Kritik an Knebelverträgen - «Ich rate jedem Restaurant davon ab, sich mit Uber Eats einzulassen»
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Kritik an Knebelverträgen«Ich rate jedem Restaurant davon ab, sich mit Uber Eats einzulassen»

Bei Bestellungen mit Uber Eats bleibt Restaurants und Imbissbuden kaum etwas übrig. Ein Prozent Gewinn oder sogar Verluste sind möglich. Wer direkt beim Restaurant bestellt, kommt oft günstiger weg.

von
Fabian Pöschl
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Uber Eats ist in der Schweiz auf Wachstumskurs und arbeitet mit rund 2300 Gastro-Betrieben zusammen.

Uber Eats ist in der Schweiz auf Wachstumskurs und arbeitet mit rund 2300 Gastro-Betrieben zusammen.

AFP
Die Restaurants haben mit der Partnerschaft die Möglichkeit, neue Kundschaft zu gewinnen.

Die Restaurants haben mit der Partnerschaft die Möglichkeit, neue Kundschaft zu gewinnen.

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Für die Restaurants ist die Partnerschaft aber ein zweischneidiges Schwert.

Für die Restaurants ist die Partnerschaft aber ein zweischneidiges Schwert.

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Darum gehts

  • Uber Eats baut seinen Marktanteil in der Schweiz aus.

  • Für die Restaurants ist das ein zweischneidiges Schwert.

  • Sie haben als Uber-Eats-Partner einen neuen Absatzkanal.

  • Die US-Firma verlangt von den Restaurants aber hohe Gebühren.

Essenslieferdienste florieren in der Coronakrise. So konnte Uber Eats nach dem Schweizer Marktstart vor zwei Jahren kräftig zulegen. Doch während die Uber-Tochter gute Geschäfte mit dem Ausliefern der Speisen macht, müssen sich die Kuriere für wenig Geld abstrampeln. Auch für die Restaurants und Imbiss-Buden ist die Partnerschaft mit der US-Firma ein zweischneidiges Schwert.

Uber Eats verlangt 30 Prozent Kommission vom Umsatz pro Bestellung, sagt eine Managerin einer Restaurant-Kette zu 20 Minuten, die anonym bleiben möchte. Mehrere weitere Restaurants bestätigen, dass es rund 30 Prozent sind. Das sei für die Gastronominnen und Gastronomen gefährlich. «Sie schnappen uns unsere Gewinne weg», sagt die Gastro-Managerin.

Den Restaurants bleibt kaum was übrig

Höhere Preise könnten die Restaurants trotz der Kommission nicht verlangen. Dann würden die Kundinnen und Kunden einfach den nächstgünstigeren Anbieter auf Uber Eats auswählen, sagt der Gastronomie-Experte Adrian Zumofen zu 20 Minuten.

Deshalb bleibt den Restaurants kaum was übrig, wenn sie fast ein Drittel des Umsatzes an Uber Eats abdrücken müssen. Laut Zumofen rechnen die Gastro-Betriebe mit extrem dünner Marge. So machen die Warenkosten etwa 30 Prozent des Gesamtbetrags aus, dazu kommen Löhne, Miete etc.

«Das bedeutet, dass den Restaurants bei der Abrechnung mit Uber Eats etwa ein Prozent des Umsatzes als Gewinn verbleibt, wenn sie überhaupt Gewinn machen. Das ist eine Katastrophe, so verdient man fast gar nichts mehr», sagt Zumofen.

Wer direkt beim Restaurant bestellt, kommt oft günstiger weg

Das Prinzip sei das Gleiche wie bei Hotel-Buchungsplattformen. Auch dort müssten Hotels eine Kommissionsgebühr bezahlen. «Die Gebühr für Hotels ist aber viel geringer. Ausserdem hat der Hotelier die grössere Marge als beim Essen», sagt der Gastro-Experte und rät Restaurants deshalb davon ab, sich mit Uber Eats einzulassen.

Besser wäre es laut Zumofen, direkt bei den Restaurants zu bestellen als über einen Drittpartner. «So kann der Gastronom eine persönliche Beziehung mit dem Kunden aufbauen.» Auch die von 20 Minuten angefragten Restaurants würden sich wünschen, keine so hohe Kommission bezahlen zu müssen. «Das würde uns besonders nach Corona helfen, wieder Gewinne einzufahren», sagt eine Gastronomin.

Einige angefragte Restaurants belohnen den direkten Kontakt auch und geben etwa zehn Prozent Rabatt. Doch Uber Eats ist je nach Stadt so mächtig, dass sie abhängig vom Lieferdienst sind, wie ein Gastronom sagt. Sie können es sich nicht leisten, den Absatzkanal nicht zu beachten. «Mehr Wettbewerb und weitere Anbieter wären sinnvoll, damit die Macht nicht bei wenigen liegt», sagt der Gastronom.

Uber übernimmt Kosten für den Kurier und das Marketing

Uber Eats verweist auf Anfrage auf Leistungen, die Restaurants mit einer Partnerschaft mit dem Lieferdienst bekämen. So übernehme die Firma etwa die Kosten für die Lieferung. Falls ein Restaurant mit einem eigenen Lieferservice arbeiten wolle, betrage die Kommission nur rund 15 Prozent, sagt ein Uber-Sprecher.

Dazu investiere Uber viel Geld ins Marketing, um neue Kundschaft für die Restaurants zu gewinnen, etwa durch Mail-Kampagnen oder Online-Werbung. Die Kosten für Promo-Aktionen würden zudem vollständig von Uber übernommen.

Des Weiteren zwinge Uber keine Restaurants, Bestellungen anzunehmen. Sollte die Partnerschaft für sie keinen Sinn mehr ergeben, könnten sie ihre Verträge kündigen ohne eine Strafe zahlen zu müssen. Meist sei das innerhalb eines Monats erledigt. Eine Umfrage habe aber gezeigt, dass 67 Prozent der Restaurants die Partnerschaft mit Uber Eats mit mindestens 7 von 10 Punkten bewertet hätten.

2-Milliarden-Franken-Markt

Der Food-Delivery-Markt in der Schweiz setzt über zwei Milliarden Franken pro Jahr um. Einer der grössten Player ist Uber Eats. Die US-Firma ist in 26 Schweizer Städten vertreten und arbeitet mit rund 2300 Gastro-Betrieben zusammen. Marktführer in der Schweiz ist das niederländische Portal Eat.ch mit über 3500 Partnern. Es gibt aber auch Alternativen zu den grossen Playern wie Velokuriere oder die Vermittlungsplattform Larky, die Restaurants am Gewinn beteiligt.

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