Aktualisiert 07.12.2010 06:23

K.-o.-Tropfen-Opfer

«Ich rief vergeblich um Hilfe»

Die 34-jährige Stefanie wollte in einen Club beim Albisriederplatz in Zürich tanzen gehen. Doch die Party endete für sie bös – und niemand half ihr.

von
Roman Hodel
Vor diesem Geschäft sackte Stefanie zusammen. (Foto: rom)

Vor diesem Geschäft sackte Stefanie zusammen. (Foto: rom)

Nach einem Essen mit einer Freundin hat Stefanie* am letzten Freitag noch Lust auf Tanzen. Die 34-Jährige geht «ausnahmsweise allein» in einen Club beim Albisriederplatz. Dort kommt sie mit zwei Männern ins Gespräch, bestellt einen Wodka. Austrinken wird sie ihn nicht, denn plötzlich ist ihr unwohl. «Es wurde immer schlimmer, ich wollte nur noch raus.» Stefanie torkelt nach draussen. In einer Seitenstrasse muss sie erbrechen und sackt zu Boden. Das Thermometer zeigt minus fünf Grad. «Ich rief vergebens um Hilfe.» Von den Passanten kümmert sich niemand um sie. Mit letzter Kraft wählt Stefanie den Polizeinotruf. Von da an weiss die 34-Jährige nicht mehr viel. Die Nacht verbringt Stefanie im Spital. Im Blut hat sie bloss 0,8 Promille Alkohol – Verdacht auf K.-o.-Tropfen respektive GHB/GBL.

«Das Problem ist, dass GHB/GBL nur während vier bis sechs Stunden im Körper nachgewiesen werden kann», so Tina Schmitter von der Szeneorganisation Eve & Rave. Zwar sei an Partys weniger GBL im Umlauf als auch schon. «Doch es gibt leider immer noch Leute, die es lustig finden, jemandem diese Substanz heimlich ins Getränk zu schütten.» Schmitter rät Partygängerinnen deshalb, ihren Drink nie aus den Augen zu lassen. Ob die beiden Männer im Club hinter der fiesen Attacke stecken, ist unklar. Körperlich bleibt Stefanie unversehrt, psychisch macht ihr der Vorfall aber zu schaffen: «Mich beschäftigt vor allem, dass mir niemand geholfen hat.»

*Name geändert

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