Aktualisiert 28.03.2014 09:23

Doktor Sex

«Ich schaue Pornos – bin ich nicht normal?»

Jugendliche holen sich vermehrt Rat zum Umgang mit Pornos. Welche Fragen stellen sie? Und was beschäftigt die Eltern zum Thema? Eine Auswahl, zusammengestellt von Doktor Sex.

Ist ein solches Bild «nur» gezeigte Sexualität oder schon Pornografie? Über diese Frage scheiden sich die Geister. (Symbolbild: Colourbox, Dmitriy Raykin)

Ist ein solches Bild «nur» gezeigte Sexualität oder schon Pornografie? Über diese Frage scheiden sich die Geister. (Symbolbild: Colourbox, Dmitriy Raykin)

Frage von Tim (14) an Doktor Sex: Aus Neugier und auch bei der Selbstbefriedigung schaue ich manchmal Pornos. Bin ich nicht normal?

Lieber Tim

Andere Buben in deinem Alter schauen ebenfalls Pornos. Als Begründung dafür geben sie Neugier, Spass oder Lust an. Aber auch das Bedürfnis nach Informationen über Sex, die sie sonst nirgends erhalten. Natürlich ist auch der Wunsch nach Bildern für die Selbstbefriedigung ein Motiv. Auffallend: Mädchen haben ein geringeres Interesse an Pornos als Buben.

Pornofilme zielen darauf ab, den Betrachter zu erregen. Sie tun dies, indem sie gesellschaftliche Konventionen und Beziehungsaspekte ausblenden und vorgeben, Sex sei jederzeit, überall und mit jeder Person sofort möglich und von allen Beteiligten erwünscht. Oft werden Frauen und Männer als kopflose und triebgesteuerte Sexroboter dargestellt. Auch ihre Geschlechtsorgane sind häufig aussergewöhnlich.

Wichtig deshalb, dass du die pornografischen Bilder nicht mit dem sexuellen Alltag in einer Beziehung verwechselst und glaubst, dich beim ersten Mal verhalten zu müssen wie ein Pornostar. Sex in der Realität orientiert sich an den Wünschen und Bedürfnissen der beteiligten Personen und ist vielfältiger als derjenige, der in Pornos gezeigt wird. Unbedingt aufpassen musst du, wenn du im Netz auf harte Pornografie stösst, denn damit kannst du dich strafbar machen. Wann von harter Pornografie gesprochen wird und welche Gesetze im Umgang damit gelten, erfährst du in der nächsten Frage.

Fakten zum Pornokonsum von Jugendlichen:

Frage von Juri (17) an Doktor Sex: In letzter Zeit schaue ich manchmal Pornoseiten im Internet an. Mache ich mich damit strafbar?

Lieber Juri

Allein durch das Anschauen von Pornos im Internet kannst du dich nicht strafbar machen. Jedoch ist es verboten, einer Person unter 16 Jahren pornografisches Material anzubieten, zu zeigen, zu überlassen oder zugänglich zu machen. Du solltest deshalb Jugendlichen im Schutzalter keine solchen Bilder zeigen. Und ihnen auch nicht selbst gebrannte DVDs verteilen oder Internet-Links versenden. Sonst kannst du echte Probleme kriegen!

Für sogenannt harte Pornografie – darunter fallen sexuelle Handlungen mit Kindern oder mit Tieren, menschlichen Ausscheidungen oder Gewalttätigkeiten – gelten besondere Regeln. Diese darf nicht hergestellt, eingeführt, gelagert, in Verkehr gebracht, angepriesen, ausgestellt, angeboten, gezeigt, jemandem überlassen oder zugänglich gemacht werden. Wer also harte Pornografie aus dem Internet herunterlädt und auf der Festplatte speichert, macht sich strafbar. Auch der absichtsgeleitete Konsum solcher Bilder ist strafbar.

Solltest du mit Darstellungen in Kontakt kommen, die dich verunsichern oder die dir Angst machen, rate ich dir zu einem Gespräch mit deinen Eltern oder einer anderen erwachsenen Person. Du kannst dir aber auch im Internet oder auf einer Fachstelle in deiner Nähe Unterstützung holen.

Weitere Infos im Netz:

Frage von Lisa (32) an Doktor Sex: Ich habe festgestellt, dass unser 14-jähriger Sohn im Internet auf Pornoseiten war. Wie kann ich verhindern, dass er weiterhin solche Seiten besucht?

Liebe Lisa

Kinder vor der Pubertät müssen so gut wie möglich vor pornografischen Darstellungen geschützt werden, denn bei Ihnen ist die Möglichkeit, durch solche Bilder und Filme psychisch belastet zu werden, am grössten. Daher ist für sie ein unbeaufsichtigter Zugang zum Internet – auch über das Smartphone – tabu. Ab einem gewissen Alter ist ein solches Verbot aber nicht mehr haltbar. Und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie als Jugendliche in irgendeiner Form mit pornografischen Darstellungen in Kontakt kommen. Sie davor zu schützen ist unmöglich.

Für die meisten Jugendlichen ist Pornografie ein Weg, um sich Informationen über Sexualität zu holen, die sie zu Hause oder in der Schule nicht kriegen. Handelt es sich bei den Darstellungen einfach um gezeigte Sexualität zwischen zwei Menschen, ist das für die Mehrheit nicht problematisch. Schwierig kann es dann werden, wenn sie auf überfordernde Bilder stossen. Zum Beispiel in Form von harter Pornografie wie sexuelle Handlungen mit Tieren, Gewaltdarstellungen und Kinderpornografie.

Wichtiger als der Versuch, mit Filtern und Verboten deinen Sohn von gezeigter Sexualität fernzuhalten, sind Gesprächsangebote. Und dass du ihn wissen lässt, dass er jederzeit auf dich oder deinen Mann zukommen kann, wenn ihm Bilder oder Filme Angst machen oder er diese nicht verarbeiten kann.

Über den nachfolgenden Link findest du Informationen zur Förderung der Medienkompetenz von Jugendlichen.

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