Aktualisiert 06.04.2020 07:54

Fetisch

«Ich stehe darauf, wenn Frauen mich ausnützen»

Felix* (28) wohnt in Bern und hat einen besonderen Fetisch: Er ist ein Geldsklave und bezahlt Frauen dafür, dass sie ihn erniedrigen. Mit 20 Minuten spricht er über seine Neigung.

von
J.Ullrich
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Felix (28) hat einen heimlichen Fetisch: Er ist ein sogenannter Geldsklave. Das bedeutet, dass er Frauen dafür bezahlt, dass sie ihn erniedrigen und schlagen. (Hier ein Ausschnitt aus der Netflixserie Bonding, die sich rund um Fetische dreht.)

Felix (28) hat einen heimlichen Fetisch: Er ist ein sogenannter Geldsklave. Das bedeutet, dass er Frauen dafür bezahlt, dass sie ihn erniedrigen und schlagen. (Hier ein Ausschnitt aus der Netflixserie Bonding, die sich rund um Fetische dreht.)

Netflix
«Wenn ich ihnen das Geld gebe, fühle ich mich wie ein menschlicher Bankautomat, das törnt mich an», sagt Felix. Die zumeist jungen Frauen findet der Berner über Kontaktanzeigen im Internet. (Symbolbild aus Bonding)

«Wenn ich ihnen das Geld gebe, fühle ich mich wie ein menschlicher Bankautomat, das törnt mich an», sagt Felix. Die zumeist jungen Frauen findet der Berner über Kontaktanzeigen im Internet. (Symbolbild aus Bonding)

Netflix
Zu sexuellen Handlungen kommt es laut dem 28-Jährigen in der Regel nicht. «Manchmal erlauben mir die Frauen aber noch, dass ich ihre Füsse küssen darf. Das ist für mich eine tolle Belohnung.» (Symbolbild aus Bonding)

Zu sexuellen Handlungen kommt es laut dem 28-Jährigen in der Regel nicht. «Manchmal erlauben mir die Frauen aber noch, dass ich ihre Füsse küssen darf. Das ist für mich eine tolle Belohnung.» (Symbolbild aus Bonding)

Netflix

Spätestens nach dem grossen Erfolg der «50 Shades of Grey»-Reihe ist das Wort Fetisch für die meisten kein Fremdwort mehr. Auch die grosse Sex-Umfrage von 20 Minuten zeigt: Rund 40 Prozent der Frauen haben mindestens einmal Sex im BDSM Style praktiziert – etwa mit Augenbinden oder Fesselspielen. Da Sexualität genauso individuell wie der Mensch selber ist, gibt es Dutzende Fetische, die weltweit praktiziert werden. Neben bekannten wie Lack, Leder, Latex (LLL) oder Fussfetisch gibt es aber auch einige, die immer noch als Tabuthemen gelten.

Einen davon lebt der 28-jährige Felix* aus. In seiner Freizeit ist er ein sogenannter Geldsklave. Das bedeutet, er gibt seinen Herrinnen, welche meist vollkommen fremde Frauen sind, Geld. Sex gibt es für die finanzielle Entlöhnung nicht. «Ich will nur, dass die Frauen mich beleidigen oder ausnützen. Ich fühle mich dann wie ein menschlicher Bankautomat, das törnt mich an», sagt Felix. Die zumeist jungen Frauen findet der Berner über Kontaktanzeigen im Internet.

Die darauffolgende Geldübergabe findet laut dem jungen Mann immer an gut besuchten Plätzen wie etwa einer Bahnhofshalle statt. «Man macht sich vorher ein Erkennungszeichen aus, dann kommen die Frauen auf mich zu und verlangen den Umschlag mit dem Bargeld drin. Von Nettigkeit ist da keine Spur», so der 28-Jährige.

«Wenn ich ihre Füsse küsse, macht mich das glücklich»

«Bei meinem ‹ersten Mal› mit einer Geldherrin tauchten gleich zwei Frauen auf. Ich machte zwei Umschläge mit je 300 Franken parat und übergab sie ihnen in Bern am Bahnhof. Nachdem sie das Geld an sich nahmen, sagten sie zu mir: ‹Braver Geldsklave, bedanke dich bei uns.› Daraufhin sagte ich noch danke und wir alle gingen wieder unseres Weges.» Laut Felix ging das Treffen gerade einmal wenige Minuten und fällt unter die Bezeichnung «Cash and Go» (bezahlen und gehen).

«Manchmal erlauben mir die Frauen aber noch, dass ich ihre Füsse küssen darf. Das ist für mich eine tolle Belohnung.» Erst zu Hause denkt Felix an die Geldübergabe zurück und befriedigt sich selbst. Etwas anders sieht es aus, wenn er eine Session bei einer professionellen Domina bucht: «Im Studio erlauben sie mir manchmal, dass ich dort schon den Druck abbauen und beispielsweise auf ihren Schuhen kommen darf. Sex habe ich dort aber nie.»

15000 Franken für Dominas und Geldherrinnen

Dass er diese Neigung hat, weiss Felix schon lange. Bei seinem ersten Mal mit einer Domina war er gerade volljährig. «Ich fand die Herrin damals im Internet. Sie war auf Fussfetisch und Ballbusting (in die Hoden treten) spezialisiert. Es hat mich vorher schon gereizt, aber nach der Session wusste ich, dass mich das sehr erregt.» Der 28-Jährige, der Vollzeit als Bankangestellter arbeitet und rund 6000 Franken pro Monat verdient, hat nach eigenen Angaben in den letzten Jahren mehr als 15000 Franken für seinen Fetisch gezahlt: «Etwa 10000 Franken davon gingen an Dominas. Das restliche Geld an verschiedene Geldherrinnen aus dem Internet.»

In seinem Freundeskreis weiss niemand über die heimliche Leidenschaft von Felix Bescheid. «Ich habe Angst, dass sie mich verurteilen. Auch meine Familie weiss von nichts. Mir ist es auch selbst unangenehm. Es ist mir peinlich, obwohl es mich sexuell erregt.» Eigentlich sehnt sich der 28-Jährige nach einer Partnerin: «Ich bin momentan Single, hätte aber gern eine richtige Beziehung. Ich hatte auch schon ‹normalen› Sex und einige richtige Freundinnen. Das Verlangen nach dem Fetisch ist dann nicht so stark bis gar nicht existent.»

*Name geändert

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