Aktualisiert 05.01.2011 16:20

Preiszwerg Kiran Shah

«Ich spiele gerne einen Zwerg»

Kiran Shah (54) kürzt bei der Migros die Preise und ist längst ein Hollywood-Star. Im Exklusiv-Interview mit 20 Minuten Online wehrt er sich gegen Kritik des Kleinwüchsigen-Verbandes.

von
Bettina Bendiner

Herr Shah, Sie spielten Hobbits, Häschen und kleine Mädchen, waren bei «Titanic», «Lord of The Rings» oder «Indiana Jones» dabei. Wie haben Sie das alles geschafft?

Ich habe 1973 ganz klein angefangen, als Mime bei einer japanischen Theater-Truppe in London. Das gefiel mir dann aber nicht mehr, ich wollte mich nicht immer hinter Masken verstecken. Also habe ich zum Film gewechselt. Aber ohne Maske war erst kaum jemand interessiert an mir. Es war gar nicht leicht für mich.

Wie haben Sie dann doch die Kurve gekriegt?

Kiran Shah: George Lucas hat mich eingeladen. Ich sollte für die Rolle des «R2D2» in «Star Wars» vorsprechen. Er sagte, ich sei seine erste Wahl. Geklappt hats trotzdem nicht. Er versprach mir dann, mich irgendwo anders unterzubringen. Das klappte – und ich konnte 1977 Stunts in «Candleshoe» machen. Danach gings richtig los – man hatte mich als Stuntman entdeckt.

Der Verband der Schweizer Kleinwüchsigen kritisiert Ihr Migros-Engagement. Der Spot bediene nur ein Klischee. Was kontern Sie?

Diese Kritik kann ich nicht verstehen. Ich spiele gerne einen Zwerg. Vor allem: Ich spiele einen Charakter und nicht jemanden, über den man lacht. Der Zwerg ist ein Geschäftsmann, der den Menschen das ermöglicht, was sie gerne haben: tiefere Preise. Er ist nicht einfach ein kleiner, hilfloser Kerl. Sondern ein Zwerg mit Macht. (lacht)

Ist Ihre Grösse von 1,24 Metern für Sie eher ein Fluch oder doch ein Segen?

Die Grösse ist und war einfach immer schon da. Aber das spielt keine Rolle. Nur das Talent zählt. Viele Leute übersehen uns kleine Menschen, weil wir klein sind. Dabei gibt es unglaublich viele von uns auf der ganzen Welt. Die wenigen, die es ins Filmbusiness schaffen, bekommen die Rollen, weil sie Talent haben. Auch bei uns Kleinen ist die Konkurrenz gross. Das hat dann nichts mehr mit Grösse zu tun.

Was waren denn Ihre Highlights?

«Dark Crystal» war fantastisch. Die Muppet-Show-Macher buchten mich 1982 dafür. Da war kein einziger Mensch dabei, wir spielten alle Puppen. Auch «Legend (1985)» war grandios. Die Arbeit mit Tom Cruise und Mia Farrow war sehr aufregend. Am Herzen liegt mir auch «Lord Of The Rings». Da hab ich alle Hobbits gedoubelt. Wann immer sie rennen, reiten, vom Pferd fallen oder einfach nur gehen – das bin ich. Ich glaube, das waren die Höhepunkte meines Lebens.

Was tun Sie, wenn Leute Sie anstarren?

Ich gehe weiter und beachte sie nicht. Ich war schon immer klein, ich hab mich dran gewöhnt. In der Schule hab ich gelernt, wenn man zurück starrt oder darauf reagiert, kommt sowieso nur eine komische Reaktion. Deshalb gilt für mich: Einfach weiter gehen.

Als Stuntman spielt man neben den Schauspielern die zweite Geige. Stört Sie das?

Nein, das ist mir egal. Ich habe viele Stunts bei grossartigen Filmen gemacht. Für mich zählte nur, dass ich beim Film dabei bin. Doch ich hatte Glück und bekam auch andere Rollenangebote.

Sie schreiben auch Gedichte – worin besteht Ihre Poesie?

Grösse, Farbe oder Aussehen, das spielt alles keine Rolle. Wir wissen nicht woher wir kommen oder wohin wir gehen. Wir sollten an die Dinge, die wir tun, glauben. Und aufhören Konzepten von Zukunft oder Einstellungen nachzueifern. Was zählt ist, im Heute zu leben und in Harmonie.

Mit wem freuen Sie sich auf die Zukunft?

Ich bin geschieden und habe keine Kinder. Ich lebe mit meinem Bruder, seiner Frau und meiner Mutter zusammen – und bin sehr glücklich.

Mehr Infos über Kiran Shah: www.littlekiran.com

(Mitarbeit: Marlies Seifert)

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