Erotische Chats: «Ich sammle Sexting-Fotos von Frauen in einer App»

Aktualisiert

Erotische Chats«Ich sammle Sexting-Fotos von Frauen in einer App»

43 Prozent der 18- bis 20-Jährigen nutzen Snapchat für Sexting. T.K. (16) und B.B. (22) zeigen ihren Chatverlauf – und sagen, warum sie erotische Nachrichten verschicken.

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wsa
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Sexting ist beliebt wie nie: Laut einer globalen Studie des Kinsey Instituts der Indiana University haben 70 Prozent schon erotische Nachrichten oder Fotos verschickt. (Symbolbild)

Sexting ist beliebt wie nie: Laut einer globalen Studie des Kinsey Instituts der Indiana University haben 70 Prozent schon erotische Nachrichten oder Fotos verschickt. (Symbolbild)

Pro Juventute/Digitalbs
Solche Dialoge hat B.B. (22) auf Whatsapp oder Snapchat.

Solche Dialoge hat B.B. (22) auf Whatsapp oder Snapchat.

zvg
L.W.* (18) sagt: «Ich habe noch nie in meinem Leben ein Nacktbild verschickt. Ich finde das nicht cool. Auch wenn Männer solche Sachen machen, ist das nur dumm.» Sexting sei unnötig. Wenn man sich vergnügen wolle,  solle man das machen, wenn man zusammen sei. «Ich verstehe diese Menschen, die das machen nicht ganz», sagt die Winterthurerin. Das müsse aber jeder selbst entscheiden.

L.W.* (18) sagt: «Ich habe noch nie in meinem Leben ein Nacktbild verschickt. Ich finde das nicht cool. Auch wenn Männer solche Sachen machen, ist das nur dumm.» Sexting sei unnötig. Wenn man sich vergnügen wolle, solle man das machen, wenn man zusammen sei. «Ich verstehe diese Menschen, die das machen nicht ganz», sagt die Winterthurerin. Das müsse aber jeder selbst entscheiden.

Fabian Sommer

Sexting ist so beliebt wie noch nie: Laut einer globalen Studie des Kinsey Instituts der Indiana University haben 70 Prozent schon erotische Nachrichten oder Fotos verschickt. Snapchat ist bei Jüngeren immer noch die Sexting-App Nummer 1: 43 Prozent der 18- bis 20-Jährigen nutzen sie laut der Umfrage zum Sexten.

Wie die Chats konkret ablaufen, zeigen Beispiele von Chats aus der Schweiz. Es fallen Sätze wie: «Dein Körper ist mein Tempel», «Mhh geil, du am Schreibtisch, ich will darunter kriechen» oder «Sonntag wird geil, Ich fresse dich auf» (siehe Screenshots in der Bildstrecke). Die Chats stammen unter anderem vom 22-jährigen B.B.* aus Zürich und dem 16-jährigen T.K.* aus Winterthur.

Mit wie vielen Frauen machst du Sexting?

B.B.*: Ich habe ehrlich gesagt den Überblick verloren.

T.K.*: Ich habe bis jetzt mit drei Frauen gesextet.

Warum verschickst du Bilder und warum schreibst du erotische Nachrichten?

B.B.: Es geht um das Ausleben von erotischen Fantasien, es ist ein Kontrast zum tristen Alltag. Wenn sie es will, dann hole ich mir auch einen runter und sie kann sich auch entsprechend befriedigen. So können wir körperliche Nähe auch anders ausdrücken. Es gibt durchaus Frauen, die es mögen, wenn man Dirty Talk macht. Zumindest ist das meine Erkenntnis.

T.K.: Wenn ich jemanden gernhabe und mich nach körperlicher Nähe sehne, dann betreibe ich Sexting. Es ist eine gute Methode, sich trotzdem zu befriedigen, obwohl man nur chattet. Klar muss es im Interesse beider sein. Sinn macht es, wenn ein Paar nicht zusammen sein kann wegen der Distanz oder weil sie keine Zeit haben, sich zu sehen. Sie können sich trotzdem via Chat befriedigen.

