Angelique Coetzee – «Ich sollte nicht über die milden Verläufe bei Omikron sprechen» 

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Angelique Coetzee«Ich sollte nicht über die milden Verläufe bei Omikron sprechen» 

Die Medizinerin aus Südafrika entdeckte die Virusvariante als Erste. Schon früh sah sie mildere Verläufe als bei den Vorgängervarianten – doch sie sollte darüber schweigen. Diese happigen Vorwürfe richtet sie an das medizinische Establishment in Europa. 

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Als eine der Entdeckerin der Omikron-Variante gilt die Medizinerin Angelique Coetzee. Die Südafrikanerin macht nun mit happigen Vorwürfen von sich sprechen.

Als eine der Entdeckerin der Omikron-Variante gilt die Medizinerin Angelique Coetzee. Die Südafrikanerin macht nun mit happigen Vorwürfen von sich sprechen.

Screenshot/Youtube
In Südafrika wurde die Omikron-Variante des SARS-CoV-II-Virus als erstes nachgewiesen.

In Südafrika wurde die Omikron-Variante des SARS-CoV-II-Virus als erstes nachgewiesen.

REUTERS
Kolleginnen und Kollegen aus Europa sollen Coetzee aufgefordert haben, nicht über die milderen Krankheitsverläufe  im Vergleich zu den Vorgänger-Varianten zu sprechen.

Kolleginnen und Kollegen aus Europa sollen Coetzee aufgefordert haben, nicht über die milderen Krankheitsverläufe  im Vergleich zu den Vorgänger-Varianten zu sprechen.

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Darum gehts

Die südafrikanische Entdeckerin der Omikron-Variante des Coronavirus ist nach eigenen Angaben zu Beginn der neuen Pandemie-Welle aufgefordert worden, nicht öffentlich über den milderen Verlauf bei Omikron-Infektionen zu sprechen. «Mir wurde gesagt, ich solle öffentlich nicht erklären, dass es eine milde Erkrankung sei», sagte die Medizinerin Angelique Coetzee der «Welt» (Donnerstagsausgabe). «Ich wurde gebeten, von derartigen Äusserungen Abstand zu nehmen und zu sagen, es sei eine ernste Erkrankung. Das habe ich abgelehnt.»

«Man muss bei Hausärzten nachfragen»

Coetzee wurde nach eigenen Angaben nicht von den südafrikanischen Behörden, sondern von europäischen Ländern unter Druck gesetzt. Dem «Welt»-Bericht zufolge nannte sie Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in den Niederlanden und Grossbritannien, die sie mit Verweis auf die vielen Mutationen der Omikron-Variante kritisiert hätten, weil sie eine Omikron-Infektion eine milde Erkrankung genannt habe.

«Meine Berichte haben sie aus der Spur gebracht», sagte Coetzee über einige ihrer Kollegen und Kolleginnen. «Dabei muss man sich in einer Pandemie nun mal auch ansehen, was an der Basis passiert. Bei den Hausärzten, die täglich Erkrankte behandeln, muss nachgefragt werden, was sie erleben, wie sich das Krankheitsbild darstellt.» Die Medizinerin fügte hinzu, sie glaube, dass die Regierungen «überreagiert» hätten.

Die in Pretoria arbeitende Medizinerin ist Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands (Sama). Ende November war sie die Erste, die auf die neue Omikron-Variante des Coronavirus aufmerksam machte.

Aussagen Coetzees lösten verhaltene Hoffnung aus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte die Variante als «besorgniserregend» ein. Wenige Tage, nachdem sie über die neue Variante informiert hatte, sagte Coetzee im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP, sie habe bei mit der Omikron-Variante infizierten Patienten und Patientinnen mildere Symptome beobachtet als bei Patienten und Patientinnen mit der bis dahin vorherrschenden Delta-Variante. Sie kritisierte damals, dass Omikron als «extrem gefährliche Virusvariante» mit zahlreichen Mutationen aufgebauscht worden sei, obwohl seine Gefährlichkeit noch unklar sei.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und heutige deutsche Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zeigte sich damals angesichts von Coetzees Äusserungen vorsichtig optimistisch. «Es wäre wirklich ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, wenn Omikron leichter verliefe», schrieb er auf Twitter. «Bei so vielen Mutationen wäre es aber denkbar.» 

Auch bei «milden Verläufen» ist Vorsicht geboten

Die Omikron-Variante sorgt generell für schwächere Verläufe als vorhergegangene Varianten. Trotzdem sollten auch die sogenannten «milden Verläufe» ernst genommen werden. Während ein Grossteil der Bevölkerung nämlich annimmt, dass bei einem milden Verlauf keine merklichen Gesundheitsprobleme auftreten werden, bedeutet der Begriff in der Medizin lediglich, dass die Patientinnen und Patienten nicht akute lebenserhaltenden Massnahmen benötigen. Auch geschädigte Organe und Thrombosen in den Beinen können Folgen einer milden bis moderaten Corona-Infektionen sein.

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(AFP/pme)

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