Murat Yakin: «Ich sehe uns nicht als Favorit»

Aktualisiert

Murat Yakin«Ich sehe uns nicht als Favorit»

Der FC Basel strebt seinen 12. Cupsieg in der Klubgeschichte an. Für Coach Murat Yakin wäre es der erste Vermerk auf seiner Visitenkarte als Trainer.

von
Eva Tedesco

Als Spieler stand Murat Yakin fünfmal (ein Sieg mit GC, zwei mit dem FCB) in einem Cupfinal. Als Trainer nun zum zweiten Mal. Vor einem Jahr verlor er den Final gegen den FCB. Am Pfingstmontag strebt er nun den 1. Titel als Trainer an. (Video: 20 Minuten)

Murat Yakin ist wohl der Talentierteste aus einer aufstrebenden jungen Schweizer Trainergilde. Das hat er in seiner noch kurzen Trainerlaufbahn und vor allem in der letzten europäischen Erfolgs-Kampagne mit dem FC Basel bewiesen – so das überhaupt noch nötig war. Ein Titel fehlt dem Jungtrainer allerdings noch. Und sagt das auch selbst. Immer wieder hat der Münchensteiner in den letzten Wochen betont, dass nur Titel zählen. Diesen kleinen Makel will der 38-Jährige am Montag im Cupfinal ausmerzen und strebt den ersten Vermerk auf seiner Visitenkarte als Trainer an.

«Genau genommen stimmt das zwar so nicht», sagt Yakin im Stade de Suisse lächelnd, «denn für mich zählt auch der Titel mit Thun, als wir die Challenge League gewonnen haben. Das war ein sehr schönes Erlebnis.» Aber mit einem Eintrag «Cupsieger 2013» oder sogar «Schweizer Meister 2013» lässt sich der Vermerk Aufsteiger 2010 nicht vergleichen. In der kommenden Woche kann Yakin sogar zwei Titel gewinnen: den Cup und die Meisterschaft. Für Rotblau wären es die Titel 12 (Cup) und 16 (Meisterschaft) in der fast 120-jährigen Klubgeschichte.

Alles oder nichts

Der FCB und Yakin kann in dieser Woche der Entscheidungen viel gewinnen, aber auch verlieren. Den Cup, aber auch die Meisterschaft. Denn schon am Sonntag kommt es auch in der Liga zum Duell zwischen dem Leader und seinem hartnäckigsten Verfolger. Rechnerisch ist es nicht unmöglich, dass GC die Bebbi in der Tabelle noch abfängt. Aufgegeben haben die Zürcher Professionals auf keinen Fall, auch wenn GC-Trainer Uli Forte sagt: «Wir haben nie an den Titel gedacht». Einige seiner Spieler tun es doch, auch wenn die Chance verschwindend klein ist.

Solche negativen Gedanken lässt der Winner-Typ Yakin gar nicht erst aufkommen. «Nein, wir sind nicht auf der Verliererseite – das weiss ich», sagt Yakin und schüttelt dabei den Kopf, um seinem Satz Nachdruck zu verleihen. «Das, was wir bis jetzt gemacht haben, war erfolgreich und ist sehr positiv. Die Mannschaft weiss, wie sie in entscheidenden Momenten funktionieren muss.» Diese Erfahrung, die der FCB in den letzten Jahren sammeln konnte, wirft der 38-Jährige als Vorteil für seine Mannschaft in die Waagschale.

Yakin interessiert Vergangenes nicht

Von einer Genügsamkeit bei Rotblau, wie mancherorts geschrieben wurde, sei keine Spur. Er könne keine Sättigung bei seinen Spielern ausmachen. «Wir sind fit und hungrig. Die Spieler haben nur die Pokale im Visier – jedes Jahr aufs Neue. Ein Spieler darf nie satt sein und das gehört mit zu unseren Aufgaben im Verein und im Staff, dass wir die Spieler immer wieder auf solche Aufgaben vorbereiten und Perspektiven und Ziele bieten. Was vorher war, interessiert mich am wenigsten und ich weiss, was es heisst, immer wieder der Gejagte zu sein. Meine Spieler freuen sich, dass man in einem Spiel etwas gewinnen kann und nach einer langen Saison, in der wir noch nichts erreicht haben, die Möglichkeit bekommen, endlich etwas in die Höhe zu stemmen. Es geht im Fussball schliesslich auch um Emotionen und von solchen Momenten kann man nicht genug bekommen».

Obwohl der FCB seit der Jahrtausendwende das erfolgreichste Cupteam stellt und seit 2002 sechsmal im Final stand und allesamt gewonnen hat, sieht Yakin Rotblau nicht in der Favoritenrolle. «Ich glaube, dass es eine offene Partie ist. Es treffen die derzeit zwei besten Teams aufeinander. GC spielt eine tolle Saison und hat es auch verdient, im Cupfinal zu stehen. Wir haben in dieser Saison bald sechzig Spiele in den Beinen und bringen sicher eine gewisse Erfahrung mit, aber GC hat eine gute Mannschaft mit jungen Wilden im Team, die noch nichts gewonnen haben und hungrig sind und das kann sie sicher gefährlich machen.»

Basel reiste am Samstag ins Berner Oberland

Der FCB hat die Vorbereitung auf die Cup-Begegnung einen Tag früher als GC begonnen, indem er schon am späten Samstagnachmittag sein Quartier im Berner Oberland bezogen hat. Nach einem noch eher «gemütlichen» Abend, laut Yakin, werden die Bebbi am Sonntagnachmittag (16 Uhr) im Stade de Suisse trainieren.

Für Montag hat der FCB-Trainer noch ein leichtes Training angesetzt, ehe es fünf Viertelstunden vor Kickoff in Richtung Stadion geht. Und dann steht Yakin da, wo er vor zwölf Monaten auch schon stand – da allerdings noch als Trainer des Aussenseiters Luzern. Dieses Endspiel hat Yakin ausgerechnet gegen jenen Klub verloren, den er am Montag als Cupsieger auf den Barfi führen will.

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