Aktualisiert 20.01.2016 08:48

Luxusuhrenmesse Genf

«Ich schliesse eine Hublot-Smartwatch nicht aus»

Am Rande der Genfer Luxusuhrenmesse zeigt Hublot seine neue Kollektion. Hublot-Chef Jean-Claude Biver über Strategie, Stimmung und Spionage bei der Konkurrenz.

von
S. Spaeth

Herr Biver, letztes Jahr waren Smartwatches das grosse Thema an den Uhrenmessen. Ist der Hype schon wieder vorbei?

Nein, auf keinen Fall. Es ist erst der Anfang der Smartwatch, noch ist sie in einer Art Steinzeit. Die Smartwatch wird sich technologisch enorm schnell entwickeln. Bald wird das Zifferblatt nicht mehr nur auf der Uhr sein, sondern in allen Grössen irgendwohin projiziert werden können. Für die Luxusuhrenhersteller des Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) ist die Smartwatch kein Thema, für die Hersteller in tieferen Preisbereichen aber sehr wohl.

Mit der Marke TAG Heuer, die Sie auch verantworten, haben Sie erfolgreich eine Smartwatch lanciert. Wird eine Smartwatch bald für Hublot ein Thema?

Wir denken noch nicht konkret über eine Hublot-Smartwatch nach. Ich schliesse aber nicht aus, dass wir in Zukunft trotzdem eine intelligente Hublot-Uhr lancieren. Der Erfolg mit der Carrera Connected von TAG Heuer stimmt mich sehr zuversichtlich. Wir haben schon fast 100'000 Stück verkauft.

Was muss die Smartwatch können, damit sie sich voll durchsetzt?

Es ist absolut zwingend für den durchschlagenden Erfolg, dass eine Smartwatch unabhängig vom Telefon wird. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass eine intelligente Uhr bald so viel kann wie ein heutiges Smartphone. Womöglich wird die intelligente Uhr das Telefon teilweise ablösen.

Der Luxushersteller IWC lanciert eine traditionelle Uhr mit intelligentem Armband. Ärgern Sie sich, dass nicht Sie diese Idee hatten?

Das intelligente Armband ist eine gute Idee. Man darf sich aber nicht ärgern, wenn man die Idee nicht selbst gehabt hat. Man muss die Konkurrenz respektieren und von ihr lernen. Ich habe zudem gelernt, dass ich nicht immer der Erste sein kann.

Vor einem Jahr wurde der Mindestkurs aufgehoben. Ist die Frankenstärke für Sie bei Hublot noch ein Thema?

Wir haben die Frankenstärke verdaut, in diesem Sinne ist sie kein Thema mehr. Es würde aber nicht schaden, wenn sich der Franken weiter abschwächt. Ein Euro kostet jetzt fast 1.10 Franken, damit können wir leben. Wir konnten uns im letzten Jahr mit einem schlechteren Kurs gut entwickeln. Eine Firma, die wächst, sollte nicht über den Euro-Kurs jammern. Aber klar: 1.20 zum Euro wäre angenehmer.

Das Jahr hat für die Uhrenindustrie schlecht begonnen, Chinas Wirtschaft stockt ...

Ich bin zurückhaltend – aber nicht wegen China. Zurückhaltend bin ich wegen des tiefen Ölpreises, des Terrorismus, der Unsicherheiten im Mittleren Osten sowie der Russland-Ukraine-Krise. Das alles wiegt schwerer als die Wachstumsschwäche in China.

Was bedeutet die allgemeine Situation für die Verkäufe?

Ich gehe für 2016 von einem Uhrenmarkt aus, der rund 2 Prozent schrumpft. Weil ich mit Hublot den Markt immer um 8 bis 10 Prozent übertrumpfen will, sollte Hublot mindestens 6 Prozent mehr Umsatz machen als im Vorjahr.

Was bedeuten diese Zahlen für Ihre Belegschaft?

