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Doktor Sex«Ich schäme mich, mit ihm über Sex zu reden!»

Immer wenn Sonja versucht, ihrem Freund die eigenen sexuellen Bedürfnisse verständlich zu machen, beginnt sie zu stottern und redet wirres Zeug. Wie kann sie die richtigen Worte finden?

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Rückzug aufgrund von Scham und Unsicherheit ist keine Lösung. (Symbolbild: Colourbox.com, Sandro di Carlo Darsa)

Rückzug aufgrund von Scham und Unsicherheit ist keine Lösung. (Symbolbild: Colourbox.com, Sandro di Carlo Darsa)

Frage von Sonja (17) an Doktor Sex: Ich habe Mühe, mit meinem Freund über unser Sexualleben zu reden. Immer wenn ich versuche, ihm meine Bedürfnisse verständlich zu machen, beginne ich zu stottern und rede wirres Zeug. Am Schluss ziehe ich mich beschämt zurück. Langsam wird das Ganze zu einem Beziehungsproblem. Wie kann ich Worte für das finden, was ich sagen möchte?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Sonja

Dass dir die notwendigen Worte zur Verfügung stehen, daran zweifle ich keinen Augenblick. Es sind nämlich weitgehend dieselben, die du verwendest, wenn du mit Freundinnen und Kollegen über Sex und Erotik redest. Was dir fehlt, so denke ich, ist der entspannte Umgang damit in der Beziehung. Und das ist verständlich, denn was im Freundeskreis belangloses Geschwätz über die sogenannt schönste Nebensache der Welt ist, wird in der Begegnung mit dem geliebten Menschen oft bedeutungsvoll und damit entsprechend schwieriger zu handhaben. Erst recht dann, wenn man sich noch nicht so gut kennt, wie dies bei euch der Fall zu sein scheint.

Lass dich von der Verunsicherung nicht zu sehr aus dem Gleichgewicht bringen. Vergiss nicht: Wir sind alle Lernende – in allen Lebensaltern. Wichtig scheint mir, dass du dir bewusst wirst, was deine Ansprüche an dich selbst sind. Am einfachsten geht das, indem du dir klarmachst, wie du dir den Idealfall eines solchen Gesprächs über Sex in einer Beziehung denkst. Du wirst schnell merken, dass es deine Ideen und Vorstellungen sind, an denen du in deinem Alltag scheiterst. Und dass es der Vergleich zwischen diesen und der erlebten Realität ist, der dich beschämt und leiden macht. Vielleicht hilft dir diese Erkenntnis, etwas geduldiger mit dir selber zu sein. Ideale können im besten Fall eine Orientierungshilfe sein, realisierbar aber sind sie nicht.

Zudem solltest du dich unbedingt deinem Freund anvertrauen. Erzähl ihm ganz offen und ehrlich von deinen Schwierigkeiten, die du im Gespräch mit ihm über eure Sexualität erlebst. Frag ihn aber auch, wie es ihm dabei geht, seine sexuellen Wünsche und Bedürfnisse dir gegenüber zu äussern oder Dinge anzusprechen, die ihm unangenehm oder gar peinlich sind. Ich bin sicher, dass er genauso wie du auch Hemmungen hat und dass auch er oft hinter seinen Erwartungen zurückbleibt. Diese Klärung wird einiges leichter machen und neue Voraussetzungen schaffen, um entspannter miteinander ins Gespräch zu kommen. Ihr habt Zeit.

Was du nicht vergessen darfst, ist, dass Sexualität für jeden Menschen etwas sehr Individuelles ist. Auch wenn die mediale Berichterstattung immer wieder suggeriert, dass es so etwas wie «richtig» und «falsch» gibt: Letztlich muss jeder und jede für sich selber herausfinden, welches die eigenen diesbezüglichen Werte und Haltungen sind, wie er oder sie darüber denken und damit umgehen will. Und dieses ganz persönliche «Sexprofil» gilt es dann im Zusammenleben und in der Auseinandersetzung mit einem Partner oder einer Partnerin auf seine Anschlussfähigkeit an diese ganz bestimmte Beziehungsrealität zu prüfen und – wenn notwendig und gewünscht – dieser anzupassen.

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