Erpressung über Skype: «Ich musste mich jeden Abend für ihn ausziehen»
Aktualisiert

Erpressung über Skype«Ich musste mich jeden Abend für ihn ausziehen»

Eine junge Frau aus der Romandie wurde von einem Mann gezwungen, sich vor der Webcam zu entblössen. Diese Erfahrung verarbeitet sie nun in einem Youtube-Video.

von
qll

Elena R.* ist eine offene und lebhafte junge Frau, die an die Liebe glaubt. Im Sommer 2014 lernte die heute 18-Jährige einen Mann kennen, der diese Offenheit jedoch ausnutzte, wie «20 minutes» berichtet. «Ich habe ihn über das Internet kennengelernt», erzählt sie. «Er war doppelt so alt wie ich. Aber er war freundlich und aufmerksam, zumindest am Anfang.»

Doch mit der Zeit habe sich der Ton verändert: «Er verlangte von mir, dass ich mich vor der Webcam ausziehe. Dass ich mich anfasse», sagt Elena. «Ich hatte Angst, deshalb tat ich, was er verlangte.» Als es ihr gereicht habe, habe der Mann angefangen, sie zu erpressen: «Er drohte mir, dass er meinen Freunden die Nackt-Videos schicken würde. Es war schrecklich. Ich konnte mit niemandem darüber sprechen.»

Video gedreht

Im Juni 2015 – ein Jahr nach dem ersten Kontakt – hatte Elena den Mut, den Mann zu blockieren. Als sie im Winter volljährig wurde, hat sie den Mann persönlich bei der Polizei angezeigt.

Zudem hat sie ein Video gedreht, um das Erlebte zu verarbeiten. Auch soll es andere potenzielle Opfer davor bewahren, ebenfalls schlaflose Nächte zu haben. «Heute weiss ich nicht, ob Bilder von mir im Umlauf sind, aber ich kam aus mir heraus.»

Prävention ist einzige Lösung

Solche Erpressungen finden in der Schweiz häufig statt. «Es betrifft meistens Jugendliche oder junge Erwachsene», sagt Jean-Christophe Sauterel von der Waadtländer Polizei. «Sie sind das Werk von Perversen, denen es um die sexuelle Befriedigung geht und nicht um Geld wie bei Sextortion-Fällen.» Was Elena erlebt habe, sei sogar noch schwieriger, weil sich zuvor eine vertrauensvolle Beziehung entwickeln konnte. Laut Sauterel könne man nur durch Prävention gegen dieses Phänomen kämpfen.

«Man kann nie wissen, mit wem man es im Internet zu tun hat», betont Sauterel. Diese Grundregel versucht die Polizei auch in den Klassenzimmern zu vermitteln. «Es ist wichtig , dass junge Menschen ihre Online-Reputation überwachen», sagt er. «Dies hat Priorität in unserer Präventionspolitik.»

*Name der Redaktion bekannt

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