Testperson: So fühlt sich eine Corona-Impfung an
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TestpersonSo fühlt sich eine Corona-Impfung an

Grossbritannien hat als erstes europäisches Land einen Corona-Impfstoff zugelassen, andere Länder werden bald nachziehen. Eine Testperson erzählt, wie es sich anfühlt, den Impfstoff verabreicht zu bekommen.

von
Reto Heimann
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Wie fühlt es sich an, die Corona-Impfung gespritzt zu bekommen?

Wie fühlt es sich an, die Corona-Impfung gespritzt zu bekommen?

Foto: Reuters
Auskunft gibt eine Testperson, die sich schon damit impfen liess.

Auskunft gibt eine Testperson, die sich schon damit impfen liess.

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«Zunächst spürt man nur einen kleinen Piek – nicht anders wie bei eine Grippeimpfung», so die Testperson.

«Zunächst spürt man nur einen kleinen Piek – nicht anders wie bei eine Grippeimpfung», so die Testperson.

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Darum gehts

  • Mit Grossbritannien beginnt das erste europäische Land bald damit, die Bevölkerung gegen das Coronavirus zu impfen.

  • Wie fühlt sich die Impfung an? Ist sie schmerzhaft? Gibt es Nebenwirkungen? Eine Testperson gibt Auskunft.

  • Besonders die zweite Dosis hat es in sich. «Ich war ausser Gefecht gesetzt», sagt die Testperson.

Der Impfstoff ist bald da. Besonders die Impfstoffe der Hersteller Pfizer/Biontech und Moderna sind in der Entwicklung so weit fortgeschritten, dass bald mit dem Impfen begonnen werden kann. Grossbritannien hat als erstes Land weltweit die Zulassung erteilt und möchte bald mit dem Impfen beginnen.

Nur: Wie fühlt sich die Impfung an? Ist sie schmerzhaft? Wie fühlt man sich danach? Fragen, die man am besten einer Testperson stellt. Yasir Batalvi (24) hat sich in den USA bereits Mitte Oktober mit dem Impfstoff von Moderna impfen lassen. Gegenüber CNN erzählt der Student der Elite-Uni in Boston, wie sich das anfühlte.

«Ich fühlte mich gut»

Die Impfung gegen das Coronavirus funktioniert bei beiden Herstellern in einem zweistufigen Verfahren. Beides sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Diese enthalten eine genetische Bauanleitung für ein oder mehrere Proteine des Coronavirus, die nur von einigen wenigen Zellen im menschlichen Körper aufgenommen werden kann.

Ziel ist, dass das eigene Immunsystem mit der Zeit selbst (ungefährliches) Virusprotein bildet, das den Körper in der Folge schützt. Mit einer ersten Dosis soll der Körper gegen das Virus gestählt werden. Die zweite Dosis soll dann die Reaktion auf die Impfung verstärken.

«Die erste Dosis fühlte sich zunächst nicht anders an als zum Beispiel die Grippeimpfung», sagt Batalvi. Ein kleiner Pikser in den Arm – und alles sei auch schon wieder vorbei gewesen. Am Abend habe er Schmerzen dabei gehabt, den Arm über Schulterhöhe zu heben, so Batalvi: «Die Nebenwirkungen sind aber sehr lokal begrenzt. Ich spürte sie wirklich nur im Muskel meines Armes. Ansonsten war nichts betroffen, ich fühlte mich gut.»

«Ausser Gefecht gesetzt»

Ganz anders bei der zweiten Impfdosis. «Ich entwickelte ziemlich starke Nebenwirkungen nach der zweiten Impfung», so Batalvi. Im Spital habe er sich noch gut gefühlt. Als er dann aber nach Hause gegangen sei, habe sich sein Zustand verschlechtert: «Der Abend war schlimm. Ich bekam leichtes Fieber, war müde und hatte Schüttelfrost. Für den Abend war ich ausser Gefecht gesetzt.»

Am nächsten Morgen habe er sich besser gefühlt. Virus-Experte Paul Offit, der am Kinderspital in Philadelphia arbeitet, sagt gegenüber CNN: «Solche Nebenwirkungen sind eine gute Sache. Das heisst, dass das Immunsystem am Arbeiten ist.»

Langzeitfolgen unbekannt

Wenn die zweite Dosis verabreicht und die allfälligen Nebenwirkungen durchgestanden seien, bedeute das: «Man ist nun in einer viel besseren Position, dieses schreckliche Virus zu besiegen, das in den USA über 250’000 Menschen umgebracht hat und für viele mit Langzeitfolgen verbunden ist», so Offit. Genauso sieht das auch der Direktor der US-amerikanischen Behörde für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci.

«Die Nebenwirkungen sollten nach 24, spätestens 48 Stunden abklingen», so Fauci. Schätzungen gehen davon aus, dass nur 10 bis 15 Prozent der Geimpften überhaupt starke Nebenwirkungen entwickeln werden. Allerdings: Die Langzeitfolgen kann noch niemand abschätzen. Es existieren schlicht keine Daten.

Drei Arten Impfstoff

- Totimpfstoffe mit Virusproteinen: Bei diesen wird die Erbinformation mit dem Bauplan für ein Virusprotein zunächst in Bakterien, Hefe oder in Säugerzellen eingebracht, die dann das Virusprotein produzieren. Nach der Reinigung wird dieses dann als Antigen im Impfstoff verwendet.

- Lebendimpfstoffe mit Vektorviren: Bei diesem Ansatz dient ein abgeschwächtes und harmloses Virus als Transportmittel (Vektor) für einen ungefährlichen Teil der Erbinformation von Sars-CoV-2. Es wird quasi verkleidet, damit es in den Körper eingeschleust werden kann. Auf diese Weise funktioniert etwa der Impfstoffkandidat von AstraZeneca und der Oxford University, der des chinesischen Herstellers CanSino und Sputnik-V aus Russland.

- mRNA-Impfstoffe: Diese enthalten eine genetische Bauanleitung für ein oder mehrere Proteine des Coronavirus, die nur von einigen wenigen Zellen im menschlichen Körper aufgenommen werden kann. Einmal injiziert, soll das Immunsystem dann für eine begrenzte Zeit selbst (ungefährliches) Virusprotein bilden, das dann wiederum wie bei einem konventionellen Impfstoff den Aufbau des Immunschutzes bewirkt. Auf diesem Prinzip basieren die Kandidaten von Biontech/Pfizer, Moderna und CureVac. (fee)

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