Mike Shiva weiss es: «Ich sehe ein Kind, Martin!»
Aktualisiert

Mike Shiva weiss es«Ich sehe ein Kind, Martin!»

Der schüchterne Martin fragte für 20 Minuten Online fünf Berater von Shiva-TV nach seinen Aussichten in Liebe und Beruf. Ob sich die Prognosen decken?

von
Joel Bedetti
Wem will man sich anvertrauen? Freie Berater auf der Website von Shiva-TV.

Wem will man sich anvertrauen? Freie Berater auf der Website von Shiva-TV.

Der ebenso fiktive wie schüchterne Martin fürchtet sich im nächsten Jahr vor zweierlei Dingen: Seine Freundin Franziska könnte ihn verlassen. Und er könnte beim beruflichen Aufstieg zulasten eines Konkurrenten übergangen werden.

Nur einer kann da Licht ins Ungewisse bringen: Mike Shiva, beziehungsweise sein 50-köpfiges Beraterheer bei Shiva-TV. Als kritischer Mensch wollte es Martin aber genau wissen: Er erkundigte sich gleich bei fünf Beratern nach seinen Aussichten für 2011. Ob die fünf Hellseher fünf verschiedene Visionen hatten, lesen Sie in Martins Protokoll.

Nr.1: Freundin bleibt, kein Aufstieg

Berater Simon nimmt den Hörer ab, eine sanfte und angenehme Stimme mit Ostschweizer Dialekt. Simon fragt mich nur nach dem Namen der Freundin, und schon geht es los. Einige Sekunden Stille. «Von den Karten her sehe ich keine Trennung.» Aber es liege keine einfache Zeit vor uns, sie fordere ihren Teil der Beziehung. «Grundsätzlich ist die Harmonie aber da, sagen meine Karten», tröstet Simon.

Nun zum Job. Da stehen die Zeichen schlecht. «Die Energie, die ich spüre, fühlt sich nicht nach beruflichem Aufstieg an, muss ich dir leider sagen», meint Simon. Dann aber gleich wieder der Trost: «Es ist nicht so, dass deine Fähigkeiten nicht genügen, aber der andere passt einfach perfekt auf den Job.» Zudem würde mir der Aufstieg in dieser anstrengenden Zeit mit der Freundin nicht guttun. Meine Zeit komme aber noch.

Dauer des Gesprächs: Drei Minuten.

Nr. 2: Freundin bleibt, kein Aufstieg

Eine lebhafte Fränzi meldet sich. Sie fragt nach den Geburtsdaten von mir und meiner Freundin und tippt die Angaben in den Computer ein und gibt dabei irgendwelche Geräusche von sich. Bis jetzt erinnert das ganze eher an einen Anruf bei einem Amt. Fränzi hat fertiggetippt. «Denk jetzt mal ganz neutral an euch beide, und wenn du denkst, du hast das Bild, sag Stopp» - «Stopp». Wieder verstreichen teure Sekunden, dann beginnt Fränzi mit ihrer leicht suggestiven Analyse.

«Deine Freundin ist ein sehr freiheitsliebender Mensch, gell?» - «Ja, schon» - «Gell, das wusste ich. Das ist eben das Problem. Und die Eifersucht. Stimmt das?» - «Ja, ein bisschen» - «Wer ist eifersüchtiger, du oder sie?» - «Beide» - «Jaja, gell, das habe ich auch gesehen.» Wenigstens sagen die Karten laut Fränzi, dass wir uns nicht trennen. «Es könnte aber sein, dass ihr eine Weile auf Distanz geht.»

Beim Job siehts wieder schlechter aus: «Ist der Konkurrent älter?» –«Ja» - «Gell. Siehst du, deshalb könnte es sein, dass er das Rennen macht.» Und noch das obligate Trostpflästerchen: «Aber du bist beliebter als er in der Firma, deshalb wird deine Zeit noch kommen.»

Dauer des Gesprächs: Fünf Minuten.

Nr. 3: Freundin bleibt, Aufstieg ungewiss

Doris ist am Apparat, Typ freundliche Praxisassistentin. Sie will Ort, Datum und genaue Uhrzeit meiner Geburt wissen, hämmert es in die Tastaturen und sagt währenddessen «soli» und «da wämer doch mal luege». Ihre Analyse: «Ich sehe einen Gedanken an die Trennung, aber keinen Vollzug.» Sie meint, wir würden unsere Krise umschiffen. «Dir geht es nicht so gut, Martin, oder?» - «Es geht so» - «Die nächsten Wochen werden hart sein, aber dann wird es besser.»

