Vermeintlich gewonnen: «Ich spiele nur noch in Italien Lotto»
Aktualisiert

Vermeintlich gewonnen«Ich spiele nur noch in Italien Lotto»

Vor ein paar Monaten dachte Concetta Gandolfo, sie hätte 10 Millionen Franken im Lotto gewonnen. Doch die Zeitung hatte sich in den Lottozahlen geirrt. Heute versucht sie nochmals ihr Glück. Diesmal in Italien.

von
Katharina Bracher

Frau Gandolfo, im Februar 2008 dachten Sie, mit einem Schlag Millionärin geworden zu sein. Fünf Stunden später stellte sich ihr Gewinn als Irrtum heraus. Die Zeitung hatte alte Lottozahlen abgedruckt. Wie fühlten Sie sich da?

Ich konnte zwei Tage nicht mehr atmen. Soviel Geld! Als sich herausstellte, dass alles nur ein Irrtum war, nervte ich mich über diese Zeitung. Das war kein Versehen, sondern ein brutaler Fehler!

Spielen Sie immer noch Lotto?

In der Schweiz? Sicher nicht. Das Theater will ich mir ersparen. Mein Mann kauft sich zwar noch Lottoscheine, ich selbst spiele nur noch in Italien. Meine Schwester gibt wöchentlich einen Schein ab für mich.

In Italien befinden sich momentan fast 140 Millionen Euro im Jackpot. Haben Sie Hoffnung, nochmals die richtigen Zahlen zu treffen?

Nein, für mich ist die Glückssträhne vorüber, da bin ich sicher. Aber was solls? Ich habe ja Glück! Ich habe meine Familie und arbeite in unserem eigenen Betrieb.

Trotzdem: Was würden Sie mit dem Gewinn machen?

Damals, als ich für fünf Stunden dachte, Millionärin zu sein, war für mich klar: Ich will ein Kinderheim bauen. Und ich will meiner Schwester in Sizilien ein Haus bauen. Das würde ich auch heute noch so machen, denn was will man mit soviel Geld! Ein paar Hunderttausend sind ja in Ordnung, aber noch mehr? Zu viel Geld verdirbt die Leute.

Ganz Italien hat sich einen Lottoschein gekauft. Sind Italiener eher lottosüchtig als Schweizer?

Ja, davon bin ich überzeugt. Sie waren es schon immer und es wird immer schlimmer wegen der schlimmen Wirtschaftssituation. Nehmen sie mein Dorf: Dort hat jemand ein durchschnittliches Einkommen von 1200 Euro. Die Miete macht teils die Hälfte aus, es sei denn, man besitzt ein Haus. Die Leute im Dorf schliessen sich in Teams zusammen, um sich Lottoscheine finanzieren zu können. In Apulien hat sogar mal ein Dorf ein paar Millionen gewonnen!

Millionärin für fünf Stunden

Concetta Gandolfo traute ihren Augen kaum, als sie am 28. Februar 2008 die Zeitung aufschlug: Ihr Mann hatte alle sechs Zahlen richtig getippt und auf einen Schlag 10 Millionen Franken gewonnen. Fünf Stunden später hatte sich der Irrtum geklärt. Der «Tages-Angzeiger» hatte versehentlich die Zahlen der Vorwoche publiziert. Der Irrtum wurde mit einem technischen Fehler erklärt. Die vermeintliche «Millionärin» erhielt zum Trost ein Jahresabo für die Zeitung. Concetta Gandolfo kocht damals wie heute im eigenen Betrieb, der «Osteria da Concetta» im Zürcher Kreis 4.

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