15.07.2020 13:50

Polizei ermittelt gegen Instagrammer«Ich sehe kein Problem bei meinen Videos»

«Szene isch Basel» hat auf Instagram mit kruden Videos aus dem Nachtleben einen Trend lanciert. Sein Winterthurer Pendant hat damit jetzt die Aufmerksamkeit der Polizei erregt, die nun ein Ermittlungsverfahren eröffnet hat. In Basel sieht die Justiz derweil keinen Anlass, zu handeln.

von
Lukas Hausendorf

Mit solchen Videos wurde «Szene ish Winti» auf Instagram populär, jetzt ermittelt die Polizei gegen den Account.

20 Minuten

«Szene isch Basel» machte im Mai den Anfang, inzwischen gibt es in der Schweiz Dutzende Nachahmerseiten auf Instagram, die nach dem gleichen Muster funktionieren. Sie dienen einer wachsenden Community aus den jeweiligen Städten als Plattform für Videos, die krude und teils gewalttätige Szenen aus dem Nachtleben dokumentieren. Die Instagram-Accounts haben oft Tausende Follower und sind auch schon zu einem Medienphänomen geworden.

In Winterthur hat der Account «Szene ish Winti» jetzt die Aufmerksamkeit der Stadtpolizei auf sich gezogen. Man habe den Betreiber des Accounts aufgefordert, persönlichkeitsverletzende Videos zu entfernen, sagte Mediensprecherin Rahel Egli gegenüber dem «Landboten». In einem Fall sei bereits ein Ermittlungsverfahren eröffnet worden.

Der Betreiber des Accounts hat von den Ermittlungen erst aus der Zeitung erfahren, wie er gegenüber 20 Minuten sagt. Auf die Forderung der Polizei möchte er nicht eingehen: «Ich habe auf Bitten der Stapo auf meiner Seite keine Inhalte gelöscht.» Die Stapo habe ihm geraten, problematische Videos zu löschen, da diese gegen Persönlichkeitsrechte verstossen können. «Ich erkenne aber kein Problem in meinen Videos», sagt er. Dass die Inhalte, die er postet, kontrovers sind, sei ihm aber durchaus bewusst. «Ich will auch polarisieren», sagt er. Vor allem aber wolle er zeigen, was in Winterthur abgehe, und «für gute Unterhaltung sorgen».

Basler Ermittler werden nicht tätig

In Basel sind die Behörden bis jetzt gelassener im Umgang mit dem Social-Media-Phänomen und sehen sich noch nicht veranlasst, von sich aus aktiv zu werden. Das geschehe erst, wenn Opfer selbst Anzeige erstatten. Und das ist bis jetzt nicht passiert, wie am Mittwoch zu erfahren war.

Der Betreiber von «Szene isch Basel» versucht den Erfolg seiner Seite, die schon über 15’000 Abonnenten hat, jetzt auch zu einem Geschäft zu machen. Seit einigen Tagen verkauft der 22-Jährige T-Shirts mit dem Logo der Seite und am Mittwochabend wird ein erster offizieller Videoclip releast. Für den Dreh am vergangenen Samstag beim Basler Rheinhafen mobilisierte er mehrere Dutzend Follower.

Betrunkene, Polizeieinsätze und Schlägereien: «Szene isch Basel» zeigt die raue Seite des Basler Nachtlebens.

20 Minuten

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