzt aus Deutschland und Frankreich in die Schweiz schmuggeln.»

Importeur gibt Sisha-Geschäft auf

Denn: Anfang Mai hat die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) quasi über Nacht die Steuern für den Import von Shisha-Tabak massiv erhöht. «Damit wurde der Anreiz minimiert, Wasserpfeifentabak ohne Anmeldung ins Ausland auszuführen», begründet Martin Affolter von der EZV. Die hiesigen Händler fielen aus allen Wolken. «Wir reden hier von Preiserhöhungen über 250 Prozent», sagt Dominik Mezzomo vom House of Smoke in Basel. «Vorher konnten die Konsumenten 50 Gramm für 3.80 Franken kaufen. Neu wird die gleiche Menge bis zu 12 Franken kosten», sagt der Importeur. Viele Importeure werden sich laut Mezzomo wegen dieser Entwicklung aus dem Shisha-Business zurückziehen – so auch sein House of Smoke, ein Generalimporteur von Shisha-Waren. Shisha-Tabak könnte in der Schweiz also nicht nur teurer, sondern auch schwerer erhältlich werden.

«Viele Shisha-Bars werden dichtmachen müssen»

Für die Shisha-Bars in Basel sind die Konsequenzen noch nicht absehbar. Ali F.* der eine Shisha-Bar in Basel betreibt, sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. «Wir haben den Preis für eine Shisha um 5 Franken erhöht. Vielleicht folgen noch weitere Preiserhöhungen», sagt er. Das grösste Problem sei aber, dass er bald keinen Tabak mehr an Lager hat. «Der Markt ist komplett ausgetrocknet», betont er. «Wenn das so weitergeht, werden viele Shisha-Bars in der Region dichtmachen müssen.»

Wie die EZV gegenüber 20 Minuten bestätigt, will man mit der Steuererhöhung auch in das Konsumverhalten der Jugendlichen eingreifen und den Schmuggel aus der Schweiz in andere Länder bekämpfen. Im vergangenen Jahr seien 800 Tonnen Tabak in die Schweiz importiert worden, und nur ein Fünftel davon sei für den hiesigen Markt bestimmt gewesen. Der Rest wurde ausser Landes geschmuggelt.

Schmuggel in umgekehrter Richtung?

Importeur Mezzomo erwartet, dass der Schmuggel nun in umgekehrter Richtung stattfindet: «Durch diese Massnahme wird nicht weniger Shisha geraucht. Die Leute werden ihren Tabak einfach auf einem anderen Markt besorgen – nämlich im Ausland», betont er. «Krass gesagt wird der Einkaufstourismus vom Staat noch gefördert, statt den Handelsplatz Schweiz zu stärken.» Laut Affolter von der EZV sei der Bund sich dieses Risikos bewusst: «Grundsätzlich birgt jede Preiserhöhung im Inland die Gefahr, dass vermehrt ins Land geschmuggelt wird.»

*Name geändert

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