20-Minuten-Reporter reiht sich für Queen Elizabeth II. in die kilometerlange Warteschlange.

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20-Minuten-Reporter in London«Ich stand sieben Stunden an, um den Sarg der Queen zu sehen»

Noch bis Montag ist es der Öffentlichkeit erlaubt, sich von der Monarchin in der Westminster Hall zu verabschieden. Unser Reporter Gandalf Weidemann war einer, der der Queen die letzte Ehre erwies.

von
Katrin Ofner
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Um sich von Queen Elizabeth II zu verabschieden, nehmen unzählige Menschen lange Wartezeiten auf sich.

Um sich von Queen Elizabeth II zu verabschieden, nehmen unzählige Menschen lange Wartezeiten auf sich.

via REUTERS
Schätzungen zufolge sind es bis zu zwei Millionen Personen, die sich in den vier Tagen, in denen der Leichnam der Monarchin in der Westminster Hall für die Öffentlichkeit aufgebahrt ist, verabschieden werden. 

Schätzungen zufolge sind es bis zu zwei Millionen Personen, die sich in den vier Tagen, in denen der Leichnam der Monarchin in der Westminster Hall für die Öffentlichkeit aufgebahrt ist, verabschieden werden. 

20 Minuten/Gandalf Weidemann
20-Minuten-Reporter Gandalf Weidemann ist derzeit in London und hat sich spontan in die Warteschlange gereiht.

20-Minuten-Reporter Gandalf Weidemann ist derzeit in London und hat sich spontan in die Warteschlange gereiht.

20 Minuten/Gandalf Weidemann

Darum gehts

Noch bis Montagmorgen ist der Sarg der Queen in der Westminster Hall aufgebahrt, damit sich die Öffentlichkeit von der Monarchin verabschieden kann. Der Andrang wurde am Freitag jedoch so gross, dass die britische Regierung die Warteschlange vorübergehend für geschlossen erklärte. Für mindestens sechs Stunden dürfe sich niemand mehr anstellen, hiess es in London. Zuletzt erstreckte sich die Schlange etwa acht Kilometer lang über eine Themse-Brücke bis zur Westminster Hall des Parlaments. 

Einer, der es noch vor der Sperre zum Sarg der Königin schaffte und dabei viel Geduld bewies, war der 20-Minuten-Redaktor Gandalf Weidemann. Am Donnerstag reihte er sich in die Warteschlange ein. «Wegen der Absperrungen durch die ganze Stadt sind wir rund eine Stunde bis zum Anfang der Schlange gelaufen. Danach standen wir sieben Stunden an», berichtete der Basler aus London – und fügte an: «Ich hatte erwartet, dass die Leute sehr traurig und schweigsam sind. Doch die Stimmung war gut, man hat miteinander gelacht und eine gute Zeit gehabt.»

Würdest du dich auch in die Warteschlange für die Queen stellen?

Verpflegung und Sicherheitsmassnahmen 

Trotz der vielen Menschen, die sich von der Königin ein letztes Mal verabschieden wollen, sei von Chaos keine Spur gewesen. «Jede und jeder Anwesende hat ein Armband bekommen, damit die Sicherheitskräfte wussten, dass man ansteht.» Alle 20 bis 50 Meter habe eine freiwillige Helferin oder ein freiwilliger Helfer die Menschen in einzelne Abschnitte unterteilt, damit es im Westminster zu keinem Stau von Menschenmassen kam, erzählt unser Reporter weiter. Auch für Verpflegung – vor allem Wasser – wurde gesorgt.

Schätzungen gehen von bis zu zwei Millionen Menschen aus, die sich in die Schlange reihen, weshalb die Sicherheitsmassnahmen dementsprechend gross sind. Scouts, das Militär, die Polizei, die königliche Leibgarde sowie die Ambulanz sind rund um die Uhr vor Ort im Einsatz. Vor dem Eingang der Westminster Hall müssen die Besucher sogar einen «flughafenähnlichen Sicherheitskontrollpunkt» passieren. «Ich musste das Handy ausschalten und jegliche Lebensmittel und Flüssigkeiten wegwerfen. Selbst Blumen waren nicht erlaubt. Es war wirklich wie kurz vor einem Abflug am Flughafen», sagt Weidemann. 

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

«Mir ging es nahe»

Im Parlamentsgebäude angekommen habe man den Menschenstrom in vier Reihen eingeteilt – zwei Reihen jeweils links und rechts –, bevor man vor dem Sarg der Monarchin, der in die Royal-Standard-Flagge gehüllt und auf dem die Staatskrone, das Zepter und der Reichsapfel platziert sind, für einen kurzen Augenblick innehalten kann.

Ein emotionaler und prägender Moment: «Mir ging es nahe, welche Bedeutung die Queen für England hatte. Viele brachen in Tränen aus. Als wäre ihnen erst dort wirklich bewusst geworden, dass die Königin tot ist.» Auch für unseren Reporter bleibt dieser Moment unvergesslich. «Ich war demütig dem Sarg und dem Leichnam der Queen gegenüber», verrät Gandalf Weidemann abschliessend.

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