Kontrolle der Fahrfähigkeit: Ich rauche CBD – darf ich eine Blutprobe verweigern?
CBD gilt nicht als Betäubungsmittel, Hersteller raten aber dennoch nach dem Konsum vom Autofahren ab.

CBD gilt nicht als Betäubungsmittel, Hersteller raten aber dennoch nach dem Konsum vom Autofahren ab.

Getty Images/iStockphoto
Publiziert

Kontrolle der FahrfähigkeitIch rauche CBD – darf ich eine Blutprobe verweigern?

Tim raucht ab und zu CBD-Zigaretten und befürchtet, dass die Substanz in einem Drogenschnelltest anschlagen könnte. Darf er einen solchen Test verweigern?

von
Olivia Solari, AGVS

Frage von Tim ans AGVS-Expertenteam:

Ich rauche gelegentlich CBD-Zigaretten. Ich habe gehört, dass ein Drogenschnelltest trotz des THC-Gehaltes von unter einem Prozent positiv ausfallen kann. Darf die Polizei im Strassenverkehr einfach so eine Blutprobe anordnen? Was passiert, wenn ich mich weigere?

Antwort:

Lieber Tim

Für die Polizei gehört es zum Standardprozedere, für die Betroffenen ist es meist eher unangenehm: Die Kontrolle der Fahrfähigkeit. Fragen zu THC oder CBD erreichen uns immer wieder. Deshalb hier der Link zu einem früheren Ratgeber-Artikel zu diesem Thema.

Personen, die unter Alkohol-, Betäubungsmittel- oder Arzneimitteleinfluss stehen oder aus anderen Gründen nicht über die erforderliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügen, gelten während dieser Zeit als fahrunfähig und dürfen folglich kein Fahrzeug führen (Art. 31 Abs. 2 Strassenverkehrsgesetz SVG.)

Hersteller raten davon ab, nach dem CBD-Konsum ein Fahrzeug zu führen.

Olivia Solari, AGVS

Obwohl CBD (Cannabidiol) kein Betäubungsmittel im Sinne des Gesetzes ist, kann der Konsum zu einer Einschränkung der körperlichen und/oder geistigen Leistungsfähigkeit führen. Gemäss der deutschen Verbraucherzentrale treten bei jedem zehnten Konsumenten Schläfrigkeit und Benommenheit auf. Unter anderem aus diesem Grund raten die meisten Hersteller explizit davon ab, nach dem Konsum ein Fahrzeug zu führen.

Selbst wenn ein Drogenschnelltest nicht anschlägt, könnte die Polizei bei Zweifeln an deiner Fahrfähigkeit die entsprechenden Anzeichen (Schläfrigkeit, verzögerte Reaktion etc.) bei der Staatsanwaltschaft rapportieren. Erhärtet sich der Verdacht, so droht der Entzug des Führerscheins und eine Geld- oder in schweren Fällen auch eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren (Art. 16c Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG und Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG).

Nun zu deiner Frage: Ohne jegliche Anzeichen von Fahrunfähigkeit kann die Polizei nur eine Atemalkoholprobe durchführen (Art. 55 Abs. 1 SVG). Dieser Messung muss sich folglich jeder unterziehen, wenn es die Polizei verlangt.

Drogenschnelltests dürfen hingegen nur durchgeführt werden, wenn die betroffene Person Anzeichen von Fahrunfähigkeit aufweist, die nicht auf Alkohol zurückzuführen sind (Art. 55 Abs. 2 SVG). Die Rechtsprechung erachtet hierbei aber schon sehr geringe Anzeichen als ausreichend für einen Test. Das können beispielsweise ein blasser Teint oder wässrige Augen sein. Unzulässig sind solche Vortests gemäss Bundesgericht, wenn sie ohne Anzeichen von aktueller Fahrunfähigkeit durchgeführt werden, etwa weil die betroffene Person bloss in der Vergangenheit als Betäubungsmittelkonsument aufgefallen ist.

Ein blasser Teint oder wässrige Augen reichen als Anzeichen von Fahrunfähigkeit.

Olivia Solari, AGVS

Bei einem positiven Drogenschnelltest oder bei sonstigen Anzeichen auf Fahrunfähigkeit, die nicht auf Alkohol zurückzuführen sind, wird eine Blutprobe durchgeführt (Art. 55 Abs. 3 SVG). Im Gegensatz zu Drogenschnelltests darf die Blutentnahme nur auf Anordnung der zuständigen Staatsanwaltschaft durchgeführt werden (vgl. Art. 241 Abs. 1 i.V.m. Art. 198 Abs. 1 lit. a Strafprozessordnung (StPO).

Streitgespräche mit den Beamten lohnen sich in den allermeisten Fällen nicht. Und spätestens, wenn die Staatsanwaltschaft eine Blutabnahme anordnet, bringt man sich mit unkooperativem Verhalten bloss in Schwierigkeiten. Wer sich einer Atemalkoholprobe, einem berechtigten Vortest bzw. Drogenschnelltest oder einer rechtmässig angeordneten Blutprobe verweigert, kann auf der Grundlage von Art. 91a Abs. 1 SVG mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden. Zudem droht ein Führerscheinentzug von mindestens drei Monaten (Art. 16c Abs. 1 lit. d i.V.m. Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG)

Wie immer empfehle ich daher bei Strassenverkehrskontrollen ein ruhiges und kooperatives Verhalten. Sofern du fahrfähig bist und dich normal verhältst, werden dich die Beamten meist kaum näher beäugen.

Gute Fahrt!

Sende deine Frage(n) einfach per Mail an autoratgeber@20minuten.ch. Die interessantesten und aktuellsten Fragen und natürlich die Antworten publizieren wir jeden Mittwoch unter dem Vornamen des oder der Fragenden hier im Lifestyle-Channel von 20 Minuten.

Der AGVS

Der AGVS ist der Verband der Schweizer Garagisten. 4000 Betriebe mit 39'000 Mitarbeitenden (darunter 9000 Nachwuchskräfte in Aus- und Weiterbildung) sorgen dafür, dass wir sicher, zuverlässig und energieeffizient unterwegs sind. Und dieses Expertenteam sorgt für Durchblick: Markus Aegerter (Handel und Dienstleistungen), Olivier Maeder (Bildung), Markus Peter (Technik und Umwelt) und AGVS-Juristin Olivia Solari (Recht).

Deine Meinung

219 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

wie bei autos

01.04.2021, 11:23

Wichtig ist, dass der Rauch nicht so stinkt wie bei einem Verbrenner

Hautsache

01.04.2021, 11:15

Hauptsache kein Verbrenner

CBD im April

01.04.2021, 10:09

" Ich rauche CBD – darf ich eine Blutprobe verweigern?"; Klar doch. Besonders am 1. April ...