Ihre Visionen, was meine Karriere betrifft, sind verschwommen. «Ich sehe es nicht klar, vermutlich weil deine Chefs die Entscheidung noch nicht getroffen haben.» Man lasse mich noch lange zappeln, aber sie sehe eine positive Entscheidung.

Dauer des Gesprächs: Fünf Minuten.

Nr. 4: Freundin bleibt und Karrieresprung

Sybille am Apparat. Ich sage ihr Namen und Alter meiner Freundin. «Denkst du, dass sie dir treu ist?», fragt Sybille. Endlich wieder jemand, der die Karten analog legt, das dumpfe Klopfen ist angenehmer als das Tastaturgehacke. «Sie ist dir treu, das sagen auch die Karten. Aber es kommen schwere Zeiten auf euch zu», meldet sich Sybille. Die Beziehung sei da, aber im Moment sei die Luft raus, die Erotik weg. «Aber das ist nur eine Momentaufnahme, das ändert sich», schickt Sybille eilig hinterher.

Dafür kriege ich endlich eine gute Prognose, was den Job betrifft: «Das sollte klappen. Ja, das klappt. Oder, ich sag mal, du hast sehr gute Chancen.»

Dauer des Gesprächs: Sieben Minuten.

Nr. 5: Freundin bleibt, kein Aufstieg, dafür ein Kind

Dalila, die ich mir im Kandidatenkarussell ausgesucht habe, weil sie gemäss Audioprofil ihre Fähigkeiten aus Engelsenergie bezieht, meldet sich. Aber auch sie legt erst mal Karten, nachdem ich Namen und Geburtsdatum der Freundin gesagt habe. «Einmal oder zweimal ablegen?» - «zweimal» - «Links, rechts, Mitte?» - «Mitte». Ihre Analyse: «Deine Freundin braucht Freiheit und ist eifersüchtig. Und sie will immer etwas unternehmen, während du der gemütliche Typ bist, oder?» «Ja, schon» - «Ihr wohnt nicht zusammen, gell?» - «Doch» -«Ja, eben, gell.» Dann noch die gute Nachricht: «Ich sehe keine Trennung. Aber ihr werdet es nicht einfach haben in nächster Zeit.» Sie legt nochmals die Karten aus. «Habt ihr mal über Familienplanung geredet, Martin?» - «Nein.» - «Ich sehe aber ein Kind!» -«Was? Ich werde Vater?» - «Das weiss ich nicht, ich bin nicht Gott, aber es wird in nächster Zukunft ein Thema.»

Und wie siehts bei der Arbeit aus? «Wart schnell, Martin, ich leg die Karten aus…», sagt Dalila. «Du bist ein guter Arbeiter, aber die Beziehung hemmt dich im Vorwärtskommen.» Dalila legt mir eindringlich ans Herz: «Überleg dir gut, was du eigentlich willst, Martin! Alles Gute!»

Dalilas Prophezeiungen haben geschlagene 15 Minuten gedauert.

Fazit

Auch wenn die Begründungen und Herleitungen recht verschieden sind, kommen die fünf Hellseher zu einem erstaunlich einhelligen Ergebnis (ausser Delilah mit dem Kind). Vielleicht liegt das aber auch daran, dass Hellseherei zu «einem grossen Prozentsatz gesunder Menschenverstand ist», wie Oberhellseher Mike Shiva in einem «SF-Reporter»-Portrait diesen Sommer sagte. Wenn sich eine scheue Stimme meldet, ist wohl klar, dass er kein Ellbogen-Karrierist ist. Wenn er sich nach der drohenden Trennung erkundigt, ist auch klar, dass schwere Zeiten zu erwarten sind. Andererseits: Welcher Hellseher würde eine Trennung voraussagen, so dass der junge Mann den Kopf endgültig hängen lässt? Und welche Freundin ist nicht freiheitsliebend und eifersüchtig?

Der gesunde Menschenverstand hat aber seinen Preis. Für die 35 Gesprächsminuten muss Martin 157 Franken und 50 Rappen zahlen.

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