Ich denke, dass wir in der Uhrenproduktion zwischen 20 und 30 Stellen schaffen werden. Wir wollen dieses Jahr etwa 40'000 Uhren herstellen. Das wären 2000 mehr als im Vorjahr.

Wie oft schauen Sie sich die Hublot-Verkaufszahlen an?

Ich bin jede Sekunde über die Verkäufe informiert. Geht eine Uhr über den Ladentisch, wird mit dem Registrieren der Garantiekarte ein E-Mail mit Angaben zum Verkaufsort und zum Modell ausgelöst, das auch ich erhalte. Zudem bekomme ich Tages- und Wochenverkaufszahlen.

Werden Sie nervös, wenn wenig Abverkauf-Nachrichten eintreffen?

Dann rede ich mir ein, dass in den wichtigen Regionen der Welt Feiertag ist. Was ich nicht mache, ist die Verkaufsteams zusätzlich anzuspornen. Wenn die Kunden weniger kaufen, kann man das nicht mit Druck lösen. Man muss verstehen, weshalb es harzt. Folglich rufe ich die Verkäufer an und frage, woran es liegen könnte.

Sie logieren mit Hublot ausserhalb der Luxusuhrenmesse SIHH in einem Nobelhotel. Sind Sie ein Trittbrettfahrer?

Wenn wichtige Uhreneinkäufer nach Genf kommen, muss man versuchen, diese Kunden zu treffen. Wir haben uns darum mit Hublot für einige Tage im Hotel Kempinski eingemietet. Die Kunden reisen nach Genf und wollen in erster Linie die Marken am Salon anschauen. Wenn sie aber schon hier sind, besuchen sie auch andere Hersteller aus der Region.

Und was sagen die Messeorganisatoren dazu?

Ich fragte vor über zehn Jahren erstmals bei der Richemont-Gruppe an, um mit Hublot ebenfalls auszustellen. Doch die Organisatoren sagten nein – aus Platzgründen. Dann wurde 2008 die Fläche der Messe vergrössert, doch ich wurde wieder abgelehnt. Erhalte ich zweimal einen solchen Bescheid, weiss ich, dass man Hublot nicht haben will am SIHH.

Schauen Sie sich auf Messen an, was andere Marken präsentieren?

Ich schaue auf Messen nie, was die Konkurrenz macht. Würde ich dort die Vitrinen anschauen, hiesse es sofort, der Biver schaut bei anderen Marken ab. Die Informationen über die Modelle der anderen Hersteller bekomme ich von meinen Leuten und von Kunden.

Wie wichtig ist die Genfer Messe für Ihr Geschäft?

Wir haben im letzten Jahr rund 200 Millionen Franken Umsatz gemacht in Genf und gegen 220 Millionen an der Messe in Basel. Dass wir es heuer schaffen, das Resultat aus dem Vorjahr zu übertreffen, denke ich nicht. Die weltwirtschaftliche Stimmung ist nicht gerade so, dass Kunden riesige Vorbestellungen tätigen. Haben wir aber eine gute Kollektion, kommen Nachbestellungen.

Erfahrener Uhrenmanager

Jean-Claude Biver ist Präsident von Hublot und leitet zudem die Uhrenspart der LVMH-Gruppe. Zum Luxusgüterhersteller gehören neben Hublot u.a. Zenith und TAG Heuer. Bei letzterer ist Biver ebenfalls als CEO tätig. Der 66-Jährige verbrachte die ersten zehn Jahre seines Lebens in Luxemburg. Vor seinem Engagement bei Hublot war der umtriebige Uhrenmanager viele Jahre für die Swatch Group tätig. (sas)

Hublot setzt stark auf eigene Boutiquen

Die Uhrenmarke Hublot mit Sitz in Nyon will in diesem Jahr etwa acht weitere eigene Läden eröffnen, darunter einen in New York an der 5th Avenue. Derzeit gibt es weltweit rund 80 Hublot-Boutiquen. Das Ziel von Hublot ist es bis 2019 rund hundert eigene Läden an strategisch wichtigen Orten zu eröffnen. (sas)

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