Trinkgeld geben in der Schweiz: «Ich sehe keinen Grund für Trinkgeld»
Trinkgeld geben in der Schweiz – ja oder nein? Wir haben die Community nach ihrer Meinung und Erfahrung gefragt.

Trinkgeld geben in der Schweiz – ja oder nein? Wir haben die Community nach ihrer Meinung und Erfahrung gefragt.

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Publiziert

Community-Umfrage«Ich sehe absolut keinen Grund für Trinkgeld»

Wir wollten von euch wissen, wie ihr zum Thema Trinkgeld steht. Eure Antworten haben gezeigt, wie unterschiedlich die Community darüber denkt.

von
Luise Faupel

Vier Personen aus der Schweizer Gastroszene haben uns in einem Artikel von ihren Erfahrungen mit Trinkgeld erzählt. Daraufhin wollten wir von euch wissen, ob und wann ihr als Gast Trinkgeld gebt und wovon ihr es abhängig macht. Auch hat es uns interessiert, ob ihr sogar selbst im Service arbeitet und euch über einen Tip freut oder auch mal ärgert. Hier kommen eure Antworten:

Heinrich: «Habe es noch nie bereut»

«Ist der Service gut, gebe ich natürlich zehn bis 15 Prozent Trinkgeld oder runde einfach auf. Ich habe es noch nie bereut.»

Leserin Elvira hat den Service allein gemacht, musste ihr Trinkgeld jedoch teilen. Findest du das gerecht?

Leserin Elvira hat den Service allein gemacht, musste ihr Trinkgeld jedoch teilen. Findest du das gerecht?

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Elvira: «Ist das gerecht?»

«Ich habe jeden Morgen das Restaurant geöffnet und war, bis ich um zehn Uhr nach Hause ging, allein im Service. Die paar Franken Trinkgeld habe ich mit dem Küchenpersonal teilen müssen. Ist das gerecht?»

Kathi: «Trinkgeld nicht anzunehmen, finde ich frech»

«Ich habe in meiner Schulzeit selber im Service gearbeitet und mich immer sehr über jeden Trinkgeldbetrag gefreut. Als Servicekraft Trinkgeld nicht anzunehmen oder zurückzugeben, weil es einem zu wenig ist, finde ich frech und nicht okay.»

Auf manchen Küchen- und Bartresen finden sich Behälter für den sogenannten Tip. Hier werfen Gäste oder das Servicepersonal Trinkgeld für die Küche oder das ganze Team hinein.

Auf manchen Küchen- und Bartresen finden sich Behälter für den sogenannten Tip. Hier werfen Gäste oder das Servicepersonal Trinkgeld für die Küche oder das ganze Team hinein.

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TH: «Bin für faire Löhne ohne Trinkgeld»

«Trinkgeld ist in der Schweiz inbegriffen. Das Trinkgeld geht an den Steuern und an den Sozialversicherungen vorbei. Der Wirt zahlt wegen des Trinkgeldes weniger Lohn und die Angestellten sind bestraft, wenn sie krank werden oder einen Unfall haben. Auch in der AHV-Rente wird das spürbar. Ich bin für faire Löhne ohne Trinkgeld.»

Franz: «Ich habe selbst wenig und gebe trotzdem»

«Wer den Rappen nicht ehrt, ist des Frankens nicht wert. Wer also mit zehn Rappen Trinkgeld als Servicekraft nicht zufrieden ist, soll nächstes Mal gar nichts bekommen. Ich habe selbst wenig Geld, trotzdem gebe ich immer zwischen zehn bis 90 Rappen Trinkgeld.»

Wer per Twint zahlt, vergisst schnell, Trinkgeld zu geben. Auch durch Corona fielen Bargeld und Trinkgeld häufig weg. 

Wer per Twint zahlt, vergisst schnell, Trinkgeld zu geben. Auch durch Corona fielen Bargeld und Trinkgeld häufig weg. 

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Therese: «Lieferdiensten gebe ich zwei Franken»

«Dem Lieferservice gebe ich immer zwei Franken in bar. In Restaurants fünf bis zehn Prozent – aber nur, wenn ich mit dem Service und der Qualität zufrieden war.»

Maria: «Wir haben darüber abgestimmt»

«Wir haben 1974 in der Schweiz über Service compris abgestimmt. Da wurde klar gesagt, dass ein Kaffee nun mehr kostet, weil der Service zusätzlich eingerechnet wird. Und nun kommt man erneut mit der Trinkgeldfrage? Früher hatten die Service-Angestellten keinen Fixlohn und waren aufs Trinkgeld angewiesen, heute ist das nicht mehr so. Als Gast wird man also nur unnötig abgezockt.»

Bist du dafür, dass dein Trinkgeld unter allen Team-Mitgliedern aufgeteilt wird?

Bist du dafür, dass dein Trinkgeld unter allen Team-Mitgliedern aufgeteilt wird?

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Christine: «Durch Twint fällt Trinkgeld weg»

«Ich bin selbständig und freue mich immer sehr über die Wertschätzung meiner Arbeit durch Trinkgeld. Durch Twint fällt das leider immer mehr weg, da die Kunden nur ihr Handy zücken und gar kein Bargeld mehr in der Tasche haben.»

