Publiziert

Dirty Talk auf Englisch«Ich stehe darauf, meine Freundin im Bett zu beleidigen»

«‹Dirty Talk› auf Deutsch oder Mundart ist unsexy!» – dieser Meinung sind viele User*innen der Plattform Reddit. Auch die 20-Minuten-Community spricht im Bett lieber Englisch. Eine Expertin erklärt das Phänomen.

von
Julia Ullrich
Meret Steiger
Andrea Scherrer
1 / 8
«Ich liebe unsere Sprache, aber sexy ist sie nicht gerade!», beschwert sich eine Userin auf Reddit.  

«Ich liebe unsere Sprache, aber sexy ist sie nicht gerade!», beschwert sich eine Userin auf Reddit.

Pexels.com
Dabei spielt sie auf deutsches Bettgeflüster an.  Dabei zeigt sich: Viele der Kommentatoren*innen haben Mühe, «geile Sätze» auf Deutsch zu formulieren – und switchen deshalb auf eine andere Sprache.

Dabei spielt sie auf deutsches Bettgeflüster an. Dabei zeigt sich: Viele der Kommentatoren*innen haben Mühe, «geile Sätze» auf Deutsch zu formulieren – und switchen deshalb auf eine andere Sprache.

Pexels.com
Auch die 20-Minuten-Community-tut sich schwer mit deutschem Dirty Talk.

Auch die 20-Minuten-Community-tut sich schwer mit deutschem Dirty Talk.

Pexels.com

Darum gehts

  • Dirty Talk gehört in vielen Schlafzimmern dazu.

  • Eine Userin hat mit einem Post auf der Plattform Reddit eine Diskussion losgetreten. Sie findet nämlich: «‹Dirty Talk› auf Deutsch oder Mundart ist unsexy!»

  • Mehrere User*innen kennen das Problem. Ihre Lösung: Sie flüstern in einer anderen Sprache.

  • Die 20-Minuten-Community erzählt von ihren Erfahrungen.

  • Sexualberaterin Katrin Lukas kennt das Phänomen und gibt Tipps.

«Deutsches Bettgeflüster hat irgendwie nichts Attraktives an sich. Ich liebe die Sprache, aber sexy ist sie nicht gerade», schreibt eine Userin auf der Plattform Reddit und entfacht damit eine regelrechte Diskussion unter hunderten Usern*innen. Dabei zeigt sich: Viele der Kommentatoren*innen haben Mühe, «geile Sätze» auf Deutsch zu formulieren – und switchen deshalb auf eine andere Sprache. So auch die Verfasserin des Postings: «Ich habe mir jetzt extra einen Partner gesucht, der nur Englisch spricht. Denn ganz ohne Reden ist auch scheisse.»

Auch die 20-Minuten-Community-tut sich schwer mit deutschem Dirty Talk. Sätze wie «Nimm mich hart, du Hengst» oder «Ich besteige dich, bis das Bett bricht», lösen bei den meisten Usern*innen eher hysterisches Gelächter als lustvolles Stöhnen aus. Drei Leser*innen erzählen, warum sie die heissen Worte antörnen, was sie ihrer*m Sexpartner*in ins Ohr hauchen und welche Sprache sie dabei bevorzugen:

«Ich nenne meine Freundin im Bett ‹dirty little ...›»

Der 27-Jährige J.L.* flüstert seiner Freundin im Bett gern und oft schmutzige Sachen ins Ohr: «Ich stehe auf Dirty Talk, der darf gerne auch extrem sein: Also neben konkreten Wünschen mag ich es, meine Partnerin im Bett zu beleidigen – ich bezeichne sie dann als ‹dirty little ...› (Anm.d.Red.: zu deutsch: kleine, dreckige… ) und Ähnliches. Wir wechseln beim Dirty Talk zwischen Deutsch und Englisch, je nachdem, was einem grad leichter über die Lippen geht. Meine Freundin mag das auch, ich habe aber das Gefühl, dass ich ihr danach umso deutlicher zeigen muss, wie sehr ich sie liebe und das dieser ‹respektlose› Teil sich nur auf unser Sexleben bezieht.»

«Englisch fällt mir leichter, weil ich es aus Pornos kenne»

Ähnlich geht es M.S.* Die 29-Jährige findet Dirty Talk eigentlich super, wäre da nicht ein Problem: «Ich traue mich einfach nicht. Ich denke viel zu lange darüber nach, wie ich etwas sagen will – und dann ist der Moment vorbei oder ich habe den Mut verloren. Oder ich sage etwas, bin aber zu leise. Und ein ‹was?› oder ‹hä?› ist nicht nur unsexy, ich muss auch meinen Mut erneut zusammenkratzen, um mich zu wiederholen. Dirty Talk in einer Fremdsprache hilft, auf Englisch fällt es mir viel leichter. Einerseits wohl, weil ich diese Formulierungen aus Pornos kenne, aber auch, weil eine gewisse Distanz zu den Wörtern herrscht. Und sind wir ehrlich, Deutsch (und vor allem Schweizerdeutsch) ist jetzt einfach per se nicht besonders sexy.»

