Zwillingsmörderin: «Ich sehe mich als Monster»
Aktualisiert

Zwillingsmörderin«Ich sehe mich als Monster»

Vor dem Obergericht hat die Horgener Zwillingsmörderin sich selbst als «Monster» bezeichnet. Sie bereue ihre Tat aufs Tiefste. Die Täterin kämpft für eine stationäre Therapie.

Das Obergericht wird heute den Fall der Horger Zwillingsmörderin nochmals behandeln.

Das Obergericht wird heute den Fall der Horger Zwillingsmörderin nochmals behandeln.

Die Frau, die 1999 und 2007 in Horgen ZH ihre drei Kinder erstickt hat, sieht sich selbst als «Monster». Dies sagte die 40-Jährige am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht. Es geht zentral um die Frage, ob eine ambulante oder eine stationäre Massnahme angeordnet wird.

Der Verteidiger hatte das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Horgen angefochten. Er bestreitet die Mordqualifikation und fordert eine Qualifizierung aller drei Taten als vorsätzliche Tötung. Vor allem aber will er eine stationäre Massnahme für seine Mandantin erreichen. Seine Mandantin bedürfe zweifellos der entsprechend intensiven Therapierung.

Täterin zeigt Reue

Die Oberrichter befragten am Donnerstag die Schweizerin erneut zu ihrem Leben und ihren Taten. Wie schon vor der ersten Instanz beteuerte die Frau, wie sehr ihr alles leidtue. Mit ihren Taten, die sie zutiefst bereue, müsse sie nun leben. «Ich stehe jeden Tag auf und weiss, ich bin die, die das getan hat», sagte sie.

Zwar versichere ihr ihre Therapeutin, trotz ihrer schrecklichen Taten sei sie ein wertvoller Mensch. Aber «ich sehe mich als Monster», sagte die Beschuldigte. Die Therapie helfe ihr jedoch, sich «Stück für Stück dem Auslöser der Delikte zu nähern».

Eifersucht und Wut

Wie vor dem Bezirksgericht gab die Frau an, sie habe das Baby im Juli 1999 einfach zum Schweigen bringen wollen. Es habe ständig geschrien. Ihre schlafenden Zwillinge habe sie in der Nacht auf Heiligabend 2007 aus einem Impuls heraus mit ihren Kissen erstickt. Sie sei wütend und eifersüchtig auf die beiden gewesen, weil sie ein so viel schöneres Leben hatten, als sie selbst es als Kind gekannt hatte.

Vor allem, dass die Grossmutter - ihre eigene Mutter - sich so liebevoll den Enkelkindern zuwandte und von diesen geliebt wurde, konnte sie nicht ertragen. Sie selbst war gemäss ihren Schilderungen in einer ausgesprochen lieblosen Familie aufgewachsen.

Des mehrfachen Mordes schuldig

Nach ihrem Geständnis am 12. Dezember 2012 vor dem Bezirksgericht hätten Eltern und Bruder jeglichen Kontakt mit ihr abgebrochen. Dass der Vater verstorben sei, habe sie von den Behörden erfahren.

Das Bezirksgericht Horgen hatte die Frau Ende Januar 2013 erstinstanzlich des mehrfachen Mordes (ihrer siebenjährigen Zwillinge) und der vorsätzlichen Tötung (ihres sieben Wochen alten erstgeborenen Töchterchens) schuldig gesprochen.

Es verhängte eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und ordnete eine ambulante Massnahme an. Diese beinhaltet eine Stunde Einzeltherapie pro Woche während des Strafvollzugs. Solange in der neuen Therapieabteilung im Frauengefängnis Hindelbank BE Platz ist, erhält sie dort die intensive Behandlung einer stationären Massnahme. Von den 18 Plätzen seien zurzeit 14 belegt, sagte die Beschuldigte. (sda)

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