Aktualisiert 30.07.2013 14:27

Zugunglück in der Waadt

«Ich schaute sofort nach dem Baby»

Reisende des verunfallten Unglückszugs berichten über dramatische Szenen nach der Kollision. Viele werden lange brauchen, um das Gesehene zu verarbeiten.

von
bro/lüs

Ein junger Mann, der im Zug nach Lausanne sass, sagte gegenüber «20 minutes», der welschen Ausgabe von «20 Minuten»: «Nachdem der Zug aus dem Bahnhof herausgefahren war, bremste er dreimal heftig, dann schleuderte es alle Passagiere nach vorn. Es war ein heftiger Aufprall, alle Scheiben explodierten.» Im Wagen, in dem der junge Mann sass, soll auch ein Baby mitgefahren sein. «Ich schaute sofort nach ihm; dann gingen wir hinaus und sahen das Ausmass des Unglücks: Aus der Führerkabine floss Blut von der Frontscheibe.»

Jean-Michel Bise arbeitete in der Nähe der Unfallstelle. Er berichtet gegenüber «Le Matin»: «Ich hörte beide Züge sehr laut hupen, und plötzlich gabs einen grossen Knall. Dann sah ich Blut, drei verletzte Fahrgäste und andere, die selber aus dem Waggon stiegen.» Bis die Ambulanz eingetroffen sei, habe er zwei Passagieren geholfen, aus dem Zug zu klettern. Ein Fahrgast sagt gegenüber Radio RTS: «Ich wurde heftig gegen den Vordersitz geworfen. Die Leute begannen zu weinen. Ich habe Blut gesehen und viele Verletzte. Ich werde Tage brauchen, um zu realisieren, was passiert ist.»

Die SBB haben nach dem Zugunfall in Granges-près-Marnand VD vom Montagabend derweil die Bilanz nach unten korrigiert. Neben dem verstorbenen Lokführer sprechen die SBB nun von 26 Verletzten. Der Zugführer konnte in der Nacht zum Dienstag von Rettern nur noch tot aus der Führerkabine eines der beiden Züge geborgen werden, nachdem die Einsatzkräfte die ineinander verkeilten Züge voneinander getrennt hatten.

Noch am Montagabend war die Zahl der Verletzten von der Polizei auf 35 beziffert worden. Bei den 26 Verletzten handelte es sich um Personen, die von der Rega oder Ambulanzen ins Spital gebracht wurden, wie die Kantonspolizei Waadt am Dienstag festhielt.

Mehrere Personen unter Schock

Keiner der Verletzten schwebe in Lebensgefahr. Sie wurden in die Spitäler von Payerne, Yverdon, Montreux, Freiburg sowie ins Universitätsspital CHUV in Lausanne gebracht. Ein Dutzend leicht verletzter Personen wurden vor Ort verarztet.

Mehrere standen unter Schock. Sie erhielten vor Ort psychologische Unterstützung. Zum Unfall kam es Ausgangs des Bahnhofes von Granges-près-Marnand in Richtung Lausanne. Zwei Regionalzüge der SBB stiessen aus noch ungeklärten Gründen frontal zusammen.

Medienkonferenz um 11.45 Uhr

Die SBB zeigten sich bestürzt über den Unfall und drückten der Familie des getöteten Lokführers ihr Beileid aus. Die Bahnlinie zwischen Payerne und Moudon bleibt wegen der Aufräumarbeiten bis auf weiteres geschlossen. Es verkehren Ersatzbusse.

Die SBB raten Reisenden von Payerne nach Lausanne via Yverdon zu verkehren. Für 11:45 Uhr wurde eine Medienkonferenz in Lausanne angekündigt. Dabei werden auch SBB-Chef Andreas Meyer und der Leiter Infrastruktur der SBB, Philippe Gauderon, zugegen sein.

20 Minuten überträgt live aus Lausanne. (bro/lüs/sda)

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