30.03.2020 07:56

Geheilte über neuen Alltag

«Ich nehme wieder mit gutem Gewissen den ÖV»

Mit der Anzahl Corona-Infektionen steigt auch die Anzahl der Genesenen. Wie gehen sie damit um, immun zu sein?

von
Joel Probst
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Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 sorgt für einen weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens.

Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 sorgt für einen weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens.

Keystone/Alexandra wey
Doch dank neuen Entwicklungen könnte dies bald schon peu à peu zurückkehren. So zeigen Antikörpertests an, wer bereits Covid-19 überstanden hat und immun ist.

Doch dank neuen Entwicklungen könnte dies bald schon peu à peu zurückkehren. So zeigen Antikörpertests an, wer bereits Covid-19 überstanden hat und immun ist.

iStock/Vladimir Borovic/Symbolbild
Die Hoffnung in die Tests ist gross: Diejenigen, bei denen Antikörper nachgewiesen würden, könnten dann gefahrlos auf Kontaktsperren verzichten und in ihre Berufe zurückkehren, so die Idee.

Die Hoffnung in die Tests ist gross: Diejenigen, bei denen Antikörper nachgewiesen würden, könnten dann gefahrlos auf Kontaktsperren verzichten und in ihre Berufe zurückkehren, so die Idee.

AP/Thomas Kienzle/Symbolbild

Derzeit erhalten Schweizer Labors erste Antikörpertests geliefert, schon kommende Woche soll das Testen losgehen: Um die Coronavirus-Genesenen aufzuspüren, sollen die Tests «breit eingesetzt» werden, so Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Der Grund: Wer das Coronavirus überstanden und deshalb entsprechende Antikörper im Blut hat, ist wohl immun gegen eine weitere Erkrankung. Davon könne man im Moment ausgehen, sagte Koch diese Woche. Es gebe zwar Berichte über einzelne Personen, die sich wieder infiziert hätten, das sei aber «mit Sicherheit nicht die Regel».

Wie viele haben das Coronavirus überstanden?

14'336 bestätigte Corona-Infektionen zählte das BAG heute. Wie viele Personen davon aber bereits wieder genesen sind, weiss niemand. Das BAG erfasst die Zahl der Genesenen nicht. Und wie bei den Infektionen dürfte die Dunkelziffer auch bei den Genesenen hoch sein, da die Erkrankung oftmals gar nicht bemerkt wird.

Eine, die das Coronavirus überstanden hat, ist Milena C. Sie ist Pflegefachfrau und arbeitet in einem Regionalspital im Kanton Bern. «Angesteckt habe ich mich wohl im Zug», erzählt sie 20 Minuten. «Ich hatte einen Mann im Abteil neben mir, der ziemlich gehustet hat. Wahrscheinlich hat das schon gereicht.»

Mit Mundschutz weitergearbeitet

In der nächsten Woche klagte C. über Halsschmerzen. Da sie in der Pflege arbeitet, machte sie einen Abstrich und liess sich auf das Coronavirus testen. Sie arbeitete derweil gemäss den Regeln ihres Spitals mit einem Mundschutz regulär weiter. Als das positive Resultat einen Tag später da war, musste sie sich zu Hause isolieren.

Ihre Krankheit verlief zum Glück mild: «Das Coronavirus habe ich wie eine normale Grippe erlebt.» Sie habe an starkem Reizhusten, Halsschmerzen, und teilweise leichtem Fieber gelitten. Nach zwei Wochen seien die Beschwerden schliesslich verschwunden gewesen.

«Ich muss weniger aufpassen»

Diese Woche darf C. wieder aus der Quarantäne und ins Spital arbeiten gehen. Ob sie jetzt wegen ihrer vermutlichen Corona-Immunität anders eingesetzt wird oder im Kontakt mit Corona-Patienten auf gewisse Schutzmaterialien verzichten kann, weiss sie noch nicht.

Klar ist für C. aber: «Ich muss weniger aufpassen. Ich darf jetzt mit gutem Gewissen den ÖV nehmen oder einkaufen gehen.» Noch unschlüssig ist C. aber, ob sie ihre Grossmutter besuchen gehen soll, die bald Geburtstag hat.

Verhaltensregeln müssen trotzdem eingehalten werden

Daniel Koch vom BAG meinte diese Woche zwar, wer vom Coronavirus genesen sei, habe Glück gehabt und solle sich am kleinen Erkrankungsrisiko erfreuen. Er mahnt aber: «Sie sollen die Regeln trotzdem einhalten.» Denn es sei unmöglich, Genesene von allen anderen zu unterscheiden.

Auch D. M., der für ein medizintechnisches Unternehmen arbeitet, hat bereits eine Corona-Erkrankung hinter sich. Er habe sich wohl in einem Meeting angesteckt, sagt er zu 20 Minuten.

«Die Pflege rief lieber an»

«Zu Beginn waren meine Symptome nur leicht», so M. Doch dann habe er starke Glieder- und Halsschmerzen zu beklagen gehabt. Als dazu noch Atemnot kam, wurde er mit der Ambulanz ins Universitätsspital Zürich gefahren. «Ich hatte das Gefühl, es sei etwas Ernstes.» Die Fahrt sei ein spezielles Erlebnis gewesen: «Niemand sass mit mir hinten im Krankenwagen. Und alle waren mit Maske, Handschuhen und Anzug geschützt.»

Im Spital durfte er sich nicht aus dem Zimmer bewegen. «Die Massnahmen waren sehr streng», erzählt M. Mit einem Rollstuhl und begleitet von Sicherheitspersonal sei er eingeliefert worden, selber laufen habe er nicht dürfen. Auch auf dem Zimmer seien alle möglichst auf Distanz zu ihm geblieben. «Die Pflege rief mich oft an und kam nur selten persönlich vorbei.»

Zehn Tage Isolation

Nach einer Nacht wurde M. aber bereits wieder entlassen, eine leichte Behandlung reichte in seinem Fall aus. Doch da der Test auf das Coronavirus positiv ausfiel, mussten sich er und seine Familie für zehn Tage zu Hause isolieren.

Mittlerweile ist M. wieder gesund, er darf nach draussen gehen und wieder regulär arbeiten. Trotzdem beschränkt er sich im Moment wie von seinem Arbeitgeber vorgesehen auf Homeoffice. Direkter Kundenkontakt ist für ihn noch immer gestrichen.

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