Welche Kanäle verwendest du und warum?

T.K.: Ich mache Sexting nur über Snapchat. Whatsapp ist zu unsicher. Ich fühle mich viel sicherer auf Snap, da alles gelöscht wird.

Deine Chatpartnerin schrieb, du dürfest erst aufstehen, wenn sie dich oral befriedigt habe. Findest du solche Nachrichten nicht gruusig?

B.B.: Es gibt Menschen, die stehen auf Dirty Talk im Chat, und es gibt Menschen, die es nicht mögen. Es kommt immer darauf an, welcher Typ man ist. Ich schreibe solche Dinge nicht jeder Person.

Wann hast du damit angefangen? Wussten es deine Eltern?

T.K.: Ich habe vor drei Jahren mit Sexting angefangen. Üblicherweise haben wir anfänglich normal geschrieben. Es hat sich dann aber immer weiterentwickelt. Mit Komplimenten und Vertrauen konnte ich den Zugang finden und wir sind nach einer Zeit so weit gewesen, dass wir auch Sexting betrieben haben. Meine Eltern wissen natürlich nichts.

B.B.: Meine Eltern wissen nichts davon. Das wäre eine sehr intime Information. Mein erstes Bild habe ich mit 17 erhalten. Dann habe ich mir das irgendwie zur Challenge gemacht. Ich habe ein kleines Album auf dem Handy in einer gesicherten App versteckt, wo alle Bilder, die mir geschickt worden sind, zu finden sind.

Ein Sexologe sagt, Frauen können mit einem Bild des besten Stücks oft nichts anfangen. Warum verschickst du trotzdem Penis-Bilder?

B.B.: Die Ästhetik meines besten Stückes kommt bei den Frauen sehr gut an, meistens wollen sie mich unmittelbar danach treffen.

T.K.: Ich schicke keine Nacktbilder. Vielleicht mal ein Bild, das ein wenig freizügiger ist. Frauen können wenig damit anfangen. Das liegt daran, dass Frauen nicht von einem Bild geil werden, sondern mehr als ein Bild brauchen: körperliche Nähe oder Berührung. Ein Bild kommt da nicht gleich an. Bei Männern ist das ein wenig anders, Männer können auch nur bei einem kleinen Bildausschnitt geil werden.

Schicken dir Frauen auch Bilder und was hältst du davon?

B.B.: Es ist ein Geben und Nehmen. Wenn ich ein Bild schicke, dann schickt sie auch eins und umgekehrt. Es muss jedoch nicht immer sein, dass man Bilder verschickt. Wie gesagt, manche Leute stehen auch nur auf Dirty Talk.

T.K.: Ja, mir schicken Frauen Bilder. Es gefällt mir. Die Bilder, die ich bekomme, sind von Frauen, die ich schon vorher kennengelernt habe und mit denen ich auch schon ein Gespräch geführt habe. Würde mir diese Frau vom Charakter her und auch körperlich nicht so gefallen oder es würde nicht passen, dann käme es auch nie zu Sexting.

Was ist der Reiz am Sexting? Ist es der Kick, dass die Sache in falsche Hände gelangen könnte?

B.B.: Der Reiz am Sexting ist, Bestätigung von den Frauen zu bekommen. Auch ist es reinstes Vergnügen. Es ist eine gute Möglichkeit, dem Alltag zu entkommen und sich zu befriedigen, auch wenn die Person nicht direkt bei einem ist.

Immer wieder kommt es vor, dass plötzlich die ganze Klasse Nacktbilder kennt, weil sie weitergeschickt werden – Stichwort Racheporno. Hast du davor keine Angst?

T.K.: Ich würde ein komplettes Nacktbild nur schicken, wenn ich dieser Person voll vertrauen könnte. Ich würde nur ein Close-up schicken, da dies sicherer ist, und ich würde es auf einem sicheren Portal machen.

* Namen der Redaktion bekannt

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