Aktualisiert 08.12.2011 16:08

Torjäger Alex Frei

«Ich renne darum nicht halbnackt durch die Stadt»

Am Tag danach beginnt Torjäger Alex Frei die Tragweite des unglaublichen FCB-Erfolgs zu realisieren. Ein Lob von ManU-Trainer Sir Alex Ferguson lässt ihn jedoch nicht «ausbüxen».

von
Eva Tedesco

Alex Frei spricht über das Wunder gegen Manchester und Weihnachtsgeschenke an die Fans (Video: 20 Minuten Online)

Alex Frei, haben Sie inzwischen fassen können, welche Sensation der FCB geschafft hat?

Langsam fängt man an zu realisieren, was da am Mittwochabend passiert ist und was wir da als Mannschaft Grosses geleistet haben. Ich glaube, wir haben etwas geschafft, wonach die Fussball-Schweiz schon lange Hunger hatte – einen Schritt mehr, als nur sechs Spiele in der Champions League. Man darf sagen, dass wir als Verein allen Fans ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk beschert haben. Und man darf auch sagen, dass eine Mannschaft, die gegen Manchester United in zwei Spielen fünf Tore macht, das Weiterkommen in der Champions League verdient hat. Ich dachte nicht, dass uns Manchester nach dem 3:3 im Hinspiel noch einmal unterschätzen wird. Ich kann nicht sagen, ob sie uns wirklich noch einmal unterschätzt haben oder ob wir so saugut gespielt haben. Ich hoffe auf das Zweite.

Trainer Heiko Vogel sagt, dass er nach Ihrem 2:0 nicht mehr am Sieg gezweifelt hat. Sind Sie nach dem Anschlusstreffer der Engländer nervös geworden?

Nervös nicht, aber angespannt. Denn man weiss, dass eine Mannschaft wie ManU erst aufgibt, wenn der Ref das Spiel abpfeift. Aber man hat schon gesehen, dass sie nicht zu ihrer Kreativität gefunden haben und den Schalter nicht mehr umlegen konnten.

Welche Gedanken sind Ihnen vom gestrigen Abend hängen geblieben?

Dass man ins Achtelfinale weitergekommen ist. Das Stadion in Ekstase und die 36 000 Menschen, die sich mit der Mannschaft gefreut haben. Das hat mich mit Stolz erfüllt. Aber man darf auch nicht vergessen, dass Nemanja Vidic wahrscheinlich seinen zweiten Kreuzbandriss erlitten hat. Das ist sehr bitter und zeigt einmal mehr, wie nahe Glück und Unglück beieinander liegen. Denn ein Kreuzbandriss ist eine ganz schlimme Verletzung und ich wünsche ihm auf diesem Weg gute Besserung.

Drei der von Ihnen erwähnten fünf Tore gegen die Red Devils haben Sie geschossen. Dafür gab es für Sie sogar Lob von Startrainer Sir Alex Ferguson – einem der ganz Grossen seiner Zunft. Was sagen Sie dazu?

(Lacht.) Zumindest hat er mich nicht mehr mit «Chappi» (Stéphane Chapuisat, Anm. d. Red.) verwechselt – was kein so schlechtes Zeichen ist ... Man nimmt es zur Kenntnis, aber es ist nicht so, dass ich deswegen halbnackt durch die Stadt renne und juble. Aber es ist natürlich schön.

Welche Situation, welches Erlebnis, ist Ihnen in den wenigen Stunden am besten in Erinnerung geblieben?

Dass sich wildfremde Menschen in den Armen gelegen sind und sich miteinander gefreut haben. Das zeigt mir, welche Emotionen Fussball wecken kann – das ist schön.

Am 16. Dezember ist die Auslosung für die Achtelfinals in Nyon. Haben Sie einen Wunschgegner?

Einen französischen Gegner können wir nicht erwischen, aber ein grosses spanisches Stadion wäre sehr schön.

Sie könnten sich auch einen grossen persönlichen Wunsch erfüllen – im Camp Nou zu spielen. Zudem bietet sich die Chance Ihr Torekonto weiter auszubauen. Mit fünf Toren in fünf Spielen wecken auch Sie Begehrlichkeiten ...

... Ah, schön, dass auch ältere Spieler interessant sein können. Das ist kein Thema. Besser gesagt, das kann man ausschliessen. Ich kann alle beruhigen, ich plane keinen Transfer und es ist auch keiner vorgesehen. Ich will hier keine Floskeln bemühen und irgendetwas sagen von «nie, nie». Im Fussball kann man nichts ausschliessen. Es geht mir gut in Basel, ich spiele in einem tollen Team und habe einen tollen Trainer.

A propos Trainer: Wie beurteilen Sie die Arbeit von Heiko Vogel?

(«Sag was Gutes oder schweig», raunzt ihm Vogel zu, der neben Frei sitzt.) Für meine Trainerkarriere nehme ich das Positive heraus. Das ist nicht nur, dass die Resultate stimmen, sondern auch sein Verdienst, dass die Mannschaft so zusammengewachsen ist. Es beschwert sich keiner, egal wie oft oder wie wenig er spielt, jeder trägt seinen Teil zum Erfolg bei. (Lacht wieder.) Amen.

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