«Es ist mir unangenehm, wenn mein Freund mir sagt, wie feucht ich bin»

Auch die 24-jährige C.L.* hat bereits Erfahrungen sammeln können – wenn auch nicht nur positive: «Mein Freund sagt mir beim Sex gerne versaute Sachen: Er flüstert mir zum Beispiel ins Ohr, wie sehr es ihn anturnt, dass ich so feucht bin. Es ist mir aber total unangenehm, ich kann nicht mal sagen, warum eigentlich. Ich weiss, dass es eigentlich gut ist, wenn man sagt, was man will. Ich kann auch nachvollziehen, dass man das erotisch findet. Aber etwas in mir, vermutlich eine anerzogene Scham, lässt mich das einfach nicht geniessen. Mein Freund steht aber sehr darauf, jetzt ‹üben› wir, damit ich mir diese unnötige Scham im Schlafzimmer abtrainieren kann. Eine andere Sprache haben wir noch nicht ausprobiert, das wäre sicher einen Versuch wert.»

«Mit einer Fremdsprache wie Englisch oder Französisch schafft man Distanz»

Sexualberaterin Katrin Lukas ist das Phänomen bekannt: «In meiner Praxis erlebe ich es, dass deutschsprachige Menschen Mühe mit ‹Dirty Talk› in ihrer Muttersprache haben. Ich würde generell sagen, dass uns das Sprechen über Sex und Lust nicht geläufig ist. Es kann sich zu Beginn sehr ungewohnt und auch unangenehm anfühlen, darüber zu sprechen.» Laut Lukas besteht die Schwierigkeit vor allem darin, dass die meisten Menschen nicht wissen und nie gelernt haben, wie sie ihre Lust, ihre Wünsche und ihr Begehren ausdrücken sollen. «Und falls man es doch weiss, kann es unangenehm sein, dies zu äussern. Die Angst davor, missverstanden zu werden, sich zu blamieren oder gar abgelehnt zu werden, ist der grösste Hemmfaktor. Scham ist eine Emotion, die hier eine ebenso grosse Rolle wie die Angst spielt», so die Sexualtherapeutin.

Mit einer Fremdsprache gelinge es, ein wenig Distanz zum Gesagten zu schaffen. «Manche Sätze klingen für uns auf Französisch oder Englisch einfach besser, weil wir sie durch unseren Medienkonsum, wie beispielsweise Pornos, Filme oder auch Serien, in einem sexuellen Zusammenhang eher gewohnt sind», sagt Lukas. Sie sieht Dirty Talk als ein äusserst wertvolles Mittel der Lustgewinnung. So könne dabei neben der körperlichen auch die emotionale Lustebene angesprochen werden. «Geht die Erregung zum Beispiel während dem Sex langsam verloren, kann Dirty Talk diese wieder steigern und so untertützend und lustfördernd wirken.»

So überwindet man seine Ängste

Doch wie schafft man es, seine Scham zu überwinden? Laut der Paartherapeutin gibt es dafür nur eine Lösung: «Üben, üben, und nochmals üben!» So könne man beispielsweise zu Hause alleine vor sich hin sprechen oder Sätze und Formulierungen in die Selbstbefriedigung einbauen. Gemäss Lukas eignen sich dafür vor allem kurze Sätze wie:

«Ich finde geil, dass ...»

Beispiel Dirty Talk

«Ich mag, wenn …»

Beispiel Dirty Talk

«Hast du Lust, mir …»

Beispiel Dirty Talk

«Ich finde dich …»

Beispiel Dirty Talk

«Erlaubt ist alles, was ‹geil› und angenehm ist. Inspiration kann man sich auch aus erotischen Bücher, Comics und Pornos holen», so die Sexologin.

*Name der Redaktion bekannt

OneLove setzt auf den Genderstern

Liebe Leser*innen, wir verwenden den Genderstern, um in Personenbezeichnungen neben männlichen und weiblichen auch alle anderen Geschlechtsidentitäten sichtbar zu machen.

Hast du Fragen zu Beziehung, Liebe oder sexueller Gesundheit?

Hier findest du Hilfe:

Lilli.ch, Onlineberatung

Tschau, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.