Aktualisiert 08.11.2019 07:46

Adventskalender-umgekehrt«Ich musste weinen, als ich den Inhalt sah»

Mit ihrem Projekt Adventskalender-umgekehrt greift die alleinerziehende Mutter Julia Nickel (37) mit ihren Helfern anderen Armen unter die Arme. Eine von ihnen ist Sara Ullrich.

von
Qendresa Llugiqi
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Letztes Jahr hat auch die alleinerziehende Mutter Sara Ullrich (38) aus Gettnau LU durch das Projekt Adventskalender-umgekehrt ein Paket voller Lebensmittel erhalten.

Letztes Jahr hat auch die alleinerziehende Mutter Sara Ullrich (38) aus Gettnau LU durch das Projekt Adventskalender-umgekehrt ein Paket voller Lebensmittel erhalten.

Diese Esswaren erhielt Ullrich letztes Jahr.

Diese Esswaren erhielt Ullrich letztes Jahr.

zvg
«Ich musste weinen, als ich den Inhalt sah. Mein Helfer hat sich richtig Mühe gegeben. Das Paket war mit Liebe gemacht», sagt Ullrich. Neben Esswaren wie Nudeln, Reis und Kartoffeln habe es auch etwas Süsses für ihren 13-jährigen Sohn gehabt. «Wir bekamen sogar persönliche Geschenke.»

«Ich musste weinen, als ich den Inhalt sah. Mein Helfer hat sich richtig Mühe gegeben. Das Paket war mit Liebe gemacht», sagt Ullrich. Neben Esswaren wie Nudeln, Reis und Kartoffeln habe es auch etwas Süsses für ihren 13-jährigen Sohn gehabt. «Wir bekamen sogar persönliche Geschenke.»

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Die zweifache Mutter Julia Nickel (37) bietet Hilfesuchenden mit ihrem Projekt Adventskalender-umgekehrt Direkthilfe in Form von Fresspäckchen an. Letztes Jahr hat auch die alleinerziehende Mutter Sara Ullrich (38) aus Gettnau LU durch das Projekt ein Paket voller Lebensmittel erhalten. «Ich musste weinen, als ich den Inhalt sah. Mein Helfer hatte sich richtig Mühe gegeben. Das Paket war mit Liebe gemacht.» Neben Esswaren wie Nudeln, Reis und Kartoffeln habe es auch etwas Süsses für ihren 13-jährigen Sohn gehabt. «Wir bekamen sogar persönliche Geschenke.»

Ullrich stehen nach eigenen Angaben zusammen mit ihrem Sohn 1490 Franken im Monat zur Verfügung. Geld erhält sie vom Sozialamt. Weil sie gehbehindert ist, kämpft sie mit der IV um eine Rente. Auch ihrem Sohn geht es gesundheitlich nicht gut. «Im Alter von zwei Monaten hatte er eine Hirnhautentzündung, die dann weitere Folgen – wie etwa Epilepsie – mit sich brachte. Wir lebten die ersten drei Jahre praktisch im Spital.» Seither ist ihr Sohn auf den Heilpädagogischen Dienst angewiesen. «Er ist so ein tolles Kind. Durch die Entzündung wurde jedoch alles schwieriger: Er leidet an ADHS, ist ab und zu aggressiv und sehr fordernd.» Auch sie werde wegen ihrer Gehbehinderung im Paraplegiker-Zentrum behandelt.

Schlimmster Monat: der Dezember

«Normalerweise wären wir im Minus, vor allem, wenn wir Spezialausgaben haben, wie etwa für Medikamente, die wir im Voraus bezahlen müssen oder für Billette, um die Therapien wahrnehmen zu können», sagt Ullrich. Verschiedene Leute würden ihnen mit Fresspäckchen jeweils über die Runden helfen. «Dadurch können wir etwas beim Essen einsparen und rutschen nicht ins Minus.»

Der schlimmste Monat im Jahr sei jedoch der Dezember. «Natürlich will ich meinem Sohn schöne Feiertage schenken. Er soll sie wie jedes andere Kind geniessen», sagt Ullrich. «Dazu gehört, dass es nach Weihnachten aussieht und ein tolles Essen auf dem Tisch steht. Vielleicht auch ein Geschenk.» Dies seien jedoch alles Extrawünsche, die sie sich nicht leisten könnten. Bereits jetzt mache sie sich Sorgen, wenn sie an das Jahresende denke: «Ich weiss nicht, wie diese Feiertage werden», sagt Ullrich unter Tränen. Deshalb mache sie auch dieses Jahr beim Adventskalender-umgekehrt mit. «Letztes Jahr konnte ich mit den geschenkten Lebensmitteln drei Viertel eines Monats überbrücken. Es war eine Erleichterung für mich und meinen Sohn.»

«Ich will den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern»

Cornelia Graetz-Marti (44) aus Rothenburg LU ist eine der Helferinnen beim Adventskalender-umgekehrt. «Ich entdeckte das Projekt letztes Jahr per Zufall. Da es uns als Familie finanziell und gesundheitlich gut geht, will ich Menschen, denen es nicht so gut geht, etwas zurückgeben. Ich will den Menschen – vor allem Kindern – ein Lächeln ins Gesicht zaubern.» Sie habe letztes Jahr ein Paket verschickt. «Ausserdem musste ich am 24. Dezember einspringen, weil ein anderer Helfer seine Meinung in letzter Sekunde geändert hat.» Sie sei gerade mit ihrer Familie beim Einkaufen gewesene, als Julia Nickel gefragt habe, wer einspringen könnte. «Wir haben alles eingekauft und haben die Familie überrascht. Die waren natürlich baff, aber haben sich extrem gefreut. Auch für uns war es das süsseste Weihnachtsgeschenk.» Auch ein Jahr später stehe sie noch in Kontakt mit den Hilfesuchenden. «Das Projekt verbindet. Es ist nicht etwas kurzfristiges.»

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