Loveparade-Tragödie: «Ich schäm mich, eine Duisburgerin zu sein!»
Aktualisiert

Loveparade-Tragödie«Ich schäm mich, eine Duisburgerin zu sein!»

Fünf Tage nach der Katastrophe haben die Duisburger ihrem Ärger über die Verantwortlichen mit einer Demonstration in der Innenstadt Luft verschafft.

von
Bianca Belouanas
AP
Die Demonstranten gaben ihrer Wut auf die Verantwortlichen Ausdruck.

Die Demonstranten gaben ihrer Wut auf die Verantwortlichen Ausdruck.

«Sauerland, Sie tragen die Verantwortung», ruft Timo Tasche, einer der Redner, mit seinem Megafon den rund 250 Demonstranten vor dem Rathaus. Gleich zu Beginn der Demonstration gegen 10.00 Uhr fordert er den Rücktritt des Stadtoberhaupts, Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), und erntet von den Zuhörern viel Applaus. Es dürfe keine heuchlerischen Entschuldigungen» mehr geben, vielmehr seien Antworten auf die Frage nach dem Warum nötig.

Weitere Teilnehmer prangern vor der aufgebrachten Menge an, der Oberbürgermeister verstecke sich feige. Sie fordern, dass die Stadt endlich die Verantwortung übernimmt» und die Schuldigen Farbe bekennen».

«Einfach nur der blanke Horror»

Unter den Demonstranten ist auch die 24-jährige Duisburgerin Katharina. Auf der Rückseite ihres weissen T-Shirts steht: «Ich schäme mich, eine Duisburgerin zu sein!». Sie sagt: «Wir fordern, dass diejenigen, die die Schuld tragen, das auch endlich vor den Angehörigen der Opfer eingestehen.» Zum Zeitpunkt der Massenpanik im Tunnel an der Karl-Lehr-Strasse habe sie am Samstag selbst in der Menge gesteckt. Meine Schwester und ich sind heil rausgekommen, aber einer unserer Freunde hat fünf gebrochene Rippen davongetragen, und ein weiterer liegt wegen seiner schweren Verletzungen noch im künstlichen Koma», berichtet Katharina, die zur Verstärkung ihre 20 Kollegen, allesamt angehende Altenpfleger, mitgebracht hat.

Stimmung drohte zu kippen

Einige betrachten die Demonstration auch kritisch. «Den OB jetzt mit Gewalt aus dem Amt zu jagen und ihn und seine Familie mit dem Tod zu bedrohen, ist doch auch keine Lösung!», meint ein 51-jähriger Kaufmann aus Duisburg. Er fordert eine gründliche Untersuchung, mahnt aber auch zu Umsicht und Fairness.

Währenddessen ergreifen immer neue Redner das Wort, schimpfen auf Veranstalter Rainer Schaller, die Polizei und den Oberbürgermeister. Die heizen sie Sprechchöre wie «Sauerland raus!» an. Gemässigte Stimmen will keiner der Demonstranten hören. Als einer die Polizei in Schutz nehmen will, droht die Stimmung zu kippen. Organisator Markus Schröder zieht die Notbremse und fordert die Teilnehmer auf, friedlich rund 500 Meter weiter zum Life-Save-Brunnen in der Fussgängerzone zu wandern. Für wenige Minuten bringt der Protestmarsch den Autoverkehr auf der Poststrasse zum Erliegen.

Die Leute sind emotional geladen, man kann das verstehen», erklärt der 40-jährige Schröder, der die Demonstration unter dem Motto «Aufklärung und Verantwortungsübernahme der Zuständigen» organisiert hat, bevor er die Veranstaltung gegen 11.15 Uhr auflöst.

Während der Demonstration in der Innenstadt hat das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen den Todestunnel zwischen 09.00 und 11.00 Uhr kurzfristig auch für Fussgänger gesperrt. «Die Kollegen haben dort eine Vermessung des Unglücksortes mit Laserstrahlen vorgenommen», erklärt Polizeihauptkommissar Jürgen Kiskemper.

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