Herisau AR: «Ich riskiere hier jeden Tag mein Leben, wenn ich aus der Tür trete»
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Herisau AR«Ich riskiere hier jeden Tag mein Leben, wenn ich aus der Tür trete»

Anwohner der Huebstrasse in Herisau sind sauer: Immer wieder komme es zu brenzligen Situationen. Erst kürzlich wurde ein Kind angefahren. Sie fordern deshalb eine Temporeduktion.

von
Leo Butie
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An der Huebstrasse in Herisau kommt es laut Anwohnern immer wieder zu brenzligen Situationen.

An der Huebstrasse in Herisau kommt es laut Anwohnern immer wieder zu brenzligen Situationen.

Foto: Facebook
Am 1. September 2020 wurde an der Strasse ein sechsjähriger Bub leicht verletzt, als er von einem Auto touchiert wurde. 

Am 1. September 2020 wurde an der Strasse ein sechsjähriger Bub leicht verletzt, als er von einem Auto touchiert wurde.

Foto: Facebook
Anfang Juli kam es zu einem weiteren Unfall, als ein Mann mit seinem Roller stürzte.

Anfang Juli kam es zu einem weiteren Unfall, als ein Mann mit seinem Roller stürzte.

Foto: Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden

Darum gehts

  • An der Huebstrasse kommt es laut Anwohnern immer wieder zu brenzligen Situationen.
  • Autos fahren in einem hohen Tempo durch die Strasse und verwenden diese auch als Abkürzung.
  • Anwohner fordern deshalb eine tiefere Geschwindigkeitsbegrenzung.
  • Eine Interessengemeinschaft trifft sich nun zu Gesprächen mit dem Kanton.
  • Es besteht ein Projekt zum Ausbauen der Strasse, dieses ist wegen Streitigkeiten bei der Zonenplanung momentan auf Eis gelegt.

Die Huebstrasse zwischen Herisau AR und Schachen gilt bei Anwohnern als gefährliche Strasse. Immer wieder komme es hier zu brenzligen Situationen oder gar zu Unfällen. Kürzlich kam es zu einem Verkehrsunfall, bei dem ein sechsjähriger Bub verletzt wurde. Für Anwohner war dies nur eine Frage der Zeit. «Es ist furchtbar. Die Autofahrer geben Gas wie verrückt», sagt ein Anwohner gegenüber «20 Minuten». Auch auf Facebook machen einige Herisauer ihrem Ärger Luft. «Wie viele Kinder müssen noch angefahren werden, bis sich etwas ändert?», heisst es etwa. Eine andere Herisauerin schreibt: «Ich riskiere hier gefühlt jeden Tag mein Leben, wenn ich aus der Haustür trete.» Die User sind sich einig: Es muss eine Lösung her.

Bei der Strasse gilt aktuell Tempo 50, obwohl es sehr eng und unübersichtlich sei. «Es wird hier sehr schnell gefahren», bestätigt eine weitere Anwohnerin. «Mein Mann und ich hatten auch schon Glück, dass nichts passiert ist», erzählt sie weiter. Da man auf einer Strassenseite Autos parkieren dürfe, werde die Strasse zusätzlich verengt. Ein Trottoir gibt es nicht. Die Strasse wird gemäss Anwohnern gerne auch als Abkürzung nach Degersheim SG missbraucht.

Bei der Polizei ist die Strasse nicht als speziell gefährlich bekannt. «In diesem Jahr wurden mehrfach Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt, sogar eine semistationäre Messanlage stand über zwei Wochen an der Huebstrasse. Zu einer Verzeigung kam es nicht», sagt Marcel Wehrlin, Mediensprecher der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden.

Es stehen Gespräche mit dem Kanton an

Um den Verkehr zu beruhigen, fordern viele Anwohner nun eine Geschwindigkeitsbegrenzung. «Ich wäre sehr froh, wenn es hier eine 30er-Zone geben würde», wünscht sich ein Anwohner. Da es schon länger ein Anliegen der Anwohner ist, kommt es nun zu Gesprächen zwischen einer Interessengemeinschaft und dem Kanton.

«Der Ball liegt nun beim Kanton, den Verkehr zu beruhigen», sagt ein Mitglied dieser Gruppe. Sie möchte ihre Anliegen dem Kanton präsentieren und Hotspots aufzeigen. Der Kanton solle basierend darauf verkehrsberuhigende Massnahmen in die Sanierung der Strasse miteinfliessen lassen.

Dem Kanton sind die Hände gebunden

Es bestehe beim Kanton bereits ein Projekt, die Huebstrasse auszubauen und ein Trottoir hinzuzufügen, sagt Urban Keller, Leiter des Tiefbaumtes des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Doch ihnen seien momentan die Hände gebunden. Der Grund liegt bei einer Abstimmung aus dem Jahr 2013. Die Herisauer Bevölkerung hatte sich damals gegen eine Ortsplanrevision ausgesprochen. Somit sei es momentan nicht möglich, ein Projekt an der Huebstrasse durchzuführen. «Ein grösseres Problem sind die Autos, die an der Huebstrasse parkiert werden», sagt Keller. So nehmen sich die Anwohner gegenseitig die Sicht weg.

Eine 30er-Zone ist nicht ausgeschlossen, aber müsste zwischen der Gemeinde Herisau und dem Kanton bestimmt werden. «Man müsste flächig eine 30er-Zone einführen, ansonsten könnte man in den Nebenstrassen wieder auf 50 beschleunigen», erklärt Keller. Deshalb sei eine gemeinsame Lösung anzustreben, wobei sowohl die Gemeinde als auch das Tiefbauamt und die Kantonspolizei
miteinbezogen werden.

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