HerrKuchen: «Mir zahlt auch keiner Trinkgeld»

«Ihr habt ja Sorgen! Ich bin Bäcker und mir zahlt auch keiner ein Trinkgeld, obwohl ich schon seit Stunden auf der Matte stehe, damit Leute sich entspannt ein Gipfeli holen können. Das Problem liegt an der Branche. Wenn man so wenig verdient, dass man auf Trinkgeld angewiesen ist, obwohl der Service bereits inklusive ist, bedeutet das nur eins – da läuft gewaltig was falsch!»

Köchinnen, Köche und der Küchendienst werden manchmal am Trinkgeld vom Service beteiligt, manchmal nicht.

Köchinnen, Köche und der Küchendienst werden manchmal am Trinkgeld vom Service beteiligt, manchmal nicht.

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Sambar1.10: «Preise ändern sich nicht nach Tagesstimmung»

«Wenn ich in ein Lokal gehe, erwarte ich eine nette, freundliche und aufmerksame Bedienung, egal wie schlecht der Tag der Servicekraft ist. Die Preise im Lokal ändern sich ja schliesslich auch nicht nach Tagesstimmung, daher erwarte ich stets hohe Qualität.»

Herdöpfelkommandant: «Kein Mensch kann ständig lächeln»

«Kein Mensch kann ständig lächeln und soll es auch nicht müssen. Das wäre auch nicht ehrlich. Deshalb gebe ich immer allen Trinkgeld.»

Trinkgeld gilt als Wertschätzung für die Arbeit der Servicekraft. 

Trinkgeld gilt als Wertschätzung für die Arbeit der Servicekraft. 

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Jasmine: «Kann mir Trinkgeld nicht leisten»

«Ich würde gerne mal Trinkgeld geben, kann es mir aber leider nicht leisten. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Dadurch, dass nicht mal mehr die Gäste Trinkgeld zahlen können, werden die Armen, die im Service arbeiten, auch immer ärmer.»

Urs: «Ich bin gegen Trinkgeld»

«Ich finde, Trinkgeld gehört sich nur in sehr seltenen Fällen und zwar, wenn der Service ausgezeichnet war. Ansonsten bin ich gegen Trinkgeld, da so der Lohn verschiedener Angestellter indirekt gedrückt wird.»

Heino: «Trinkgeld sollte nicht erzwungen sein»

«Wenn der Service stimmt, gebe ich ein angemessenes Trinkgeld. Bringe es auch gerne direkt in die Küche. Aber Trinkgeld muss sich verdient werden und es sollte nicht erzwungen sein.»

Mark: «Ich jammere auch nicht»

«Das Trinkgeldthema ist peinlich. Zum Glück arbeite ich nicht mehr in dieser Branche. Ich darf auch nicht jammern als normaler Bankangestellter, wenn meine Chefs fette Boni einkassieren. Will ich das auch, muss ich zuerst persönlich was leisten und lernen. So einfach läuft es in der Wirtschaft.»

In der Schweiz sind zehn bis 15 Prozent Trinkgeld üblich. Dies ist in den meisten Ländern Europas der Fall. 

In der Schweiz sind zehn bis 15 Prozent Trinkgeld üblich. Dies ist in den meisten Ländern Europas der Fall. 

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RuddWilston: «Konnte mit dem Trinkgeld in die Ferien»

«Vor 25 Jahren habe ich an den Wochenenden als Barkeeper gearbeitet. Mit dem Trinkgeld konnte ich immer fett in die Ferien fahren. Heute sehe ich bei meiner Tochter, dass an einem Abend nur 20 bis 30 Franken zusammenkommen. Vor 25 Jahren waren es 300 bis 400 Franken.

Bälleler: «Auch der Busfahrer bekommt Trinkgeld»

«Ich verdiene gut, nicht super gut. Ich gebe aber gerne und grosszügig Trinkgeld. Auch der Busfahrer, der mich nach dem Feiern sicher nach Hause bringt, bekommt jedes Mal zehn Franken Trinkgeld.»

Cyrill: «Fühle mich unter Druck gesetzt»

«Am liebsten würde ich gar kein Trinkgeld geben, fühle mich aber oft unter Druck gesetzt, weil es irgendwie dazugehört. Aber ich kriege bei meinem Job ja auch nie Trinkgeld.»

Wie handhabst du es, wenn du mit Freunden im Restaurant die Rechnung begleichst?

Wie handhabst du es, wenn du mit Freunden im Restaurant die Rechnung begleichst?

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Claudi137: «Trinkgeld auch in anderen Branchen»

«Ich arbeite im Verkauf und berate die Kunden länger und intensiver als in der Gastro. Ich finde es schade, dass Trinkgeld nur in der Gastronomie gegeben wird.»

Rahel: «Ich frage immer nach»

«Ich arbeite selbst in der Gastro und frage als Gast immer nach, ob das Trinkgeld geteilt wird. An einer Bar möchte ich es der Person geben, die mich bedient. Anders in einem Speiselokal, dort hängt es auch von der Küche ab. Es ist korrekt, wenn es dann durch alle geteilt wird.»

BettinaD: «Sehe keinen Grund für Trinkgeld»

«In der Schweiz ist Trinkgeld im Preis enthalten. Da sehe ich absolut keinen Grund, es noch zusätzlich zu geben. Oder macht ihr das bei den ebenso schlecht bezahlten Verkäuferinnen oder Flight Attendants auch?»

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