Timm Klose: «Ich schliesse mich ein und schreie alles raus»

Aktualisiert

Timm Klose«Ich schliesse mich ein und schreie alles raus»

Timm Klose will nach seinem Aussenbandriss wieder angreifen. In der Nati und beim Club, der ihn auch mal ärgert, wenn es mit einem Transfer nicht klappt.

von
E. Tedesco

Timm Klose spricht im Interview über den geplatzten Wechsel in eine erste Liga, über Frustbewältigung und seine Rolle in der Nati. (Video: 20 Minuten)

Gekämpft hat Timm Klose gegen den Frust. Für den Basler Innenverteidiger lagen in den letzten Wochen einige Angebote für einen Clubwechsel vor. West Bromwich unternahm bis wenige Stunden vor Transferschluss Anstrengungen, den Norwich-Star zu verpflichten. Dem Vernehmen nach war der Premier-League- Klub bereit, 20 Millionen Euro zu bezahlen. Norwich City liess den Innenverteidiger aber nicht ziehen, obwohl es der Wunsch des 28-jährigen Baslers gewesen war.

Timm Klose, wie gehen Sie als Spieler mit diesem Tauziehen um?

Timm Klose: Das ist nicht angenehm, vor allem, weil bei uns die Meisterschaft schon begonnen hat und man die Gedanken auch immer ein wenig bei den Transfers hat. In den letzten Wochen ist viel gesprochen worden und natürlich führte das kurzzeitig zu einer gewissen Enttäuschung. Ich hätte gern in einer höchsten Liga gespielt.

Woran ist ein Transfer gescheitert?

Wir hatten Anfragen aus Deutschland und England. Die Angebote lagen auf dem Tisch, aber wenn Norwich nicht von seinem Standpunkt abweicht, ist für einen Wechselwunsch wenig Raum.

Bekommen Sie von den Verhandlungen alles mit oder hält Ihr Manager diese Dinge von Ihnen fern?

Das Problem ist, dass man so wenig wie möglich mitbekommen will, damit es einen im Spiel nicht beeinflusst. Ich habe das in Wolfsburg miterlebt, als Kevin de Bruyne zwischen Bayern und ManCity im Clinch war, konnte er das auf dem Platz nicht immer verheimlichen. Ich denke, sowas macht uns Fussballer nur menschlich.

Und wenn es nicht klappt, macht man eine Faust im Sack?

Ich bin Profi genug. Ich hatte bis jetzt eine tolle Zeit bei Norwich und werde alles dran setzen, das mit dem sofortigen Wiederaufstieg im Sommer weiterzuziehen. Auch, um für die Nationalmannschaft weiterhin ein Thema zu sein, denn mir ist klar, dass es schwierig ist, sich in einer zweiten Liga für die Nati in den Vordergrund zu spielen.

War die Nati auch der Hauptgrund für Ihren Wechselwunsch?

Das Problem ist, dass ich keine 23 mehr bin und sagen kann, dass ich noch genug Zeit habe. Ich bin 28 geworden und hatte meine Ziele immer hoch gesetzt.

Wie sehen Sie derzeit Ihre Rolle in der Nati?

Ich habe mir ein gewisses Standing erarbeitet und weiss, wo ich stehe. Ich weiss aber auch, dass ich zweite Liga spiele. Alles was ich in die Waagschale werfen kann, in der die Karten gemischt werden, ist derzeit, dass ich viel Spielpraxis habe. Aber das reicht nicht, dass weiss ich auch. Johan Djourou und Fabian Schär haben zusammen eine gute EM gespielt und Nico Elvedi hat mit Gladbach Champions-League-Quali gespielt plus Meisterschaft – und das ist ein höheres Niveau, als jenes, auf dem ich spiele, auch wenn die Championship die härteste Liga ist, die ich kenne.

Neben der Spielpraxis können Sie aber auch in die Waagschale werfen, dass sie nach Ihrer Knieverletzung im April einen kompletten Aufbau und eine gute Vorbereitung hinter sich haben.

Das stimmt und ich kann Ihnen sagen, die Vorbereitung in England ist härter, als alles was ich bis jetzt erlebt habe.

Härter als in der Bundesliga?

Durchaus, ja. Ich bin physisch auf einem sehr guten Level.

Der Aussenbandriss im Knie hat Ihnen die EM vermasselt. Haben Sie sich EM-Spiele angesehen?

Ich war wahnsinnig enttäuscht und wollte nur so weit weg wie möglich. Ich habe die ersten beiden Gruppenspiele der Schweiz in den Ferien in den USA gesehen und den Achtelfinal gegen Polen Zuhause. Aber sonst nicht viele, denn der Gedanke, dass ich auch hätte dabei sein können, war zu schmerzhaft.

Zumal Sie ja auch an der WM 2014 aus den Traktanden fielen und nur auf Pikett waren. Wie gehen Sie mit so viel Frust um?

Ich schliesse mich einen Tag im Haus ein und schreie. Dann gehe ich wieder raus und kämpfe (lacht). Es ist extrem bitter, wenn auf einen Schlag alles vorbei ist, auf das du zwei Jahre hingearbeitet hast. Fussball kann man nicht immer planen, aber ich muss das mit einer gewissen Lockerheit angehen, sonst verkrampft man sich nur, und das kann vieles erschweren. Wichtig ist, dass ich diese Dinge positiv annehme, kämpfe und bereit bin, wenn es mich braucht. Und wenn ich nur der Mannschaft damit helfen kann, die Stimmung oben zu halten, dann ist das halt so.

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